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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kürnberger; Kurnik; Kurnool; Kuro Siwo; Kuropátkin; Kurorte

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Kürnberger - Kuro Siwo.

Kürnberger, Ferdinand, Schriftsteller, geb. 3. Juli 1823 zu Wien, studierte daselbst Philosophie, wandte sich dann aber der Journalistik und Publizistik zu. Als Revolutionsflüchtling verließ er 1848 Wien, verweilte längere Zeit in München, kehrte 1859 nach Österreich zurück und ließ sich 1865 in Graz, 1867 in Wien nieder, wo er als Sekretär der Schiller-Stiftung fungierte, bis er 1877 seinen Wohnsitz von neuem in Graz nahm. Er starb während eines Aufenthalts in München 14. Okt. 1879. Einen litterarischen Namen erwarb sich K. zuerst während der Zeit seines Exils durch den kulturhistorisch wertvollen Roman "Der Amerikamüde" (Frankf. 1856), in dessen Hauptperson Nikolaus Lenau porträtiert sein soll. Zu gleicher Zeit versuchte er sich mit seinem "Catilina" (Hamb. 1855) als Dramatiker. Ein Teil seiner Beiträge zu belletristischen Zeitschriften erschien gesammelt unter dem Titel: "Ausgewählte Novellen" (Prag 1857). Außerdem veröffentlichte er: "Das Goldmärchen" (Wien 1857); "Novellen" (Münch. 1861-62, 3 Bde.); eine Auswahl seiner Feuilletons, Betrachtungen über die innere Geschichte Österreichs in den Jahren 1859-73 enthaltend, unter dem Titel: "Siegelringe" (Hamb. 1874); den Roman "Der Haustyrann" (Wien 1876) und "Litterarische Herzenssachen. Reflexionen und Kritiken" (das. 1877) sowie einen neuen Band "Novellen" (Berl. 1878). K. huldigte einer durchaus pessimistischen Weltanschauung.

Kurnik, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Posen, Kreis Schrimm, am See K., hat ein Schloß und (1885) 2650 kath. Einwohner.

Kurnool, Stadt und Bezirk, s. Karnul.

Kuropátkin, Alexei Nikolajewitsch, russ. Militärschriftsteller und Reisender, geb. 1848, erhielt seine Erziehung in einem Kadettenkorps, wurde 1866 Offizier, trat in das turkistanische Schützenbataillon und zeichnete sich so aus, daß er als Chef einer diplomatisch-militärischen Mission zu dem Emir Jakub Chan nach Kaschgar entsandt wurde. Die Frucht dieser Sendung war sein Anfang der 70er Jahre erschienenes Reisewerk über Kaschgar. Hierauf trat K. in die Nikolai-Akademie des Generalstabs, welche er 1874 absolvierte, und begab sich dann sogleich als Volontär nach Algier, ging nach seiner Rückkehr abermals nach Turkistan, wurde darauf nach Petersburg in den Generalstab berufen, wo er eine Zeitlang Chef der asiatischen Sektion des Generalstabs war und auch das Amt eines Adjunktprofessors für militärische Statistik in der Nikolai-Akademie des Generalstabs versah. Den letzten russisch-türkischen Feldzug machte er als Chef des Stabes der 16. Infanteriedivision, deren Kommandeur Skobelew war, mit sowie mit letzterm den Feldzug gegen die Achal-Teke (1880-1881) und ist, seit 1882 Generalmajor, gegenwärtig dem Generalstab zugeteilt. Zahlreiche kriegshistorische und militärische Artikel veröffentlichte er in den letzten Jahren in den Petersburger Monatsschriften: "Wojennyj Sbornik" und "Russkaja Starina", von denen die "Kritischen Rückblicke auf den russisch-türkischen Krieg 1877/78" in deutscher Bearbeitung von Krahmer (Berl. 1885-87, 7 Hefte) erschienen.

Kurorte, Orte, an welchen gewisse Krankheiten, namentlich chronische Störungen des Stoffwechsels, welche durch bloße medikamentöse Behandlung nicht zu beseitigen sind, unter besondern Veranstaltungen, klimatischen Verhältnissen und geregelter Lebensweise, d. h. durch eine eigne, Wochen oder Monate zu befolgende Kur, geheilt werden. Eine solche Kur kann unter Umständen an dem Wohnort des Leidenden selbst eingeleitet werden; als ein sehr wesentliches, den Erfolg der Kur unterstützendes Moment ist aber mit vollem Recht ein passender Wechsel des Aufenthalts anzusehen, zumal wenn die Aussicht vorliegt, daß der Kranke am Wohnort sich den täglichen Aufregungen seines Berufs nicht entziehen kann. Diesen Bedürfnissen entspricht eine außerordentlich große Zahl von besonders günstig gelegenen und für Heilzwecke eingerichteten Kurorten. Alle diese K. wirken auf den Gesamtkörper ein, teils indem sie den Stoffwechsel anregen, das Nervensystem reizen, eine allgemeine Schlaffheit der Gewebe oder einzelner Schleimhäute erstarken lassen, oder indem sie einseitige Exzesse des Stoffwechsels regeln, das Nervensystem beruhigen, übergroße Reizbarkeit einzelner Gewebsysteme herabstimmen und abnorme Sekretionen unterdrücken. Die von Laien so oft gehegte Vorstellung, daß es K. für Leberleiden, andre K. für Brustkrankheiten, wieder andre K. für Herzfehler gibt, ist nur insofern richtig, als unter Einleitung einer bestimmten Lebensweise, unterstützt von bestimmtem Klima, einer Bade- und Brunnenkur, der gesamte Körper derart günstig beeinflußt wird, daß z. B. gewisse Störungen der Leberthätigkeit oder der Atmungsorgane oder der Herzarbeit dadurch mit beeinflußt und geheilt werden. Aber eine solche Heilung kann einerseits an verschiedenen Kurorten erreicht werden, und anderseits bietet jeder einzelne Kurort eine Heilgelegenheit für sehr mannigfache Organleiden, da nicht selten Herz-, Lungen- und Leberleiden von einer einzigen Störung des Kreislaufs abhängig sind. Die Auswahl, in welchen der K. ein bestimmter Kranker oder Erholungsbedürftiger geschickt werden muß, ist demnach eine überaus schwierige, da unter den Kurorten, welche anregend wirken, wie z. B. die Seebäder, jeder einzelne ein sozusagen individuelles Gepräge besitzt, ebenso wie die Reizbarkeit und Kraftfülle der einzelnen Kranken eine individuell höchst mannigfache ist; der bäderkundige Arzt muß eben denjenigen Ort wählen, welcher in seiner Eigenart am besten der Natur seines Kranken angepaßt ist. Die große Zahl der K. ordnet Thilenius in folgende 12 Gruppen: 1) klimatische K., 2) Wildbäder, 3) einfache Säuerlinge, zum diätetischen Gebrauch dienend, 4) Kochsalzquellen, 5) Seebäder, 6) alkalische Quellen, 7) Bitterwasserquellen, 8) alkalisch-erdige Quellen, 9) Eisenquellen und Moorbäder, 10) Schwefelquellen, 11) K. mit verschiedenen Kurmitteln: Milch, Kumys, Molken, Weintrauben, Kräutersäften, 12) Spezial-Heilanstalten. Hierzu kommen noch die in neuerer Zeit eingerichteten Terrainkurorte. Näheres s. Klimatische Kurorte und Mineralwässer.

Kuro Siwo (japan., "schwarzer Strom", wegen seiner tiefblauen Farbe), Meeresströmung des Pazifischen Ozeans, welche, dem Golfstrom des Atlantischen Ozeans durchaus entsprechend, im W. entsteht und zwar durch den Anprall der Nordäquatorialströmung an die Ostküste Formosas und die umliegenden Inseln. Während der Hauptteil dieser Strömung sich ins Chinesische Meer wendet, wird ein Teil derselben, der K., nach N. abgelenkt, nimmt unter 26° nördl. Br. nordöstliche Richtung an, bespült die ganze südöstliche Küste von Japan und verfolgt, nachdem er die Bucht von Jedo passiert hat, vorwiegend eine östliche Richtung; nur im Sommer folgt er noch bis 38° nördl. Br. in geringem Abstand der Küste von Nippon. Der größere Teil des K. fließt zwischen 32 und 41° nördl. Br. nach O. bis 160° westl. v. Gr. Von da wird er nach SO. abgelenkt bis 180° und verliert sich in den östlichen Driftströmungen des