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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Krappblumen - Krapüle.

kultiviert. Die Wurzeln werden im 2. oder 3. Jahr nach der Aussaat oder nach dem Auspflanzen der Setzlinge geerntet, sie sind 20-30 cm lang, 5-12 mm dick, mit rotbrauner, runzeliger Außenrinde, innen gelbrot, werden nach der Ernte getrocknet und kommen meist gemahlen (nur die levantische erscheint nicht zerkleinert) in den Handel. Man reinigt die Wurzeln von der wenig wertvollen Oberhaut und den Saugwurzeln (welche gemahlen den Mullkrapp liefern) und erhält dann durch Mahlen den geschälten oder beraubten K., welcher wertvoller ist als der unberaubte, mit der Oberhaut gemahlene K. Der gemahlene K. bildet ein grobes, safranfarbiges Pulver, riecht stark eigentümlich, schmeckt säuerlich-süßlich, zieht begierig Feuchtigkeit an und muß sorgfältig gegen Luft und Licht geschützt werden. Er verbessert seine Qualität durch mehrjährige Aufbewahrung, geht aber nach dem 5.-6. Jahr wieder zurück. Der meiste K. wurde bisher in Frankreich (Avignon), in Holland (Zeeland, Südholland) und im Elsaß gebaut. Große Quantitäten K. (Lizari, Alizari) kommen aus Kleinasien, Syrien, Cypern, Griechenland und Sizilien. Diesem besten K. steht am nächsten der französische, welchem sich der Elsässer und der holländische anschließen. Der schlesische K. (Breslauer Röte) gehört zu den geringsten Sorten. Der K. enthält außer den gewöhnlichen Pflanzenbestandteilen (elsässischer K. bis 16 Proz. Zucker) wichtige Farbstoffe. Diese finden sich aber nicht in der frischen Wurzel fertig gebildet, sondern entstehen aus Glykosiden, welche unter dem Einfluß eigentümlicher Fermente sich langsam zersetzen. Daher gewinnt der K. beim Aufbewahren. Das wichtigste Glykosid ist die Ruberythrinsäure C26H28O14 ^[C_{26}H_{28}O_{14}], welche sich unter Aufnahme der Elemente des Wassers in Alizarin C14H8O4 ^[C_{14}H_{8}O_{4}] und Zucker spaltet. Einem andern Glykosid entstammt das Purpurin C14H8O5 ^[C_{14}H_{8}O_{5}], welches aber auch vielleicht fertig gebildet im K. vorkommt. Dies ist für sich ohne Färbevermögen, unterstützt aber in Verbindung mit Alizarin den Färbeprozeß. Außerdem enthält der K. orangerotes Pseudopurpurin, gelbes Purpuroxanthin und Isalizarin. - Bei der Anwendung des rohen Krapps wirken die neben den Farbstoffen vorkommenden Substanzen störend, und der Farbstoff selbst ist nicht vollständig verwertbar. Beinahe die Hälfte bleibt, an Kalk und Magnesia gebunden, in der Wurzel zurück; und man wendet deshalb sehr allgemein Präparate an, welche den Farbstoff in reinerer und konzentrierterer Form enthalten. Dahin gehören die Krappblumen, zu deren Darstellung der K. mit reinem oder mit Schwefelsäure angesäuertem Wasser 12-15 Stunden maceriert, dann abgepreßt, getrocknet und gemahlen wird (das Waschwasser ist zuckerreich, kann in Gärung versetzt werden und gibt dann bei der Destillation Spiritus; außerdem gewinnt man daraus Oxalsäure und einen roten Farbstoff). Die Krappblumen geben ein schöneres, solideres Violett, ein glänzendes Rosa, und der weiße Grund bleibt reiner, der Farbstoff aber wird ebenfalls nur zur Hälfte ausgenutzt. Zur Darstellung von Garancin extrahiert man gemahlenen K. mit kaltem Wasser, preßt, rührt ihn mit schwach verdünnter Schwefelsäure an, wäscht dann aus, trocknet und mahlt. 100 Teile dieses Präparats entsprechen 500-600 Teilen K. Es gibt ziemlich lebhafte und glänzende Farben und ebenfalls reinern weißen Grund. Garanceux wird in derselben Weise aus schon zum Färben benutztem K. dargestellt und ist daher minderwertig. Pinkoffin (Alizarine commerciale), welches sehr schönes Violett liefert, wird erhalten durch Erhitzen von gut ausgewaschenem Garancin auf 200° oder Behandeln mit überhitztem Dampf. Krappkohle ist das Produkt der Behandlung von Krappblumen mit konzentrierter Schwefelsäure und dient zur Darstellung von Extrakten, wie von Kolorin, welches aber auch direkt aus Garancin bereitet wird. Die Krappextrakte aus K., Garancin und Krappkohle besitzen das 20-70fache Färbevermögen des Krapps, liefern im allgemeinen sehr echte Farben mit sehr schönem Weiß und dienen namentlich in der Zeugdruckerei. Hierher gehören Azale, Rochlederin etc., welche aus fast reinem Alizarin bestehen. - Der K. war schon den Alten bekannt; Dioskorides erzählt, daß Erythrodanon angebaut werde und auch wild vorkomme, und daß die Wurzeln zum Färben benutzt werden; Plinius nennt die Pflanze Rubia; in den Kapitularien Karls d. Gr. wird sie als "Warentia" zum Anbau empfohlen, doch verbreitete sich die Krappkultur in Frankreich erst einige Jahrhunderte später und erlosch dann wieder, so daß sie gegen Ende des 16. Jahrh. fast nur noch in Holland betrieben wurde. 1760 ließ der französische Minister Bertin Samen des levantischen Krapps nach Frankreich kommen und unter die Landleute verteilen. In Avignon soll ein gewisser Althen 1766 den Krappbau eingeführt haben, der sich wenig später auch im Elsaß verbreitete. In Deutschland wurde wohl zuerst in Schlesien K. gebaut, wenigstens datiert eine Breslauer Röteordnung von 1574. In Böhmen, wo im 16. und 17. Jahrh. der Krappbau ebenfalls blühte, wurde er durch den Dreißigjährigen Krieg zu Grunde gerichtet; auch in Bayern, Sachsen und Baden ist er ganz zurückgegangen; in der Pfalz datiert er seit 1763. In den 30er Jahren hatte der Krappbau einen großen Aufschwung genommen, die Entdeckung der Anilinfarben bewirkte aber einen bedeutenden Rückschlag, und durch die Darstellung des Alizarins aus Steinkohlenteer wurde dem Krappbau jede Bedeutung genommen.

Krappblumen; s. Krapp.

Krappdruck, s. Zeugdruckerei.

Krappextrakte, s. Krapp.

Krappfarben, s. Kesselfarben u. Zeugdruckerei.

Krappitz, Stadt im preuß. Regierungsbezirk und Kreis Oppeln, am Einfluß der Hotzenplotz in die Oder, 220 m ü. M., hat ein Amtsgericht, eine evangelische und eine kath. Kirche, großartige Kalksteinbrüche nebst Kalkbrennerei, Schiffahrt, Dampfmühlen, Gerberei, Schinkenhandel und (1885) 2658 meist kath. Einwohner. Dabei Schloß und Herrschaft K.

Krapplack, rote Malerfarbe von verschiedenen Schattierungen, besteht aus einer Verbindung des roten Krappfarbstoffs mit Thonerde und wird auf die Weise bereitet, daß man Garancin mit Alaun und Wasser kocht und die klare Abkochung mit Soda fällt. Vollzieht man die Fällung in mehreren Operationen, so erhält man Lacke von verschiedenen Nüancen. Zusatz von Zinnsalz erhöht das Feuer des Krapplacks. Der K. ist eine schöne und dauerhafte Öl- und Wasserfarbe, nicht giftig, wird auch als Anstrichfarbe und in der Tapetenfabrikation benutzt.

Krappmaschine, Vorrichtung zum Reinigen namentlich wollener Gewebe.

Krapppurpur, s. Purpurin.

Krapprot, s. Alizarin.

Krappspiritus, aus Krappwurzeln dargestellter Spiritus, s. Krapp.

Krapüle (franz.), Völlerei, Liederlichkeit; Lump, Lumpenvolk, Gesindel; à bas la crapule! nieder mit dem Lumpenpack!