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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Krebs

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Krebs (Flußkrebs).

zieht und hier verweilt, bis die am Bauch angeklebten 200-400 großen, anfangs blauschwarzen, später roten und gelben Eier gezeitigt sind. Die 15 mm langen Jungen schlüpfen im Mai aus und werden im fünften oder sechsten Jahr fortpflanzungsfähig. Die großen, über 100 g schweren Krebse sind über 20 Jahre alt. Im Magen der Krebse bilden sich die sogen. Krebsaugen (s. d.), welche nach der Häutung verdaut werden, um zur Bildung des neuen Panzers verwendet zu werden. Mit Vorteil hat man den K. für den Markt gemästet (Clairfontaine bei Rambouillet). Den bedeutendsten Krebshandel hat Berlin, welches sich aus der Mark, Pommern, Ost- und Westpreußen versorgt und diese allgemein unter dem Namen Oderkrebse gehenden Krebse nach Sachsen, Hannover, der Rheinprovinz, besonders nach Frankreich liefert. Auch England bezieht jährlich mehr als 15,000 Schock Krebsschwänze. Man fängt den K. in Reusen und Fangkasten und bewahrt ihn für den Winter in großen, von Quellwasser durchströmten Behältern. 8-14 Tage lassen sich gut abgetrocknete Krebse in einem kühlen Keller lebend erhalten, wenn man sie in einem Korb oder Netz aufhängt. Früher waren die Gewässer ungemein reich an Krebsen, und noch im 17. Jahrh. bezog Küstrin große Einnahmen aus dem Handel mit den Warthekrebsen, deren in einem Jahr an 32,5 Mill. Schock über Küstrin versandt wurden. Die Oder ist seit Regulierung des Oderbruchs arm an Krebsen, in vielen Gewässern ist der K. durch andre Verhältnisse zurückgedrängt worden, und in neuester Zeit hat die Krebspest (s. d.) große Verwüstungen angerichtet. Krebszucht ist wegen des langsamen Wachstums nicht rentabel; mit Erfolg hat man aber in Elsaß-Lothringen, Bayern, Thüringen und in der Oder alte Krebse ausgesetzt, um Nachkommenschaft zu erzielen. Bachkrebse sind schmackhafter als Flußkrebse; letztere sind dunkelbraun und in der Qualität fast gleich, während Seekrebse in Qualität und Färbung mannigfach abweichen. Kalmusreiche Gewässer liefern bittere Krebse. Am schmackhaftesten sind die Krebse nach der ersten Häutung, die in Flüssen und Bächen im Juni, in Seen im Juli erfolgt. Sehr fett ist der K. auch noch bis Oktober. Sein schmackhaftes Fleisch ist schwer verdaulich. Das Rotwerden der Krebse beim Kochen beruht auf der Zerstörung eines bläulichen Farbstoffs, welcher im Leben den roten Farbstoff verdeckt. Vgl. Huxley, Der K. (deutsch, Leipz. 1880); Reichenbach, Studien zur Entwickelungsgeschichte des Flußkrebses (Frankf. a. M. 1886).

^[Abb.: Fig. 1. + Fig. 2. Der Flußkrebs. M d Oberkiefer mit Taster; Mx' und Mx'', erster und zweiter Unterkiefer; M_{1}, M_{2}, M_{3}, die drei Kieferfüße; G Geschlechtsöffnung; B_{1}-B_{5} Gehfüße, von denen das erste Paar in große Scheren verwandelt ist; A_{1}-A_{5} Blattfüße.]