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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Krucifloren; Krückenkreuz; Krückenschnitt; Krückl; Krud; Krüdener

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Krucifloren - Krüdener.

wo sie in die Fruchtknotenwand übergeht, befindet sich der Samenstrang mit meist mehreren Samenknospen in jedem Fach. Die Früchte sind meist Schoten; sie springen in zwei Längsklappen auf, wobei hier der wandständige Samenträger und die zwischen ihm ausgespannte häutige Scheidewand auf dem Blütenstielchen stehen bleiben. Die Kapsel ist entweder länger als breit (Schote, siliqua), oder ebenso breit, oder breiter als lang (Schötchen, silicula). Manche K. bilden oft in den Fächern Querscheidewände, und an diesen Stellen bricht die reife Frucht der Quere nach in mehrere übereinander stehende, nußartig geschlossene, oft einsamige Glieder auseinander (Gliedernuß, lomentum). Diese können weniggliederig, ja selbst eingliederig sein, und im letztern Fall haben wir ein eigentliches nußartiges Früchtchen (nucamentum), welches meist wenig- und selbst einsamig ist. Die Samen sind ohne Endosperm, der Keimling hat blattartige, ziemlich große, an fettem Öl reiche Kotyledonen und ist stets so gekrümmt, daß das Würzelchen über die aufeinander liegenden Kotyledonen zu liegen kommt. Die K. bilden eine sehr übereinstimmende Familie, die gegen 1200 Arten enthält und über den ganzen Erdkreis verbreitet ist. Vgl. Cruciferae in Decandolles "Prodromus", Bd. 1. Am zahlreichsten vertreten ist sie in den gemäßigten Zonen, manche Arten sind auch wirklich kosmopolitisch. Die K. enthalten in allen Teilen schwefelhaltige ätherische Öle von scharfem, zu Thränen reizendem Geruch, scharfem Geschmack und flüchtig reizender Wirkung auf die Haut. Diese Stoffe sind teils schon fertig gebildet in der Pflanze vorhanden, teils erzeugen sie sich erst im Augenblick, wo der Pflanzenteil befeuchtet wird (Senföl in den Senfsamen), und bedingen die Benutzung der Wurzeln, des Krauts und der Samen als auf die Verdauungsorgane reizend wirkender, antiskorbutischer Heil- und Genußmittel sowie als kräftig blasenziehender Arzneien. Andre Arten liefern wirkliche Nahrungsmittel, wie namentlich der Kohl in seinen verschiedenen Varietäten. Wieder andre sind wichtig als Ölpflanzen, indem aus ihren Samen fettes Öl gewonnen wird (Raps, Rübsen etc.), wobei als Nebenprodukte auch Futtermittel in Gestalt der Rapskuchen gewonnen werden; der Waid liefert einen blauen Farbstoff; Lack, Levkoje u. a. sind Zierpflanzen.

Krucifloren, s. v. w. Rhöadinen, Ordnung der Dikotylen im natürlichen Pflanzensystem, Abteilung der Choripetalen, charakterisiert durch zwei- bis vierzählige Blüten, vier und mehr Staubgefäße und zwei bis viele oberständige Karpelle mit wandständigen Samenleisten, begreift die Familien der Papaveraceen, Fumariaceen, Kruciferen und Kapparideen.

Krückenkreuz, s. Kreuz, S. 199.

Krückenschnitt nennt die Heraldik in einem schrägrechts oder schräglinks geteilten Schilde diejenige Teilung, welche mit Kreuzchen ohne obern Arm besetzt ist.

Krückl, Franz, Opernsänger (Bariton), geb. 10. Nov. 1841 zu Edlspitz in Mähren, studierte auf der Universität zu Wien Jurisprudenz und trat, nachdem er 1865 promoviert hatte, in den Staatsdienst. Allein eine von früh auf gehegte Neigung zur dramatischen Gesangskunst, welche durch seine musikalischen Kenntnisse und ein sehr bildungsfähiges Organ unterstützt ward, führte ihn nach 1½ Jahren zur Bühne. Nachdem er noch den Unterricht des Kapellmeisters Dessof genossen, debütierte er 1868 in Brünn, gastierte darauf in Kassel und wurde in letzterer Stadt engagiert. 1871 siedelte er nach Augsburg über; seit 1874 ist er am Hamburger Stadttheater thätig und hat zu dem im Verlauf der letzten Jahre stattgefundenen Aufschwung des dortigen Opernwesens in anerkennenswerter Weise beigetragen.

Krud (lat.), roh, grob; Krudität, roher Zustand; etwas Unverdauliches, auch Unverdaulichkeit, Magenbeschwerde; Derbheit, Roheit.

Krüdener, 1) Juliane von, bekannte Pietistin und Schriftstellerin, geb. 11. Nov. (a. St.) 1766 zu Riga, erhielt erst im Haus ihres Vaters, des kurländischen Gutsbesitzers v. Vietinghoff, sodann in Paris, wohin ihre Eltern übersiedelten, eine sorgfältige, fast gelehrte Erziehung und wurde 1783 mit einem Livländer, dem Freiherrn Burkhard Alexis Konstantin v. K., vermählt, dem sie nach Kopenhagen und dann nach Venedig, wohin er als russischer Gesandter ging, folgte. Häusliche Mißverhältnisse führten 1796 zu einer Trennung beider Gatten, worauf die K. abwechselnd in Riga, Paris, Petersburg und Leipzig dem Lebensgenuß ergeben verweilte, längere Zeit von einem französischen Husarenoffizier, Grafen Frégenille, begleitet. Endlich wieder mit ihrem Mann ausgesöhnt, ging sie mit demselben nach Berlin und nach dessen Tod (1802) wieder nach Paris. Hier besuchte sie außer den Bällen der Madame Tallien auch die mystischen Zusammenkünfte einer neuen, von vornehmen Frauen gegründeten religiösen Sekte und schilderte mit koketter Eitelkeit ihr vergangenes Leben in dem Roman "Valérie" (Par. 1803, 2 Bde.; neu hrsg. von Sainte-Beuve, 1855; deutsch, Leipz. 1804), der großes Aufsehen erregte, in dem sie aber auch bereits eine starke Hinneigung zum Pietismus bekundete, dem sie sich fortan mehr und mehr ergab. Im J. 1806 befand sie sich im Norden Deutschlands, wo sie die Rolle einer Prophetin zu spielen begann, sah in Potsdam zum erstenmal den Kaiser Alexander I. von Rußland, auf den sie starken Eindruck machte, und suchte, wiewohl vergebens, auch Einfluß auf die Königin Luise von Preußen zu gewinnen. Später begab sie sich wieder nach Paris, 1812 nach Genf, verkehrte 1813 in Karlsruhe viel mit Jung-Stilling, ging 1814 abermals nach Paris und hielt in ihrem Haus religiöse Versammlungen mit Geisterbeschwörungen, die außer andern bedeutenden Persönlichkeiten auch Kaiser Alexander besuchte. Unter dem Titel: "Le camp de vertus" (Par. 1814) gab sie die Beschreibung eines von den russischen Heeren in den Ebenen von Châlons gefeierten Festes, worin sie ihre vielfach an Chiliasmus streifenden Ansichten über die Zeitgeschichte aussprach. Nach eingetretener politischer Ruhe begab sie sich 1815 in die Schweiz, hielt hier von neuem pietistische Konventikel und öffentliche Bußpredigten, spendete dabei reiche Wohlthaten an Arme und Notleidende, erregte aber schließlich die Besorgnis der Behörden und wurde 1817 aus der Schweiz ausgewiesen. Gleiches Schicksal hatte sie nun in mehreren deutschen Staaten, bis sie 1818 unter polizeilicher Begleitung von Leipzig aus über die russische Grenze gebracht wurde. Von ihrem frühern Verehrer, dem Kaiser Alexander, verleugnet und aus Petersburg ausgewiesen, lebte sie anfangs auf ihrem Gut Kosse in Livland und begab sich später (1824) mit ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn in die Krim, wo sie eine Kolonie anzulegen beabsichtigte, starb aber schon 13. Dez. (a. St.) 1824 zu Karasu-Basar. Vgl. Eynard, Vie de Madame de K. (Par. 1849, 2 Bde.); Capefigue, La baronne de K. et l'empereur Alexandre I (das. 1866); "Frau v. K., ein Zeitgemälde" (Bern 1868); Lacroix, Madame de K., ses lettres et ses ouvrages inédits (Par. 1880).