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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kristallkeller - Kritik.

der gereiht als Margariten, zu rundlich konturierten Spießen vereinigt als Longuliten. Der Prozeß der Bildung dieser Gestalten läßt sich unter dem Mikroskop verfolgen, wenn man die Verdunstung einer Lösung von Schwefel in Schwefelkohlenstoff dadurch verlangsamt, daß man eine Lösung von Kanadabalsam ebenfalls in Schwefelkohlenstoff zusetzt.

Kristallkeller, s. Quarz.

Kristalllinse, s. Auge, S. 74.

Kristallmehl, s. Kristallisation.

Kristallochemie, Lehre von den chemischen Eigenschaften der Kristalle, vgl. Kristall, S. 234.

Kristallogenie (griech.), die Lehre von der Bildung der Kristalle.

Kristallographie (griech.), s. Kristall.

Kristalloide (griech.), kugelförmige Massen, welche durch Anziehung gegen einen gemeinschaftlichen Mittelpunkt entstehen, ohne jedoch kristallinische Struktur zu zeigen, finden sich im Sand, Mergel, Sandstein etc.; in der Chemie die kristallisierbaren Substanzen, die in Lösung leicht durch Membranen diffundieren, gegenüber den Kolloiden, welche ein solches Diffusionsvermögen nicht besitzen (vgl. Diffusion); endlich die kristallähnlichen Formen, in welchen Proteinkörper in Pflanzen auftreten (vgl. Aleuron).

Kristalloidsubstanzen, s. Endosmose.

Kristallologie, s. v. w. Kristallographie, s. Kristall.

Kristallomantie, s. Kristallschauen.

Kristallometrie (griech.), die Messung der Kristallwinkel mit dem Goniometer (s. d.).

Kristallophysik, Lehre von den physikalischen Eigenschaften der Kristalle, vgl. Kristall, S. 234.

Kristalloptik, Lehre von den optischen Eigenschaften der Kristalle, s. Kristall, S. 234.

Kristallpalast, s. Sydenham.

Kristallpalastkonzerte in London, eins der bedeutendsten Konzertinstitute der Welt, das seit 22. Sept. 1855 unter Direktion von A. Manns besteht und von Anfang Oktober bis Ende April (mit kurzer Pause in der Weihnachtszeit) jeden Sonnabend ein Konzert veranstaltet. Das Orchester umfaßt allein 61 Streichinstrumente; zur Aufführung kommen in der Regel eine Ouvertüre, eine Symphonie, ein Konzert, Solostücke und Gesangsvorträge. Vgl. Sydenham.

Kristallschauen (Kristallomantie, Beryllomantie), der Hydromantie verwandte Wahrsagungsart, bei welcher ein junger Mensch anhaltend auf einen glänzenden Kristall blicken mußte, um darin die zukünftigen Ereignisse zu sehen.

Kristallschläuche, in der Pflanzenanatomie schlauchartige Zellen, die als wesentlichen Inhalt Kristalle führen. Letztere bestehen aus oxalsaurem Kalk und bilden Oktaeder, Säulen und Tafeln des quadratischen und klinorhombischen Systems, oft auch lang zugespitzte, spieß- oder nadelförmige Formen, die sogen. Raphiden. Unvollkommen ausgebildete Kristalle verwachsen oft zu Drusen, die auf verschiedenartige Weise an der Haut der umschließenden Zelle befestigt werden. Auch Einzelkristalle werden oft von einer besondern Haut umschlossen. Die K. treten häufig zu längern Zellreihen zusammen, besonders im Mark und in Zwiebelschuppen, auch begleiten sie die Luftgänge mancher Wasserpflanzen sowie einzelne Gefäßbündel.

Kristallsoda, s. Soda.

Kristallwasser, s. Kristallisation.

Kristan von Hamle, Minnesänger, lebte etwa um 1200 und stammte, seiner Sprache nach, aus dem mittlern Deutschland, wahrscheinlich aus Thüringen. Die von ihm in der Pariser Handschrift erhaltenen Lieder sind herausgegeben in v. d. Hagens "Minnesingern", Bd. 1 (Leipz. 1838).

Kriterĭum (griech.), s. v. w. Kennzeichen oder Unterscheidungsmerkmal eines Dinges (einer Eigenschaft) von einem (einer) andern. Dasselbe ist negativ, wenn aus dessen Vorhandensein auf das Nichtvorhandensein, positiv, wenn aus dessen Vorhandensein auf das Vorhandensein des Dinges (der Eigenschaft) geschlossen werden darf. So ist z. B. Farblosigkeit des Bluts negatives, dagegen Röte desselben positives K. seines normalen Eisengehalts. In der Logik versteht man unter K. das Kennzeichen der Wahrheit oder Falschheit eines Gedankens, das entweder von der Form (formales K.) oder von dem Inhalt desselben (materiales K.) hergenommen sein kann. Formales und zwar negatives K. der Wahrheit ist der Widerspruch, so daß ein als widersprechend erkannter Gedanke notwendig falsch, dagegen ein nicht widersprechender darum noch nicht wahr sein muß. Materiales und zwar positives K. der Wahrheit ist die Übereinstimmung des Gedankens mit der Sache (des Denkens mit dem Sein), die jedoch nur annähernd (eigentlich gar nicht) erwiesen werden kann.

Krith (griech., "Gerstenkorn, kleines Gewicht"), die Einheit des Volumengewichts der Gase, entspricht dem Gewicht von 1 Lit. Wasserstoff bei 0° und 760 mm Druck.

Krithe, Augenlidgeschwulst, s. Gerstenkorn.

Kriti, neugriech. Name der Insel Kreta.

Kritĭas, Sohn des Kallaischros, Enkel des ältern K., des Verwandten Solons, Schüler des Sophisten Gorgias und dann des Sokrates, begabt und fein gebildet, aber von unruhigem Ehrgeiz beseelt, wurde in den Hermokopidenprozeß verwickelt und eingekerkert, half, obwohl Aristokrat durch seine Familienbeziehungen, 411 v. Chr. die Tyrannei der Vierhundert stürzen, setzte die Zurückberufung des Alkibiades durch, ward aber nach dessen zweitem Sturz verbannt, kehrte erst nach der Einnahme Athens durch Lysandros 404 dahin zurück und ward Mitglied der von letzterm im Interesse der Spartaner eingesetzten Regierung und der einflußreichste, aber auch der verhaßteste unter den 30 Tyrannen. Er fiel im Kampf gegen Thrasybulos 403. K. hat sich auch als Dichter, Redner, Geschichtschreiber und Philosoph einen Namen erworben; doch sind nur von seinen Elegien Bruchstücke erhalten (hrsg. von U. Bach, 1827, und in Bergks "Poetae lyrici graeci"). Als Philosoph tritt er in Platons "Timäos" und im unvollendeten "Kritias" auf.

Kritik (griech.), s. v. w. Beurteilung. Dieselbe kann, was den Beurteilenden betrifft, objektiv, d. h. ohne, oder subjektiv, d. h. mit Voreingenommenheit für oder gegen den Gegenstand der Beurteilung (tendenziöse K.), was das Beurteilte betrifft, theoretisch, auf Thatsachen, oder praktisch, auf Werte bezüglich, sein. Subjektive K., gleichviel ob sie aus einem individuellen (Marotte, Kaprice), konfessionellen oder politischen Partei-, nationalen, Zeit- oder Modevorurteil entspringt, ist ohne wissenschaftlichen Wert; des Namens würdig ist nur die objektive (parteilose) K. Die theoretische K. macht sich zur Aufgabe, angebliche Thatsachen, die praktische K., angebliche Werte als bloß vermeintliche darzuthun, indem sie entweder sich mit diesem Nachweis begnügt (negative K.), oder die wirklichen Thatsachen, die wahren Werte an deren Stelle setzt (positive K.). Je nachdem die Thatsache, welche die theoretische K. als vermeintliche erweist, die Thatsächlichkeit einzelner (angeblicher) Erkenntnisse oder die Thatsache des Erkennens überhaupt be-^[folgende Seite]