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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kreling; Krell; Krellen; Kremation; Kremenez; Krementschug; Krementz; Kremer

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Kreling - Kremer.

Kreling, August von, Maler und Bildhauer, geb. 23. Mai 1819 zu Osnabrück, besuchte das dortige Ratsgymnasium und die polytechnische Schule in Hannover, ward mit 17 Jahren Schüler von Schwanthaler in München, ging aber bald zur Malerei über. In seinen ersten Bildern bekundete er eine entschiedene Hinneigung zur koloristischen Richtung. Seine erste größere Leistung waren die neun Deckenbilder im Hoftheater zu Hannover: die Hauptbühnenfächer in dramatischen Szenen. Im J. 1853 begann er im Auftrag des Königs von Bayern die Reorganisation der Nürnberger Kunstschule; daneben malte er für das Maximilianeum zu München die Krönung Ludwigs des Bayern und zeichnete die Kartons zu den Bildern deutscher Kaiser sowie einen Cyklus von Bildern aus der Sage Karls d. Gr. Die ihm angebotene Akademiedirektorstelle in Berlin lehnte K. ab unter der Bedingung, daß ihm zureichende Mittel gegeben würden, seine Schule zu einer technischen Hochschule für bildende Kunst zu machen. Vor allem war sein Augenmerk auf die Hebung des Kunstgewerbes gerichtet. Der König belohnte seine Verdienste durch Verleihung des Zivilverdienstordens, mit dem der persönliche Adel verbunden ist. Bald danach begann K. einen Cyklus von Kompositionen zum "Faust", die durch Photographien und Holzschnitt (Münch. 1876) weit verbreitet sind, aber an einer oberflächlichen Eleganz leiden. Dann modellierte er das kolossale Standbild des Fürsten Heinrich Posthumus von Reuß in Gera (gegossen von Lenz und Herold zu Nürnberg). Diesem folgte das 1870 ebenda gegossene Denkmal Keplers, anläßlich dessen die philosophische Fakultät zu Tübingen K. das Doktordiplom übersandte. Schon 20 Jahre früher hatte K. auf Veranlassung des königlichen Erzgießereiinspektors Miller in München den Entwurf eines grandiosen Brunnens gezeichnet, den ein nordamerikanischer Bürger, Probasco in Cincinnati, nun bei Miller in Erz gießen ließ. K. starb 23. April 1876. Er war ein Mann von reicher künstlerischer Begabung, vielseitiger Bildung, reich an Erfahrung, von praktischem Blick und außerordentlicher Energie. In seinen Bildern blieb er der koloristischen Richtung treu, und in seinen plastischen Werken gibt sich durchweg eine entschiedene Neigung für das malerische Element kund.

Krell, Nikolaus, kursächs. Kanzler, s. Crell.

Krellen, das Treffen der dornartigen Fortsätze der Rückenwirbel des Elch-, Rot-, Dam-, Reh- und Schwarzwildes mit der Kugel (Krellschuß).

Kremation (lat.), Verbrennung (namentlich von Leichen).

Kremenez (poln. Krzemieniec), Kreisstadt im russ. Gouvernement Wolhynien, liegt in einer Gebirgsschlucht an der Ikwa, hat 6 Kirchen, mehrere Fabriken, Kornhandel mit Odessa und Österreich und (1884) 5969 Einw. In der Nähe das 1240 gegründete Potschajewsche Mönchskloster. Die Stadt, welche aus dem 8. Jahrh. stammt, gehörte früher zum Fürstentum Wladimir, kam im 14. Jahrh. an Polen, wurde unter Siegmund I. befestigt, fiel aber 1648 vor einer kleinen Schar Kosaken, welche sich für die Bedrückung ihres Glaubens an Polen rächten. Der Kreis hat durchgängig äußerst fruchtbaren Boden.

Krementschug, Kreisstadt im kleinruss. Gouvernement Poltawa, am Dnjepr, von dessen Überschwemmungen die Stadt viel gelitten hat, an der Eisenbahn Jelissawetgrad-Charkow, hat eine Schiffbrücke, 7 griechisch-kath. Kirchen, 3 Kirchen der Sektierer, ein luther. Bethaus, 2 Synagogen, eine Realschule und ein Mädchenprogymnasium, mehrere Banken (darunter eine städtische), 4 Buchhandlungen, zahlreiche Fabriken, besonders in Tabak, Leder, Talg, Seife, Lichten, Met, Bier, Stricken, Equipagen und landwirtschaftlichen Maschinen, bedeutenden Handel mit Holz, Tabak etc., einen wichtigen Wollmarkt (zu Johannis), Fischerei und (1882) 47,473 Einw. Zur Stadt wird der Flecken Krjukow gerechnet. K. ist 1571 gegründet und war von 1765 bis 1789 Hauptstadt von Neurußland.

Krementz, Philipp, Erzbischof von Köln, geb. 1. Dez. 1819 zu Koblenz, Sohn eines Fleischers, machte seine theologischen Studien in Bonn und München und wurde 22. Okt. 1842 in Trier zum Priester geweiht. Er wurde dann zuerst Kaplan an der St. Kastorkirche zu Koblenz, 1846 Religionslehrer an der Ritterakademie zu Bedburg, 1848 Pfarrer von St. Kastor zu Koblenz, später auch Dechant und Ehrendomherr. Er stand als Prediger und Seelsorger in großem Ansehen, auch in den vornehmern Kreisen. Am 22. Okt. 1867 wurde er zum Bischof von Ermeland gewählt und 24. Mai 1868 zu Frauenburg inthronisiert. Bei dem größten Teil des Klerus seiner Diözese machte sich K. unbeliebt durch einige Neuerungen im Sinn der streng römischen Richtung. Auf dem vatikanischen Konzil 1869-70 gehörte er zu der gegen die kurialistischen Tendenzen opponierenden Minorität. Am 19. Febr. 1870 veröffentlichte er zwar eine Erklärung gegen Döllingers Kritik des die päpstliche Infallibilität betreffenden Antrags, unterzeichnete aber noch die Erklärung, welche die Opposition vor der entscheidenden Sitzung vom 18. Juli 1870 dem Papst überreichte. Ende August d. J. nahm er an der Versammlung deutscher Bischöfe zu Fulda teil und unterzeichnete den Hirtenbrief derselben. Das Infallibilitätsdogma verkündete er bald darauf in seiner Diözese, schloß sich durch Unterzeichnung der Hirtenbriefe vom Mai 1871 den entschieden infallibilistischen Bischöfen an und verhängte über die antiinfallibilistischen Geistlichen seiner Diözese Suspension und Exkommunikation. Dieses Vorgehen veranlaßte im März 1872 einen Konflikt mit der preußischen Staatsregierung, in welchem er sich hartnäckig weigerte, die Staatsgesetze ohne Vorbehalt anzuerkennen, und welcher 25. Sept. 1872 mit der Sperrung der Temporalien endete. Weitere Konflikte mit der preußischen Regierung vermied jedoch K., so daß er der Absetzung entging. Dieser seiner gemäßigten Haltung wegen ward er auf Wunsch der preußischen Regierung 1885 zum Erzbischof von Köln ernannt. Als Schriftsteller ist er aufgetreten mit zwei populär-apologetischen Schriften über die katholische Kirche: "Das Haus Gottes" (Kobl. 1854), "Die Stadt auf dem Berg oder Offenbarung und Abfall" (das. 1861) und mit einer Reihe von Schriften ("Israel, Vorbild der Kirche", Mainz 1865; "Das Evangelium im Buche Genesis", Kobl. 1867; "Das Leben Jesu, die Prophetie der Geschichte seiner Kirche", Freiburg 1869; "Grundlinien zur Geschichtstypik", das. 1875; "Die Offenbarung des heil. Johannes", das. 1883), worin er in sehr phantastischer Weise einen Parallelismus zwischen den Ereignissen in der Geschichte des israelitischen Volkes, Jesu Christi und der christlichen Kirche nachzuweisen versucht.

Kremer, 1) Józef, poln. Philosoph und Ästhetiker, geb. 1806 zu Krakau, besuchte die Universität daselbst, studierte dann in Berlin, Heidelberg und Paris, eröffnete, nachdem er sich an dem polnischen Befreiungskrieg von 1830 bis 1831 beteiligt hatte, in Krakau eine Erziehungsanstalt und wurde 1847 zum Professor der Philosophie an der Krakauer Universität ernannt.