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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kroatien-Slawonien

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Kroatien-Slawonien (Handel, Bildungsanstalten, polit. Einteilung etc.; Geschichte).

masten etc.) sowie der gesamte Verkehr fortwährend. Aus Slawonien werden große Mengen von Getreide, rohen Fellen und Häuten, dann Ochsen, Schweine, Honig, Obst (insbesondere Pflaumen und Äpfel) Slibowitz und Wachs ausgeführt. Der Import umfaßt alle Arten von Manufaktur-, Luxus- und Kunstgegenständen. Die wichtigern Handelsplätze sind: Zengg, Buccari und Porto-Ré für den See- sowie Agram, Sissek, Essek und Vukovár für den Landverkehr. Den letztern vermitteln, abgesehen von der lebhaften Schiffahrt auf den Hauptflüssen, von denen außer der Donau auch die Drau bis Barcs und die Save bis Sissek mit Dampfern befahren wird, drei Kunststraßen und zwar die Luisen- (Karlstadt-Fiume), die Josephinen- (Karlstadt-Zengg) und Karolinenstraße (Karlstadt-Porto-Ré) sowie die ungarischen Staatsbahnlinien Budapest-Semlin, Milrovitz-India, Großwardein-Essek-Villány, Zákány-Agram-Fiume, Sissek-Doberlin, Dalja-Vukovár-Brod) und die österreichische Südbahnstrecke Steinbrück-Agram-Sissek, welche sich an die ungarischen, serbischen und österreichischen Bahnen anschließen und noch durch die neuen Linien Sunja-Brod-Neugradisca und die Zagorianer Bahn (Csakathurn-Zapresitz) erweitert werden. Handels- und Gewerbekammern bestehen in Agram, Essek und Sissek. Der Stand der geistigen Kultur ist verhältnismäßig noch niedrig. Es gibt über 1200 Volksschulen, welche 1881 von 94,110 Kindern (88,151 männlichen und 5959 weiblichen) besucht wurden. Im ganzen sind 72,5 Proz. der Bevölkerung (gegen 1870: 84 Proz.) des Schreibens und Lesens unkundig. K. hat eine Universität (seit 1874), 11 Gymnasien, 6 Realschulen, 2 Präparandien, 4 bischöfliche Seminare, eine land- und forstwissenschaftliche Schule (in Kreutz), eine nautische Schule und 3 Handelsschulen. Außerdem gibt es in K. eine südslawische Akademie der Wissenschaften und Künste, mehrere Bibliotheken, Museen und wissenschaftliche Vereine. Für die Hebung der kroatischen Sprache und Nationallitteratur herrscht in den gebildeten Kreisen reger Eifer.

Der politischen Einteilung nach bestand Kroatien früher aus fünf Komitaten: Agram, Belovár, Fiume (ohne Stadt Fiume), Kreutz u. Warasdin; Slawonien dagegen aus drei Komitaten: Požega, Sirmien und Virovititz. Außerdem gehörte zum Ländergebiet auch die ehemalige kroatisch-slawonische Militärgrenze (Grenzgebiet), welche in fünf Distrikte (Banater, Broder, Gradiscaner, Lika-Otocsaner und Ogulin-Sluiner) eingeteilt war. Die Komitate bestanden aus mehreren Vizegespanschaften, die Distrikte jedoch aus Bezirken. Seit dem Jahr 1886 ist K. samt dem Grenzgebiet in folgende acht neugebildete Komitate eingeteilt: 1) Lyka-Krbava, mit dem Amtssitz Gospic (und den Städten Carlopago und Zengg). 2) Modrus-Fiume, mit dem Amtssitz Ogulin (und der Stadt Buccari). 3) Agram, mit dem Amtssitz Agram (und den Städten Sissek, Karlstadt, Petrinja und Kostainitz). 4) Warasdin, mit dem Amtssitz Warasdin (und der Stadt Kopreinitz). 5) Belovár-Kreutz, mit dem Amtssitz Belovár (der Stadt Kreutz und der Festung Ivanic). 6) Požega, mit dem Amtssitz Požega (und den Hauptorten Pakrac und Neu-Gradisca). 7) Virovititz (Veröce), mit dem Amtssitz Essek (und der Stadt Brod). 8) Sirmien, mit dem Amtssitz Vukovár (den Städten Mitrovitz, Semlin und Karlowitz und der Festung Peterwardein). Hauptstadt des Landes ist Agram.

Zufolge des mit Ungarn getroffenen staatsrechtlichen Ausgleichs besitzt K. hinsichtlich der innern Verwaltung, der Kultus- und Unterrichtsangelegenheiten und des Justizwesens die Autonomie. Gemeinschaftlich sind die Militär-, Finanz- und Münzangelegenheiten, das Handels-, Gewerbe-, Bank- und Kommunikationswesen, das See-, Handels- und Bergrecht und die Gesetzgebung über die Staatsbürgerschaft. In die Magnatentafel des ungarischen Reichstags entsendet K. außer den Erzbischöfen, den Bischöfen und dem Großpropst des Agramer Domkapitels 3 Abgeordnete des kroatisch-slawonischen Landtags, 40 vom Landtag gewählte Abgeordnete, welche auch das Recht haben, sich bei den Parlamentsverhandlungen der kroatischen Sprache zu bedienen. Der kroatisch-slawonische Landtag (Skuptschina) besteht aus den Erzbischöfen von Agram und Karlowitz, den Diözesanbischöfen, dem Agramer Großpropst, den Obergespanen, dem Comes des privilegierten Distrikts Turopolje, den großjährigen Magnaten und 112 auf 3 Jahre gewählten Abgeordneten. Das Vermittelungsorgan zwischen Königreich und Krone bildet ein Minister ohne Portefeuille (der Minister für Kroatien-Slawonien-Dalmatien), welcher im ungarischen Ministerrat seinen Sitz hat. Die oberste Verwaltung übt die königliche Landesregierung in Agram aus, an deren Spitze der dem Landtag verantwortliche Banus steht. Als Gerichtsbehörden fungieren in oberster Instanz die königliche Septemviraltafel in Agram, in zweiter die königliche Banaltafel und in erster Instanz 13 Gerichtshöfe und 67 Bezirksgerichte. Die finanzielle Verwaltung wird durch die Finanzdirektionen in Agram und Essek geleitet. Vgl. Militärgrenze. Das kroatische Wappen (s. Tafel "Österreich-ungarische Länderwappen") besteht aus einem mit Silber und Rot 20mal geschichteten Felde, der slawonische Wappenschild ist dreieckig und hat einen Marder im grünen Feld zwischen zwei silbernen, wagerecht im Blau durchlaufenden Strömen und darüber einen blauen Stein im Felde; die Landesfarben in Kroatien sind Weiß-Rot, in Slawonien Blau-Weiß-Grün. Vgl. Csaplovics, Slawonien und Kroatien (Pest 1839); Wessely, Das Karstgebirge Militärkroatiens und seine Rettung (Agram 1877); Schwicker, Statistik des Königreichs Ungarn (Stuttg. 1877); Peyer und Brindl, Die Melioration der Saveniederungen (Agram 1878); v. Gyurkovics, Die vereinigten Königreiche Kroatien und Slawonien (Wien 1881); Weisbach, Die Serbokroaten der adriatischen Küstenländer (Berl. 1881); Suman, Die Slowenen (Teschen 1881); Staré, Die Kroaten (das. 1882); Zorićić, Statistische Skizze der Königreiche Kroatien und Slawonien (Agram 1885); Katzenschläger, Generalkarte von Kroatien und Slawonien (Wien 1887, 1:504,000).

Geschichte.

Das heutige Kroatien, im Mittelalter vorzugsweise Slavonia genannt, während das heutige Hochkroatien, Türkisch-Kroatien und Bosnien den eigentlichen Kern des historischen Croatia ausmachten, war in den ältesten Zeiten von den Pannoniern bewohnt, nach deren Besiegung durch Octavianus (35 v. Chr.) es eine Provinz von Illyrien wurde. Bei der Teilung des römischen Reichs (395 n. Chr.) wurde es zum abendländischen Reiche geschlagen. In den Stürmen der Völkerwanderung wechselte es oft seine Besitzer. 489 geriet Kroatien in die Gewalt der Ostgoten, dann der Avaren, bis endlich 634-638 die Kroaten (Chorwaten, Chrobaten) es in dem angedeuteten Umfang eroberten und dem Land seinen heutigen Namen gaben. Vorübergehend kam es dann unter die Botmäßigkeit der fränkischen Könige und