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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kunstgewerbemuseum; Kunstgewerbeschulen; Kunstgezeug; Kunstguß; Kunsthefe

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Kunstgewerbemuseum - Kunsthefe.

Antwerpen 1877). - Allen diesen Bestrebungen gegenüber, welche sich ausgesprochenermaßen gegen die Alleinherrschaft des französischen Geschmacks richten, konnte Frankreich nicht unthätig bleiben. Frankreich hat die alte Tradition, den wohlgeschulten Stamm von Arbeitern, den Reichtum des Landes und vor allem den Weltmarkt von Paris für sich. Trotzdem empfand es den Abfall und die wachsende nationale Selbständigkeit des Auslandes. An Vorbildern boten das Musée Cluny und das Louvre mit seinen kulturhistorischen und Kunstsammlungen reiche Schätze; trotzdem gelten diese nicht mehr als ausreichend. Die Union des beaux-arts appliqués à l'industrie gründete im Pavillon der Flora des Louvre ein Musée retrospectif speziell für das K. neben den jährlich wiederkehrenden Ausstellungen im Palais de l'Industrie. In Lyon besteht eine große Spezialsammlung für die Kunstweberei. Die Staatsfabriken von Sèvres für Porzellan und alle Techniken des Emails und der Kunsttöpferei, ferner die Gobelins für die Kunstwebereischulen widmen dem K. andauernd die besten Kräfte. Noch mehr wirken die öffentlichen Bauten mit ihrer vollendeten künstlerischen Ausstattung. Die Pariser Weltausstellung von 1878 hat die glänzende Leistungsfähigkeit Frankreichs aufs neue bewiesen, daneben aber auch die Thatsache, daß Frankreich nicht mehr allein in erster Reihe steht. Besonders haben die letzten Jahre auf dem Gebiet der Luxusindustrie, welche bis dahin die ausschließliche Domäne Frankreichs gewesen war, einen großen Umschwung zu gunsten Deutschlands hervorgerufen, so daß die Führerschaft Frankreichs vorläufig ein Ende erreicht hat. - Der Orient hat bisher eine besondere Unterweisung und Belebung noch nicht nötig gehabt. Dort allein erhält sich im häuslichen Kleingewerbe alte Kunst, alte Tradition, alter ererbter Geschmack in Formen und Farben. Die Erzeugnisse des Orients, von Marokko über Arabien, Persien, Indien bis zu China und Japan hin, sind daher in neuester Zeit mit ganz besonderm Eifer von Europa gesammelt und als Vorbilder benutzt worden. Der Geschmack hat sich besonders für die Stoffe und Flachmusterung, aber auch für Geräte in Thon, Glas und Metall mit Entschiedenheit orientalischen Vorbildern zugewendet, so daß die Weltausstellungen seit fast 20 Jahren als eigentliche Neuheiten orientalische Motive bringen; herrschten 1867 und 1873 Persien und Indien, so haben seit 1878 China und Japan eine Zeitlang den Ton angegeben, bis der gegenwärtig herrschende Eklektizismus zu dem Ergebnis gekommen ist, aus den Erzeugnissen Asiens und Afrikas sich das Geschmackvolle und stilistisch Unanfechtbare anzueignen.

Über die geschichtliche Entwickelung des Kunstgewerbes sind bei den betreffenden Artikeln (Bronze, Buchdruckerkunst, Buchbinden, Glas, Goldschmiedekunst, Juwelierkunst, Keramik, Möbel, Rüstungen, Schmiedekunst, Weberei etc.) die nötigen Notizen gegeben, auf welche wir verweisen.

Die Litteratur über K. ist sehr umfangreich. Grundlegend waren K. Böttichers "Tektonik der Hellenen" (Berl. 1844-54, 2 Tle.; 2. Aufl. 1873) und G. Sempers "Stil in den tektonischen und technischen Künsten" (2. Aufl., Münch. 1879), bahnbrechend die verschiedenen Schriften von Jak. Falke (s. d.), besonders seine "Geschichte des modernen Geschmacks" (2. Aufl., Leipz. 1880), seine "Kunst im Hause" (5. Aufl., Wien 1883), seine Berichte über die Weltausstellungen zu Paris und Wien und die "Ästhetik des Kunstgewerbes" (Stuttg. 1883). Über die Geschichte der K. vgl. noch: Labarte, Histoire des arts industriels (2. Aufl., Par. 1872-75, 3 Bde.); Bucher, Geschichte der technischen Künste (Stuttg. 1875 ff.); Blümner und v. Schorn, Geschichte des Kunstgewerbes (Prag u. Leipz. 1884 ff.). Von Zeitschriften sind zu nennen: die "Zeitschrift des Kunstgewerbevereins zu München" (seit 1851); die "Mitteilungen des k. k. österreichischen Museums zu Wien" (Wien 1865 ff.); die Wochenschrift "Kunst und Gewerbe" (Nürnb. 1867 ff.); die "Gewerbehalle" (Stuttg. 1863 ff.); "Blätter für K." (Wien 1872 ff.) und das "Kunstgewerbeblatt" (Leipz. 1884 ff.). Für Frankreich ist die "Revue des arts décoratifs" (Par. 1880 ff.) Zentralorgan. Daran schließen sich noch zwei Sammlungen von Abbildungen mustergültiger Gegenstände in Form von Zeitschriften: "L'art pour tous" (Par. 1861 ff.) und "Das Kunsthandwerk" (hrsg. von Bucher und Gnauth, Stuttg. 1874-76). Vgl. auch Schwabe, Die Förderung der Kunstindustrie in England und Deutschland (Berl. 1866); Bucher, Die Kunst im Handwerk; Vademecum für Besucher kunstgewerblicher Museen etc. (2. Aufl., Wien 1876); Derselbe, Reallexikon der K. (Wien 1883); Derselbe, "Mit Gunst". Aus Vergangenheit und Gegenwart des Handwerks (Leipz. 1886); Hirth, Formenschatz (das. 1877 ff., Sammlung von Vorlagen); Springer, Kunsthandbuch für Deutschland, Österreich und die Schweiz (4. Aufl., Stuttg. 1886); Champier, L'année artistique (Par. 1882).

Kunstgewerbemuseum, s. Kunstgewerbe.

Kunstgewerbeschulen, Unterrichtsanstalten, welche seit der vom Staat und von Privaten systematisch in Angriff genommenen Hebung des Kunstgewerbes in Österreich und Deutschland begründet worden sind und durch staatliche und kommunale Mittel erhalten werden. Man unterscheidet K. im eigentlichen Sinn und K., in welchen nur spezielle Fächer des Kunstgewerbes kultiviert werden (s. Fachschulen). Bei beiden Gattungen von K. erfolgt der Unterricht gewöhnlich in zwei Stufen. Als unerläßliche Grundlage wird überall der Zeichenunterricht anerkannt. In den Vorbereitungsklassen werden Ornamentzeichnen, Gipszeichnen, architektonisches Zeichnen und, je nach den Zielen der Anstalt, auch Aktzeichnen, Projektionslehre, Anatomie, Stillehre, Naturstudien u. dgl. getrieben. In den Fachklassen werden praktische Übungen in den verschiedenen Zweigen des Kunstgewerbes veranstaltet, die sich in den kunstgewerblichen Fachschulen auf ein Spezialfach beschränken. Deutschland besitzt K. mit ausgedehntem Unterricht in Berlin, Breslau, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Hamburg, Kaiserslautern, Karlsruhe, München, Nürnberg, Stuttgart; kunstgewerbliche Fachschulen in Berchtesgaden (Schnitzerei), Krefeld (Webschule), Einbeck (Webschule), Grenzhausen, Höhr, Bürgel (Kunsttöpferei), Hanau (Bijouterie und Kunststickerei), Iserlohn (Metallindustrie), Mülheim a. Rh. (Webschule), Oberammergau (Schnitzschule), Pforzheim (Metallindustrie), Plauen (Musterzeichnen), Remscheid (Kleineisen- und Stahlwarenindustrie), Schneeberg (Spitzenklöppelei) u. a. Über die geschichtliche Entwickelung der K. s. Kunstgewerbe.

Kunstgezeug, s. Kunst, S. 305.

Kunstguß, die Herstellung von Kunstgegenständen aller Art, besonders kunstgewerblicher durch Metallguß und zwar hauptsächlich in Eisen, Bronze, Messing, Zink, weniger aus Blei, Neusilber etc.; s. die Spezialartikel.

Kunsthefe (Hefenmaische, Maischhefe), gärende, mit frisch gebildeter Hefe erfüllte Maische, welche als