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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Krypteia; Kryptiden; Kryptĭker; Krypto...; Kryptocalvinisten; Kryptogāmen

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Krypteia - Kryptogamen.

der Heiligen, denen die Krypten geweiht waren, Gottesdienste abgehalten, weshalb die Krypten mit Altären versehen waren. Die Krypten, welche die Gebeine der Stifter von Kirchen oder andrer um dieselben verdienter Personen enthielten, wurden meist unter die Turmanlage verlegt. Die ältesten bekannten Krypten datieren aus dem 7. (Dom zu Torcello in Venedig), die ausgedehntesten aus dem 11.-13. Jahrh., während sie später allmählich verschwinden oder nur zur Erhöhung und Trockenlegung des Chorraums dienen. Vgl. Katakomben.

Krypteia (griech.), bei den alten Spartanern eine Art Gendarmendienst, hauptsächlich zur Überwachung der Heloten (s. d.). Derselbe wurde von jungen, von den Ephoren alljährlich dazu auserlesenen Spartanern ausgeübt, wahrscheinlich mit der Befugnis, gefährlich erscheinende Heloten ohne weiteres aus dem Weg zu räumen. Spätere Schriftsteller haben daraus irrtümlich eine jährlich von Staats wegen auf die Heloten angestellte blutige Jagd der spartanischen Jünglinge gemacht.

Kryptiden (Cryptides), s. Schlupfwespen.

Kryptĭker (griech.), s. Kenotiker.

Krypto... (griech.), s. v. w. geheim, heimlich.

Kryptocalvinisten, diejenigen Lutheraner, welche heimlich der Lehre Calvins anhingen; insbesondere aber diejenigen Protestanten in Sachsen, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrh. sich an die mildern Anschauungen Melanchthons hielten und infolgedessen zu einer Union mit der reformierten Kirche hinneigten. Sie bildeten nach 1570 die herrschende Partei auf den Universitäten Leipzig und Wittenberg. Bald aber gelang es den strengen Lutheranern, den Kurfürsten August wider sie einzunehmen, und es erfolgte durch zum Teil grausame Gewaltmaßregeln (vgl. Crell) ihre Unterdrückung. S. Konkordienformel.

Kryptogāmen (Cryptogamae, griech., "Verborgenehige"), blütenlose Pflanzen, welche im Linnéschen System die 24. Klasse ausmachen und von Linné K. genannt wurden, weil sich bei ihnen eigentliche Blüten mit Geschlechtsorganen nicht finden. Gegenwärtig ist der geschlechtliche Charakter auch bei den K. in der weitesten Verbreitung nachgewiesen, und die Vorgänge des Sexualakts sind hier mehrenteils weit offenbarer als bei den Phanerogamen und erinnern viel bestimmter an die Verhältnisse im Tierreich. Der Unterschied zwischen K. und Phanerogamen beruht aber darauf, daß die letztere Samen entwickeln, welche sich erst von der Pflanze trennen, wenn in ihnen die Anlage einer neuen Pflanze als Embryo vorgebildet ist. Die Fortpflanzungsorgane der K. sind dagegen die Sporen oder Keimkörner, d. h. einfache Zellen oder aus nur wenigen einander gleichwertigen Zellen bestehende Körperchen, welche schon als solche von der Pflanze sich trennen und allmählich aus der einfachen Zelle zu einem neuen Individuum sich fortentwickeln. Trotzdem, daß dieser Unterschied vollkommen durchgreift, ist doch die Verwandtschaft der höhern Stufen der K. mit den Phanerogamen deutlich nachweisbar.

Die K. bilden nach ihren hauptsächlichen Gestaltverhältnissen zunächst zwei Gruppen. Bei der ersten, den Lager- oder Laubpflanzen (Thallophyta), finden sich noch nicht eigentliche Stengel, Wurzeln und Blätter; die Pflanze zeigt andre Bildungsgesetze und daher andre Formen, und man schreibt ihr darum ein Laub (Thallus) zu. In diese Abteilung gehören die Pilze, Algen und Flechten. Diese sind untereinander durch nur wenige vollkommen durchgreifende Merkmale unterschieden. Die Pilze sind sämtlich chlorophylllose, mithin nichtgrüne Pflanzen, welche sich von vorgebildeter organischer Substanz ernähren. Die Algen dagegen besitzen alle Chlorophyll; sie zersetzen Kohlensäure und Wasser im Licht, um daraus die zu ihrer Ernährung notwendigen organischen Verbindungen zu erzeugen. Die Flechten haben einen Thallus, welcher aus chlorophylllosen, mit denjenigen der Pilze übereinstimmenden und aus chlorophyllhaltigen, gewissen niedern Algen völlig gleichenden Zellen zusammengesetzt ist. Sie sind Pilze, welche auf Algen schmarotzen, und deren Thallus mit demjenigen der letztern zu einer neuen individuellen Einheit, dem Flechtenthallus, sich vereinigt hat (vgl. Flechten). Die niedern K. haben durch die erst in der neuern Zeit genauer bekannt gewordenen Arten ihrer Fortpflanzung ein besonderes Interesse gewonnen: erstens, weil bei vielen die Fortpflanzungszellen als tierähnlich bewegliche Individuen (Schwärmsporen) aus der Mutterzelle geboren werden, eine Erscheinung, die man bei ihrer Entdeckung als eine Umwandlung von Pflanzen in Tiere deutete; zweitens, weil bei mehreren eine geschlechtliche Zeugung vermittelst ausgeprägter Geschlechtsorgane beobachtet worden ist, und drittens, weil manche in ihrem Entwickelungsgang einen vollständigen Generationswechsel zeigen. Nach ihrer geschlechtlichen Fortpflanzung zerfallen die Thallophyten in die Klassen der Protophyten, wie Hefe, die Bakterien, bei welchen Geschlechtsorgane überhaupt fehlen, in die der Zygosporeen, wie die Diatomeen, Mucor u. a., bei denen der Geschlechtsakt in Kopulation zwischen gleichartigen beweglichen oder unbeweglichen Zellen besteht, ferner die der Oosporeen, wie Peronospora, Oedogonium, die Tange u. a., deren Befruchtung zwischen ungleichartigen, männlichen und weiblichen Organen, den Antheridien und Oogonien, stattfindet und als Produkt eine aus der Eizelle hervorgehende einzelne Spore, die Oospore, ergibt, endlich die der Karposporeen, wie die Schlauch- und Hutpilze, die Florideen u. a., bei denen durch die Wechselwirkung zwischen ungleichen Geschlechtsorganen ein zusammengesetzter Fruchtkörper (Sporokarpium) aus dem weiblichen Organ sich bildet, welcher erst die Sporen erzeugt (vgl. Algen und Pilze).

Den Thallophyten reihen sich als zweite Gruppe die blattbildenden K. (Cryptogamae foliosae) an. Auch hier entwickelt sich aus der keimenden Spore zunächst ein mehr oder minder ausgeprägtes thallusartiges Gebilde (Prothallium, Protonema, Vorkeim); aber in einer folgenden Periode schreitet die Pflanze zur Bildung echter Stämme fort, die mit Blättern besetzt, oft auch mit Wurzeln versehen sind, wie bei den Phanerogamen. Die innige Verwandtschaft der in diese Abteilung gehörigen Klassen, die eine deutlich fortlaufende Entwickelungsreihe des Pflanzenreichs bis zu den Phanerogamen ausmachen, zeigt sich vornehmlich in ihren Geschlechtsverhältnissen, zumal in der Beschaffenheit des weiblichen Organs. Während die Thallophyten nur zum Teil geschlechtlich sind, finden sich bei den blattbildenden K. Geschlechtsorgane ausnahmslos, und diese stellen hier ein notwendiges Glied im Entwickelungsgang der Pflanze dar. Die weiblichen Organe (Archegonien) sind im wesentlichen aus mehreren Zellen bestehende Gebilde, die eine größere zentrale Zelle (die Eizelle) einschließen und sich aufwärts in einen Halsteil fortsetzen, der an der Spitze anfangs geschlossen ist, später sich öffnet und nun einen nach dem Scheitel der Eizelle führenden Kanal darstellt, in welchen die Spermatozoiden behufs Befruchtung der Eizelle