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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kritios - Kroatien-Slawonien.

trifft, tritt dieselbe als K. von Erkenntnissen oder als K. der Erkenntnis auf. Jene bestreitet z. B. als Wunderkritik die Thatsächlichkeit übernatürlicher, als historische K. jene profangeschichtlicher, als philologische K. jene philologischer Angaben (als Texteskritik besonders die Authentizität und Unverfälschtheit überlieferter schriftlicher Urkunden, als archäologische K. diejenige überlieferter Denkmäler: hier oft bloße Konjekturalkritik). Diese bestreitet entweder die Thatsache des Erkennens überhaupt (absolute Skepsis), oder die Thatsache einer Erfahrungserkenntnis (empirische Skepsis: Hume), oder die einer Erkenntnis durch reine Vernunft (rationale Skepsis: Kant). Die praktische K. weist entweder als sittliche K. den angeblich sittlichen Wert menschlicher Willensentschließungen oder als ästhetische K. den angeblich ästhetischen Wert menschlicher Kunstleistungen als bloß vermeintlichen zurück, indem sie die erstern am Maßstab der sittlichen, die letztern an jenem der ästhetischen Ideen zu messen unternimmt. - Kritisch, entscheidend, und zwar entweder: eine Krisis (s. d.) bezeichnend und daher s. v. w. bedenklich, gefährlich, oder: der K. gemäß beurteilend; kritisieren, etwas zum Gegenstand der K. machen, auch s. v. w. bekritteln; Kritiker, einer, der eine K. fällt, Kunstrichter; Kritikaster, schlechter, Afterkritiker.

Kritĭos, griech. Bildhauer, Vorgänger des Pheidias, um 495-450 v. Chr. zu Athen thätig, ersetzte die von Xerxes weggeführten Statuen des Harmodios und Aristogeiton am Kerameikos (Markt) zu Athen durch eine Erzgruppe. Nachbildungen in Marmor sind die beiden Statuen des Museums zu Neapel; auch findet sich die Gruppe mehrfach auf kleinern Kunstwerken (Münzen, Vasen etc.) nachgeahmt. K. gehörte noch der alten strengen Schule an und zu den bedeutendern Künstlern seiner Zeit.

Kritisches Alter, s. Klimakterische Jahre.

Kritische Tage, s. Krisis.

Kritische Temperatur, s. Gase, S. 930.

Kritizismus (griech.), seit Kant diejenige philosophische Methode, welche jedem Versuch, die Philosophie als ein systematisches Wissen zu konstruieren, eine Untersuchung des Erkenntnisvermögens vorausgehen läßt. Der K. unterscheidet sich einerseits vom Dogmatismus (s. d.), welcher jene propädeutische Arbeit vernachlässigt, anderseits vom Skeptizismus (s. d.), welcher an der Möglichkeit alles Wissens verzweifelt, und nimmt zwischen beiden eine mittlere und vermittelnde Stellung ein. Vgl. Snell, Über philosophischen K. (Gießen 1802).

Kritolāos, 1) peripatetischer Philosoph von Phaselis in Lykien, gehörte mit Karneades und Diogenes zu der Gesandtschaft, welche die Athener 156 v. Chr. nach Rom schickten, wo er fortan blieb und hochbetagt starb. Von seinen Schriften ist nichts bekannt.

2) Strateg des Achäischen Bundes, wiegelte die Achäer 147 v. Chr. gegen die Römer auf und führte dadurch den mit Korinths Zerstörung endenden Entscheidungskampf herbei; er selbst verschwand nach der schmählichen Niederlage der Achäer bei Skarphe.

Kritschew, Flecken im russ. Gouvernement Mohilew, an der Sosha, mit 6 griechisch-katholischen und einer römisch-kath. Kirche, 2 jüdischen Bethäusern und etwa 4000 Einw. K. ist einer der ältesten Orte Rußlands. Von der alten Stadt ist nur noch die Erdfestung vorhanden.

Kriván, 1) Großer K., westlichster Gipfel der Hohen Tátra in Ungarn (2500 m), s. Karpathen. - 2) Kleiner K. oder K.-Fátra, Gipfel der Kleinen Fátra (1667 m), s. Fátra.

Krivitz (Crivitz), Stadt in Mecklenburg-Schwerin, im Mecklenburgischen Kreis, an einem kleinen See, hat eine alte gotische Kirche, ein Amtsgericht, Töpferei, Wurstfabrikation, Schweinehandel nach Hamburg und Berlin und (1885) 3057 evang. Einwohner. K. war bereits 1312 Stadt.

Krivoscie (spr. kriwoschije, "Land der Krumm- oder Schiefhälse"), Gebiet in Dalmatien, Bezirkshauptmannschaft Cattaro, in dem von der Bocche di Cattaro gegen Montenegro aufsteigenden Karstbergland nördlich von Risano gelegen, ein steiniger, kahler, wasserarmer Landstrich in rauhem Klima, öde und unfruchtbar, nur in den Dolinen u. auf einzelnen Hochplateaustrecken bebaut (s. Karte "Bosnien"). Die Bewohner, Krivoscianer, (1880) 2726 Seelen slawischer (serbischer) Nationalität und griechisch-orientalischer Konfession, sind äußerst genügsam, leben in ganz primitiven Felsenhütten und nähren sich von dem geringen Bodenanbau, von Ziegen- und Schafzucht. Sie sind hoch und schlank gebaut, kräftig, noch halbwild (Blutrache) und unbotmäßig, sympathisieren mit Montenegro und haben sich gegen ihre Einreihung in die österreichische Landwehr (sie waren schon unter der venezianischen Herrschaft militärfrei) zweimal, 1869 und neuerdings 1882, mit den Waffen in der Hand erhoben. Nach Bewältigung des Aufstandes im letztern Jahr haben viele Bewohner die K. verlassen und sind nach Montenegro übergetreten. Von seiten Österreichs sind außer den bereits aus früherer Zeit herrührenden Forts von Ledenice, Cerkvice u. Dragalj mehrere neue Befestigungen zur militärischen Sicherung der Gegend errichtet worden. Von Risano führen zwei Straßen in zahlreichen Serpentinen nach der K. und vereinigen sich bei der Defensionskaserne Dragalj. Vgl. Unterkircher, Die Österreicher in der K. (Innsbr. 1886).

Kriwina, bulgar. Ort, s. Cervena.

Kriwitscher, slaw. Volksstamm in Rußland, wohnte zwischen dem Pripet und der Düna, von wo er sich später bis zum obern Lauf der Wolga, der Oka und des Dnjepr ausdehnte und die Waräger, denen er tributpflichtig war, aus ihrem Lande drängte. Er besaß viele Städte; Hauptort war Smolensk.

Kriwitz, gefürchteter Nordostwind in Rumänien, weht stoßweise mit großem Ungestüm, oft bei 20-25° Kälte, mit oder ohne Schnee, und setzt sich bis an den Balkan fort. Er ist Menschen und Tieren höchst verderblich, und selbst die frömmsten Pferde verweigern hartnäckig, gegen den K. zu laufen. Er unterbricht daher auch den Verkehr vollständig und oft auf 12-15 Tage.

Kroatien, Königreich, s. Kroatien-Slawonien.

Kroatien-Slawonien (ung. Horvát-Szlavonország), Königreich, welches mit der ehemaligen kroatisch-slawonischen Militärgrenze einen Bestandteil der Länder der ungarischen Krone bildet. Es grenzt im NW. an Steiermark, im W. an Krain, Istrien und das Adriatische Meer, im S. an Dalmatien, Bosnien und Serbien, im O. und N. an Ungarn und nimmt einen Flächenraum von 42,516 qkm (772,1 QM.) ein, wovon auf Kroatien 13,639 qkm (247,7 QM.), auf Slawonien 9638 qkm (175 QM.) und auf die ehemalige Militärgrenze 19,238 qkm (349,4 QM.) entfallen. In orographischer Beziehung zerfällt das Land in zwei von der Kulpa geschiedene Gebiete: eine nördliche, von den Ausläufern der südöstlichen Alpen bedeckte, waldreiche Berglandschaft und ein südliches Hochland von kalkartigem Gestein der Karstformation. Zu den Alpen gehört das aus Steiermark herüberreichende Matzelgebirge; ihm folgt das Ivančiča- ^[ERGÄNZUNGSSTRICH!]