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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: K'tib; Kschatria; Ksiwe; Ktēma es aei; Ktenoïden; Ktenophoren; Ktesĭas; Ktesibios; Ktesĭphon; Kth.; Kuango; Kuangseu

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Kschatria - Kuangseu.

Kschatria (Kschatriya), in der brahmanischen Kastenordnung der zweite Stand im altindischen Staate, die Krieger umfassend, denen die Könige und Fürsten beigesellt wurden. In der Gegenwart sind die K. in den Kastenlisten verschwunden, dagegen ersetzt durch Radschputen, ein Name, der seit der christlichen Zeit vielen Volksstämmen und Geschlechtern gegeben wurde, welche sich durch kriegerischen Sinn und militärische Erfolge auszeichneten. Es beanspruchen noch Geschlechter die Abstammung von alten K., die Stammbäume sind aber erfunden.

Ksiwe (Ksiweel), s. Kassiber.

Ktēma es aei (Κτῆμα ἐς ἀεί, griech.), "Besitztum auf immer", Citat aus Thukydides (I, 22).

Ktenoïden, s. Fische, S. 298.

Ktenophoren (Ctenophora, Rippenquallen, Kammquallen), Klasse der Cölenteraten (s. d.), frei schwimmende Tiere von gallertiger Konsistenz und kugeliger, walziger, selten bandförmiger Gestalt. Bei den kugeligen oder walzigen Formen liegt die Mundöffnung an dem einen Pol und führt durch ein Rohr in den zentral gelegenen Magenraum, den sogen. Trichter, von dem aus, wie bei den Medusen, sich Kanäle zur Verteilung der Nährflüssigkeit durch den Körper hindurch erstrecken. Als Bewegungsorgane dienen acht von Pol zu Pol ziehende sogen. Rippen, die mit vielen hintereinander liegenden Ruderplättchen besetzt sind. Letztere sind durch Verschmelzung von Wimperhaaren entstanden und vermögen auf- und abzuschlagen. Den Antrieb zur Thätigkeit erhalten sie von einem eigentümlichen Organ, das dem Mund gegenüber am andern Pol der Kugel liegt und ein Häufchen sogen. Hörsteine in sich birgt. Diese schweben wie auf Federn auf vier gebogenen Plättchen, erzittern bei Reizen von außen und teilen ihre Erschütterungen durch die Plättchen den Rippen mit. Alsdann treten die Ruderplättchen eins nach dem andern rasch in Aktion und drehen entweder die Qualle um ihre Achse, oder entfernen sie aus dem Bereich des Reizes. Doch vermögen auch K., welchen jenes Organ ausgeschnitten ist, noch zu schwimmen. Über die Existenz eines Nervensystems sind die Ansichten der Zoologen noch geteilt. Die K. sind allgemein Zwitter; Eier und Same bilden sich an den Wandungen der Kanäle und gelangen durch den Mund ins Freie. Die Entwickelung ist meist eine direkte und nur selten mit Metamorphose verbunden; auch bei den bandartigen Cestiden ist die Jugendform eine Kugel, die sich erst später in die Länge zieht. Die K. sind ausschließlich Meeresbewohner, leuchten gleich den Scheibenquallen oder Medusen (s. d.) und schwimmen wie diese häufig in großen Scharen an der Oberfläche. Einige sind so ungemein wasserreich und zerfließlich, daß sie bisher noch allen Versuchen zur Konservierung widerstanden haben. Am meisten finden sie sich in wärmern Gegenden vor. Gewöhnlich schwimmen sie mit dem Mund nach unten gerichtet umher; ihre Beute ergreifen sie entweder mit Tentakeln, oder schlucken sie geradezu in ihren oft weiten Mund hinein. Ihre Körpergröße wechselt sehr; in einzelnen Fällen erreichen sie eine Länge von nahezu 1 m. Besonders interessant sind der langgestreckte, bandförmige Venusgürtel (Cestus Veneris), die sehr gefräßige Beroe (Beroë ovatus) und die überaus zarte Chiajea papillosa. Vgl. Eschscholtz, System der Akalephen (Berl. 1829); Gegenbaur, Studien über Organisation und Systematik der K. (das. 1856); Agassiz, North American Acalephae (Cambridge 1865); Chun, K. des Golfs von Neapel (Leipz. 1880).

Ktesĭas, aus Knidos in Karien, Geschichtschreiber, Zeitgenosse Xenophons, hielt sich 17 Jahre (Anfangs- und Endpunkt dieses Aufenthalts ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen) am Hof des Perserkönigs Artaxerxes Mnemon auf, dessen in der Schlacht bei Kunaxa empfangene Wunde er heilte. Er erwarb sich hier eine umfassende Kenntnis der Verhältnisse des persischen Reichs und seiner Geschichte und schrieb unter Benutzung der persischen Geschichtsbücher und Archive und auf Grund der einheimischen Sagen, nachdem er in seine Heimat zurückgekehrt war, in ionischem Dialekt in 23 Büchern seine "Persica", worin er in den sechs ersten Büchern die Geschichte der assyrisch-babylonischen Reiche bis zur Gründung des persischen, in den sieben folgenden die Geschichte dieses letztern bis zum Ende der Regierung des Xerxes, in den übrigen die Geschichte der folgenden persischen Könige bis zum Jahr 398 v. Chr. behandelte. Wir besitzen von dem Werk, dessen Glaubwürdigkeit übrigens von den Alten mehrfach angegriffen wird, nur einen dürftigen Auszug in der Bibliothek des Photius und einige ausführlichere Fragmente bei Diodor, Athenäos, Plutarch ("Artaxerxes") u. a. Das zweite Buch Diodors, dem wir das meiste, was wir außer den Monumenten und ihren Inschriften über die assyrisch-babylonischen Monarchien wissen, verdanken, ist fast ganz aus K. genommen. Auch über Indien schrieb K. eine kleinere Schrift, wovon sich ebenfalls bei Photius ein dürrer Auszug vorfindet. Außerdem werden noch einige geographische Schriften von K. angeführt, von denen gar nichts auf uns gekommen ist. Gesammelt wurden die Fragmente von Bekker in der Ausgabe des Photius (Berl. 1824), von Lion (Götting. 1823), von Bähr (Frankf. 1824) und von Müller (im Anhang zur Ausgabe des Herodot, Par. 1858). Vgl. Blum, Herodot und K. (Heidelb. 1836); Rüter, De Ctesiae Cnidii fide et auctoritate (Bielef. 1877).

Ktesibios, griech. Mechaniker, lebte um 130 v. Chr., benutzte zuerst den Luftdruck zum Betrieb mechanischer Vorrichtungen, wie der Wasserorgeln, Wasseruhren und des Heronsbrunnens, der nach seinem Schüler Heron benannt worden ist.

Ktesĭphon, Stadt des Altertums in Babylonien, links am Tigris, Seleukia gegenüber, diente den Partherkönigen zur Winterresidenz. Auf Kosten Seleukias groß geworden, blieb es bis in das 3. Jahrh. n. Chr. von Bedeutung. Von den Römern wurde K. zuerst unter Trajan (115), dann durch die Legaten des Verus (162) und zum drittenmal unter Septimius Severus (201) erobert. 637 wurde es durch die Araber unter dem Kalifen Omar geplündert und zerstört. Von Ruinen haben sich nur die eines Palastes, Tak-i-Kesra genannt, erhalten.

Kth., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für K. S. Kunth (s. d.).

K'tib (Chetib, aram.), die "geschriebene" Lesart im hebräischen Bibeltext, im Gegensatz zu K'ri (s. d.), der dafür zu lesenden; s. Bibel, S. 881, u. Massora.

Kuango, Fluß in Afrika, s. Kwango.

Kuangseu ("Nachfolger des Ruhms"), Regentenname von Tsaitien als Kaiser von China, Neffe seines Vorgängers und durch das Los zum Herrscher bestimmt. Sein Onkel und Vorfahr Tingtschih starb im Alter von 18 Jahren an den Pocken, was im chinesischen Amtsblatt als ein "freudiges Ereignis" bezeichnet wird, weil die Pockenkrankheit in China (wie ganz Ostasien) als besondere Gunstbezeigung einer Göttin gilt. Der neue Herrscher war bei der Thronbesteigung erst vier Jahre alt und wurde unter