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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kulmann; Kulmbach; Kulmet; Kulmination; Kulmsee; Kuloi

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Kulmann - Kuloi.

Fabrikation landwirtschaftlicher Maschinen, Dampfschneidemühlen, Essigfabrikation, Bierbrauerei, Ziegeleien, Getreidehandel, Schiffahrt und (1885) mit der Garnison (ein Jägerbat. Nr. 2) 9979 meist kath. Einwohner. Nach K. ist das älteste Bistum Westpreußens benannt. - K. ward vom Herzog Konrad von Masovien dem ersten Bischof von Preußen, Christian, geschenkt und von Friedrich II. 1226 dem Deutschen Ritterorden verliehen. Dieser legte 1232 die Stadt K. weiter unterhalb an der Weichsel an und gab ihr (und zugleich Thorn) in der Kulmischen Handfeste 1233 eine deutsche Städteordnung, welche ein Vorbild für alle Städtegründungen im Ordensland wurde. In dem zwischen den Bewohnern der Stadt und dem Herzog Swantepolk von Pommerellen ausgebrochenen Krieg wurde K. 1244 von letzterm belagert, indessen von den Frauen des Ortes so trefflich verteidigt, daß die Belagerung ohne Erfolg aufgehoben werden mußte. K. wurde später Mitglied der Hansa, beteiligte sich dann an dem Aufstand gegen die Ordensherrschaft und wurde 1466 auf Grund des zweiten Friedens zu Thorn an Polen abgetreten, von welchem es 1772 an Preußen kam. Das Kulmer Land, zwischen Weichsel, Drewenz und Ossa, mit unbestimmten Grenzen gegen O., bildet in seinem Hauptteil eine sehr fruchtbare, fast ebene Landschaft, die nur selten über 120 m ansteigt und zahlreiche Güter enthält. Im Kreis K. fanden neuerlich im archäologischen Interesse erfolgreiche Ausgrabungen statt. Vgl. Schultz, Geschichte der Stadt und des Kreises K. (Danz. 1876); Brauns, Geschichte des Kulmerlandes bis zum Thorner Frieden (2. Aufl., Thorn 1881).

Kulmann, Elisabeth, deutsch-russ. Dichterin, geb. 5. Juli (a. St.) 1808 zu St. Petersburg aus einer deutschen, aus dem Elsaß nach Rußland eingewanderten Familie, erhielt eine äußerst sorgfältige Erziehung; namentlich wurde auf den Sprachunterricht die größte Sorgfalt verwandt. Mit ihrem 13. Lebensjahr hatte sie schon eine bemerkenswerte Kenntnis der russischen, deutschen, französischen, englischen, italienischen, lateinischen und griechischen Sprache erlangt. Sie starb, kaum 17 Jahre alt, 19. Nov. (a. St.) 1825. Die Kaiserin Alexandra Fedorowna und die Großfürstin Helene Pawlowna errichteten ihr auf ihrem Grab in St. Petersburg ein Denkmal aus karrarischem Marmor. Elisa K. war ein phänomenales Talent, das Großes geleistet haben würde, hätte der Tod die zarte Blüte nicht vorzeitig gebrochen. Die russische Akademie der Wissenschaften, welche eine Ausgabe ihrer Werke (Petersb. 1833) besorgte, rühmt an ihr "eine ungewöhnliche Kunst der Erfindung, Fülle der Phantasie, anziehenden Reiz der Erzählung, eine fließende Schreibart, eine geschmackvolle und täuschende Nachahmung der alten griechischen Dichter und Adel der Gefühle". Sie ist sowohl als Übersetzerin wie auch als Originaldichterin (in russischer, deutscher und italienischer Sprache) hervorgetreten. Ins Russische hat sie unter anderm Anakreon und Alfieris "Saul" übersetzt sowie viele außereuropäische und orientalische Märchen in russischer Sprache bearbeitet, ins Deutsche Trauerspiele des russischen Dichters Oserow u. a. übertragen. Ihre "Sämtlichen Gedichte" mit ausführlicher Biographie wurden von K. F. v. Großheinrich (8. Aufl., Frankf. a. M. 1857) herausgegeben; eine Auswahl aus denselben erschien in Heidelberg 1875.

Kulmbach (Culmbach), Bezirksamtsstadt im bayr. Regierungsbezirk Oberfranken, am Weißen Main und der Linie München-Bamberg-Hof der Bayrischen Staatsbahn, 306 m ü. M., hat 3 evang. Kirchen, wovon eine den Katholiken zum Mitgebrauch überlassen ist, eine Latein- und eine Präparandenschule, ein Amtsgericht, ein Forstamt, ein Zentralschlachthaus, 38 Bierbrauereien, darunter 2 Aktienbrauereien (1885 Export 272,523 hl), viele Mälzereien, 4 Kunstmühlen, Zement-, Leinwand- und Plüschfabriken, Ziegeleien, Färbereien und Gerbereien und (1885) 6303 meist evang. Einwohner. Dabei auf einem Felsen die Feste Plassenburg (s. d.). - Die Herrschaft Plassenburg mit der Stadt K. fiel den Burggrafen von Nürnberg im 14. Jahrh. aus der Hinterlassenschaft der Herzöge von Meran zu. Die Markgrafschaft Baireuth, welche 1486 nach der Teilung der fränkischen Fürstentümer entstand, wurde auch nach der zugehörigen Stadt K. benannt; deshalb spricht man auch von Markgrafen von Brandenburg-K. Insbesondere verdienen diese Bezeichnung die Nachkommen des Markgrafen Georg Albrecht von K. (gest. 1666), welche 1726 in der Markgrafschaft Baireuth folgten und 1769 mit Friedrich Christian erloschen. Vgl. Huther, K. und Umgebung (Kulmbach 1886).

Kulmbach, Hans von, eigentlich Hans Süß, nach seinem Geburtsort in Franken Hans von K. genannt, Maler und Zeichner für den Holzschnitt, geboren um 1485, war Schüler Jacopos de' Barbari in Nürnberg und arbeitete dann (noch 1518) im Atelier und im Dienste Dürers, unter dessen Leitung er an Dürer gelangte Aufträge ausführte, so z. B. Christus in der Kelter (in der Stiftskirche zu Ansbach). Sein Hauptwerk ist das Tuchersche Epitaph in der St. Sebaldskirche zu Nürnberg, die Madonna auf dem Thron, daneben die heil. Katharina und Barbara, 1513 nach Dürers Zeichnung gemalt. Diesem Werk zunächst kommt eine figurenreiche Anbetung der Könige von 1511 (im Berliner Museum), welche in der Charakteristik unter dem Einfluß Dürers steht, während die leuchtende Farbe auf Jacopo de' Barbari weist. Eine große Anzahl Bilder von ihm befindet sich in Krakau, unter andern eine Reihe von Szenen aus dem Leben der heil. Katharina in der dortigen Marienkirche. Er starb um 1522.

Kulmet (Külmit), früher Getreidemaß in den russ. Ostseeprovinzen; in Riga = 11,477 Lit., in Reval = 14,124 L.

Kulmination (neulat.), eigentlich Erreichung des höchsten oder Gipfelpunktes; speziell in der Astronomie der Durchgang eines Gestirns durch den Meridian. Man unterscheidet die obere und die untere K. Erstere findet auf der nördlichen Halbkugel auf der Südseite des Pols statt, die letztere auf der Nordseite, aber oberhalb des Horizonts nur bei den Zirkumpolarsternen (vgl. Himmel, S. 545). Die Kulminationshöhe, vermindert um die Äquatorhöhe, ist die Deklination des Sterns; der Unterschied der Kulminationszeiten zweier Sterne ist gleich ihrer Rektaszensionsdifferenz. Kulminieren, den höchsten Punkt erreichen, gipfeln.

Kulmsee, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Marienwerder, Kreis Thorn, an einem See und an der Linie Thorn-Graudenz der Preußischen Staatsbahn, hat einen schönen kath. Dom (1251 erbaut, 1422 erneuert), eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, eine große Zuckerfabrik, Butter- und Käsefabrikation und (1885) 4969 meist kath. Einwohner. K. war bis 1823 Sitz des Kulmer Domkapitels, vorher auch Residenz der Bischöfe von Kulm.

Kuloi, schiffbarer Fluß im russ. Gouvernement Archangel, entspringt im Kreis Pinega als Sotka und mündet nach 320 km langem Lauf in den Me-^[folgende Seite]