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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kuhlmann; Kühlofen; Kühlschiff; Kühlsonde; Kühlte; Kühlwasser; Kühlwetter; Kuhmäuler; Kuhn

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Kuhlmann - Kuhn.

seite, namentlich im Luftzug, lebhaft verdunstet. Hierbei kann der Inhalt des Gefäßes um 5-10° unter die Temperatur der Umgebung abkühlen. Leider versagen die K. bald, weil sich Algen auf dem Thon ansiedeln, oder weil aus hartem Wasser kohlensaurer Kalk abgeschieden wird und in beiden Fällen die Poren sich verstopfen. K. sind in allen heißen Ländern gebräuchlich und finden sich auch schon auf altägyptischen Monumenten abgebildet. In Frankreich heißen sie Hydrocérames, in Spanien Alcarrazas, in Portugal Bilhas, in der Levante Valdaques, in Ägypten Kollas oder Gullies, in den französischen Kolonien Canaris und bei den Seefahrern Gargouletten. Dasselbe Prinzip hat man zur Kühlung von Butter benutzt, welche man unter eine doppelwandige Glocke aus porösem Thon stellt, deren Mantel mit Wasser gefüllt wird.

Kuhlmann, Karl Friedrich, Chemiker, geb. 22. Mai 1803 zu Kolmar, studierte Chemie in Straßburg und Paris, erhielt 1832 einen Lehrstuhl für angewandte Chemie in Lille, begründete hier und in der Nachbarschaft großartige chemische Fabriken, ward 1848 Direktor der Münze in Lille, später auch Mitglied des Conseil général du Nord, des Conseil général de l'agriculture, du commerce et des manufactures und Präsident der Handelskammer zu Lille. Er lieferte viele und wichtige Arbeiten über den Krapp, über Zemente, Dünger- und Salpeterbildung, führte die Saturation in die Zuckerfabrikation ein, schuf die Barytindustrie, durch welche die Barytsalze billige Handelsartikel wurden, arbeitete über die Kristallisation unlöslicher Verbindungen und zeigte die technische Verwendbarkeit der Kristallisationen. Außerdem lieferte er zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und beteiligte sich nicht minder an der Diskussion und Bearbeitung volkswirtschaftlicher Aufgaben. Er starb 27. Jan. 1881 in Lille.

Kühlofen, s. Glas, besonders S. 389 u. 393.

Kühlschiff, s. Bier, S. 916.

Kühlsonde (Psychrophor), von Winternitz angegebener doppelläufiger, vorn geschlossener Katheter, durch welchen man einen Strom kalten Wassers zirkulieren lassen kann, dient zum Kühlen der Harnröhre bei Blasenschwäche, chronischem Tripper etc.

Kühlte (v. holländ. koelte, spr. külte), im allgemeinen s. v. w. Wind, besonders ein leichter Wind.

Kühlwasser, s. Bleiessig; auch das zum Betrieb von Kühlapparaten dienende Wasser.

Kühlwetter, Friedrich von, preuß. Staatsmann, geb. 17. April 1809, studierte die Rechte und trat 1830 in den Staatsverwaltungsdienst. Schon mit 39 Jahren ward er 1848 zum Minister des Innern im Ministerium Hansemann ernannt, das vom 25. Juli bis 28. Sept. die Geschäfte leitete. K. erhielt darauf die Verwaltung des Regierungspräsidiums zu Aachen, wo er aber, obwohl selbst Rheinländer und Katholik, als gut preußischer Beamter auf hartnäckige Abneigung seitens der Bevölkerung stieß. 1866 nach Düsseldorf versetzt, erwarb er sich hier durch eifrige Fürsorge für Kunst und Wissenschaft allgemeine Anerkennung. 1870 erhielt er den schwierigen Posten eines Zivilgouverneurs zu Straßburg, den er mit Umsicht und Energie verwaltete. Hierauf wurde er im September 1871 zum Oberpräsidenten der Provinz Westfalen befördert, wo seine Stellung durch den Beginn des Kulturkampfs ebenfalls eine schwierige wurde. K. vertrat mit Entschiedenheit die Rechte des Staats und bemühte sich, namentlich durch Berufung freisinniger Lehrer an die Akademie zu Münster, die katholische Bevölkerung von Westfalen von der Herrschaft des Ultramontanismus zu befreien. Er wurde daher von der klerikalen Partei auf das heftigste angefeindet. K. starb 2. Dez. 1882 in Münster.

Kuhmäuler, s. Bärenklauen.

Kuhn, bei botan. Namen für Max Kuhn, geb. 1842 zu Berlin; Farne.

Kuhn, 1) Johannes von, namhafter kathol. Theolog, geb. 20. Febr. 1806 zu Wäschenbeuren, ward Professor der Theologie erst in Gießen, seit 1837 bis zu seinem am 8. Mai 1887 erfolgten Tod in Tübingen. Von 1848 bis 1851 war er Mitglied der württembergischen Kammer, und 1857 wurde er in den Staatsgerichtshof gewählt. 1862 beteiligte er sich an der Versammlung der Großdeutschen in Frankfurt und der Gründung des Deutschen Reformvereins. Er schrieb: "Katholische Dogmatik" (Tübing. 1846-59, 2 Bde.; 2. Aufl. des 1. Bandes 1857 bis 1862) und "Die christliche Lehre von der göttlichen Gnade" (das. 1868). Seit 1838 war er Mitherausgeber der "Theologischen Quartalschrift".

2) Franz Felix Adalbert, Sprach- und Mythenforscher, geb. 19. Nov. 1812 zu Königsberg in der Neumark, studierte auf der Universität zu Berlin, ward 1841 Lehrer, dann Professor und 1870 Direktor am Köllnischen Gymnasium daselbst; starb bald nach seiner Pensionierung 5. Mai 1881. K. hat sich durch seine Forschungen auf dem Gebiet der vergleichenden Sprachwissenschaft, namentlich aber durch die von ihm erst ins Leben gerufene Wissenschaft der vergleichenden Mythologie der indogermanischen Völker namhafte Verdienste erworben. Er redigierte seit 1851 (anfangs in Gemeinschaft mit Aufrecht) die "Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung", woran sich 1862 "Beiträge zur vergleichenden Sprachforschung auf dem Gebiet der arischen, keltischen und slawischen Sprachen" (zuerst mit Schleicher, dann von K. allein herausgegeben) anschlossen; beide sind seit 1875 zu der "Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiet der indogermanischen Sprachen" verschmolzen. Seine größern Arbeiten sind: "Zur ältesten Geschichte der indogermanischen Völker" (Berl. 1845; in erweiterter und berichtigter Form wieder abgedruckt in Webers "Indischen Studien", 1. Bd., das. 1850), worin er mit Hilfe etymologischer Untersuchungen die Umrisse zu einem Bilde der Kulturzustände des indogermanischen Urvolkes entwarf; die für die vergleichende Mythologie bahnbrechende Schrift "Die Herabkunft des Feuers und des Göttertranks" (das. 1859, 2. Ausg. 1886) und "Entwickelungsstufen der Mythenbildung" (das. 1874). Zur deutschen Mythen- und Sagenforschung veröffentlichte er: "Märkische Sagen und Märchen" (Berl. 1842); "Norddeutsche Sagen" (mit Schwartz, Leipz. 1848) und "Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen" (das. 1859, 2 Bde.). Eine Sammlung seiner "Mythologischen Studien" gab neuerdings sein Sohn heraus (Gütersl. 1886, Bd. 1). - Sein Sohn Ernst W. Adalbert, geb. 7. Febr. 1846 zu Berlin, seit 1875 Professor des Sanskrits und der vergleichenden Sprachwissenschaft in Heidelberg, seit 1877 in München, hat "Beiträge zur Pâligrammatik" (Berl. 1875), einige andre auf die Grammatik des Pâli und Singhalesischen sowie der hinterindischen Sprachen bezügliche Arbeiten und im Verein mit A. Socin und andern Fachgenossen "Wissenschaftliche Jahresberichte über die morgenländischen Studien" (Leipz. 1879 ff.) veröffentlicht und ist der Herausgeber des "Litteraturblattes für orientalische Philologie" (das. 1883 ff., bis jetzt 3 Bde.).