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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kreisabschnitt - Kreisinstrumente.

Kreisabschnitt, Kreisausschnitt, s. Kreis, S. 185.

Kreisamt, im Großherzogtum Hessen die Behörde, welche einen Kreis zu verwalten hat, entsprechend dem preußischen Landratsamt.

Kreisassessor, s. Kreisrat.

Kreisausschuß, s. Kreisverfassung.

Kreischa, Marktflecken in der sächs. Kreishauptmannschaft Dresden, Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde, an der Lungwitz und der Linie Döbeln-Oschatz der Sächsischen Staatsbahn, hat eine Kaltwasserheilanstalt, eine große Strohhutfabrik (200 Arbeiter) und (1885) 1571 evang. Einwohner.

Kreisdeputierte, in Preußen die Vertreter des Landrats, welche von dem Kreistag auf je 6 Jahre gewählt werden. Sie bedürfen der Bestätigung des Oberpräsidenten und sind von dem Landrat zu vereidigen.

Kreisdirektor, in Elsaß-Lothringen der Verwaltungschef eines Kreises. Auch in Braunschweig und in Anhalt ist K. der Amtstitel des Verwaltungschefs eines Kreises.

Kreiselbewegung (Gyralbewegung), die Drehung eines starren Körpers um eine mit ihm fest verbundene Achse. Ist die Masse des rotierenden Körpers rings um die Drehungsachse symmetrisch verteilt, so wirken auf die Achse keinerlei aus der Rotation entspringende Kräfte, da ja die Schwungkraft (Zentrifugalkraft) eines jeden Massenteilchens durch eine gleiche und entgegengesetzte aufgehoben wird; eine solche Achse wird eine freie Achse genannt. Da jedes um eine freie Achse rotierende Massenteilchen vermöge der Trägheit in seiner zur Achse senkrechten Drehungsebene zu verharren strebt, so muß auch die freie Achse selbst das Bestreben zeigen, ihre Richtung im Raum zu bewahren, und wird einer Kraft, welche sie aus dieser Richtung bringen will, einen um so größern Widerstand entgegensetzen, je größer das Trägheitsmoment (s. d.) und die Drehungsgeschwindigkeit des rotierenden Körpers sind. Daher kommt es, daß ein hinlänglich rasch rotierender Kreisel nicht umfällt, selbst wenn seine Achse schief steht, und daß Räder, Reisen, Geldstücke etc. nicht umfallen, wenn man sie auf ihrem Rand rollen oder um den vertikalen Durchmesser "tanzen" läßt. Die Wirkung der störenden Kraft auf den Kreisel äußert sich vielmehr dadurch, daß die Achse desselben in einer zur Richtung der störenden Kraft senkrechten Richtung ausweicht und in langsamer Bewegung die Oberfläche eines Kegels beschreibt, ohne daß die Achse ihre Neigung gegen die horizontale Ebene ändert (Fig. 1). Das Bestreben einer freien Achse, ihre Richtung im Raum beizubehalten, läßt sich durch Bohnenbergers Rotationsapparat (Fig. 2) nachweisen, welcher aus einer Kugel besteht, deren Drehungsachse vermöge ihrer Aufhängung in drei ineinander drehbaren Ringen unbehindert jede beliebige Stellung annehmen kann. Versetzt man die Kugel durch Abziehen einer auf ihre Achse aufgewickelten Schnur in rasche Umdrehung, so bleibt die Achse mit sich selbst parallel, wie man auch den ganzen Apparat drehen und neigen mag. Großartige Beispiele von Drehung um freie Achsen bieten uns die Planeten und unter diesen die Erde dar. Die Erdachse würde, wenn die Erde eine vollkommene Kugel wäre, immerdar mit sich selbst parallel und stets nach dem Polarstern (α des Kleinen Bären) gerichtet bleiben. Aus der Anziehungskraft der Sonne auf die den Erdäquator umgürtende Anschwellung entspringt aber eine störende Kraft, welche die zur Ebene der Erdbahn (Ekliptik) unter einem Winkel von 66½° geneigte Erdachse zur Bahnebene senkrecht zu stellen strebt. Ähnlich wie beim Kreisel, ändert aber die Erdachse ihre Neigung zur Erdbahn nicht, sondern beschreibt im Verlauf von etwas mehr als 25,800 Jahren einen Kegel von etwa 47° Öffnung um die Normale der Ekliptik, so daß im Lauf der Jahrtausende nach und nach immer andre Sterne die Rolle des Polarsterns übernehmen werden; so wird z. B. nach etwa 12,000 Jahren der Stern Wega (α der Leier) Polarstern sein. Diese kegelförmige Bewegung der Erdachse hat ferner zur Folge, daß die Nachtgleichenpunkte auf der Ekliptik jährlich um etwa 50'' nach W. vorrücken (Präzession der Nachtgleichen, s. d.).

^[Abb.: Fig. 1. Kreisel. Fig. 2. Bohnenbergers Rotationsapparat.]

Kreiselrad, s. Turbine.

Kreiselschnecken (Trochidae d'Orb.), Familie der Schnecken, aus der Gruppe der Vorderkiemer (Prosobranchia), besitzen ein kreiselförmiges Gehäuse mit spiraligem, hornigem oder mehr oder weniger kalkigem Deckel, seitliche Ausbreitungen oder fadige Anhänge am Fuß, sehr verkümmerte Kiemen und auf kleinen Stielen stehende Augen. Von den pflanzenfressenden dienen mehrere Arten der Gattung Turbo Gray dem Menschen als Nahrung; die Deckel von einigen wurden als Meernabel (Umbilicus marinus) früher gegen Magensäure benutzt. Die dicken Gehäuse größerer Arten, z. B. des Turbo olearius L. (großer Ölkrug), welcher in der Brandung der Küsten der Molukken lebt, liefern den Chinesen Perlmutter zum Belegen von lackierten Möbeln (s. Perlmuscheln). Von der Gattung Trochus L. sind über 200 Arten aus allen Meeren beschrieben.

Kreiseximiert, s. Immediat.

Kreisforensen, Personen, welche, ohne in einem Kreis ihre Wohnung zu haben, Grundeigentum in demselben besitzen oder in dem Kreis ein stehendes Gewerbe oder Bergbau betreiben. Dieselben sind verpflichtet, zu den Kreisabgaben, wo solche bestehen, mit beizutragen.

Kreisfuge (Fuga circularis) ist nicht eine Fuge, sondern ein Kanon (s. d.) und zwar einer ohne Ende (Canon infinitus, perpetuus), da er in den Anfang zurückläuft (vgl. Weitzmanns "Musikalische Rätsel").

Kreisgemeinde, Bezeichnung für den Kreis (s. d.), insofern er nicht als Verwaltungsbezirk, sondern als höherer Gemeindeverband mit korporativen Rechten in Betracht kommt (s. Kreisverfassung).

Kreishauptmann, im Königreich Sachsen (s. d.) der Verwaltungschef eines Regierungsbezirks oder einer Kreishauptmannschaft, deren das Königreich vier zählt (Dresden, Leipzig, Zwickau und Bautzen).

Kreisinstrumente, in der Meßkunst, s. Theodolit und Tachymeter.