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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kurzwaren; Kurzwildbret; Kusaie; Kusch

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Kurzwaren - Kusch.

ohne diese Muskeln im geringsten in Anspruch zu nehmen. Ein kurzsichtiges, aber noch mit gesundem Akkommodationsvermögen versehenes Auge hat also einen zu nahen Fern- und Nahpunkt und demzufolge, da nämlich der Fernpunkt aus der größten Ferne bis auf einige Fuß, der Nahpunkt dagegen nur von 13 cm, in welcher Nähe das normale Auge höchstens zu sehen vermag, auf höchstens 5 cm näher gerückt ist, eine in entsprechendem Verhältnis verkürzte Sehweite, innerhalb deren es deutlich sieht. Findet aber bei K. zugleich ein mangelhaftes Akkommodationsvermögen statt, so liegt der Fernpunkt regelwidrig nahe, der Nahpunkt aber wenig näher oder ebenso nahe oder wohl gar noch ferner als bei normalem Sehvermögen, daher die Sehweite noch mehr verkürzt ist. Geht aber einem kurzsichtigen Auge das Akkommodationsvermögen ganz ab, so beschränkt sich das deutliche Sehen eigentlich auf einen Punkt, der dann zugleich Fern- und Nahpunkt ist, so daß eine Sehweite nicht vorhanden und das Auge nur in einer ganz bestimmten geringen Entfernung deutlich zu sehen im stande ist. Die K. kommt in verschiedenen Graden vor; bemerklich wird sie erst dann, wenn der Fernpunkt des deutlichen Sehens bis auf 1,9 oder 1,6 m dem Auge genähert ist; bis zu einem etwas über 30 cm betragenden Abstand des Fernpunktes vom Auge ist sie eine geringe, bei einem Abstand bis zu 15,6 cm eine mittelgradige und bei einem Abstand bis zu 5 cm eine hochgradige. Die Bestimmung des Nah- und Fernpunktes geschieht durch bestimmte Druckschrift von verschiedener Größe (Snellesche Buchstaben). Innerhalb der deutlichen Sehweite sieht das kurzsichtige Auge nicht nur ebenso gut, sondern bei großer Nähe und Kleinheit der Gegenstände noch schärfer und ausdauernder als das normale, weil die Anpassungsmuskeln weniger angestrengt zu werden brauchen und infolge der großen Nähe, in welche kleine Gegenstände dem Auge gebracht werden dürfen, größere Bilder davon auf die Netzhaut geworfen werden. Alle jenseit des Fernpunktes befindlichen Gegenstände sieht der Kurzsichtige von um so größern Zerstreuungskreisen umgeben, also um so undeutlicher und verwaschener, je entfernter sie sind. Durch halbes Schließen der Augen, wodurch die Pupille gleichsam verkleinert wird, lassen sich auch die Zerstreuungskreise verkleinern, wodurch etwas deutlicheres Sehen möglich gemacht wird, daher die Gewohnheit Kurzsichtiger, die Augenlider aneinander zu bringen. Der K. liegt als anatomische Ursache Verlängerung des Augapfels in der Sehachse zu Grunde, d. h. Vergrößerung der Distanz zwischen der Hornhaut- und der Netzhautebene, die nach den bedeutendsten Augenärzten der Gegenwart allein auf Verlängerung der Glaskörperachse beruht. Man hat auch angenommen, daß die Linsenform, welche im Dienste der vorwaltenden Beschäftigung durch die Akkommodation hergestellt wird, nach und nach mit zunehmender Konsistenz der Linsensubstanz eine bleibende wird und auf diese Weise die K. der Gelehrten, der Bibliothekare und aller solchen, die von früh auf an das scharfe Sehen in nächster Nähe sich gewöhnt haben, erklären wollen; allein es läßt sich diese Annahme durch anatomische Thatsachen nicht stützen. Die Anlage zur K. ist meist angeboren, selten die K. selbst. Die Zeit, in welcher die Klagen über K. laut werden, ist die des Schulunterrichts, und es fragt sich: darf man die Schule als Urheberin myopischer Beschwerden anklagen, oder ist sie nur der Prüfstein, an welchem die bereits vorhandene K. zuerst bemerkt wird? Es ist nach den Erfahrungen bewährter Autoren allerdings sehr wahrscheinlich, daß K. durch anhaltende Akkommodation für die Nähe erworben werden kann, sei es mit vorhandener Anlage, sei es ohne solche, und in dieser Beziehung ist ein frühzeitiger und anhaltender Unterricht im Lesen und Schreiben gewiß nicht ohne nachteiligen Einfluß. Unter 10,000 Schulkindern wurden etwa 10. Proz. Kurzsichtige gefunden, in gelehrten Schulen ein noch höherer Prozentsatz und in den höhern Klassen derselben abermals eine Zunahme. Um einem übeln Einfluß der Schule vorzubeugen, sind die Schulhäuser womöglich nach allen Richtungen hin frei stehend zu bauen; die Fenster müssen eine Höhe von 2-2,5 und eine Breite von 1,3-1,6 m besitzen, und das Licht soll womöglich zur Linken des Schülers in das Zimmer einfallen. Die Subsellien sind den Körperproportionen der Kinder angemessen zu konstruieren, und zwar soll die Höhe der Sitzbank gleich oder doch nicht größer sein als die Länge des Unterschenkels; die Höhe des Tisches über der Sitzbank soll gleich sein der Höhe des Ellbogens des zwanglos herabhängenden Arms über der Sitzbank, und endlich der Abstand des Tischrandes und des entsprechenden Randes der Sitzbank, in horizontaler Richtung gemessen, soll gleich Null sein; es darf sogar der Tischrand den Rand der Sitzbank um etwas überragen. Die Behandlung der K. geschieht mittels passender, von einem Augenarzt zu wählender Brillen (s. Augenpflege und Brille). Vgl. Arlt, Die Pflege der Augen im gesunden und kranken Zustand (3. Aufl., Prag 1865); Derselbe, Ursachen u. Entstehung der K. (Wien 1876).

Kurzwaren (kurze Waren, franz. Quincaillerie, Mercerie), Gesamtname verschiedener, meist kleinerer Waren aus Metall, Holz, Glas, Porzellan, Marmor, Perlmutter, Bernstein, Korallen, echten und unechten Edelsteinen, Knochen, Elfenbein, Meerschaum, Alabaster, Fischbein, Schildpatt, Horn, Leder etc., z. B. Messerwaren, Nadeln, Knöpfe, Uhren und Bestandteile von solchen, Ringe, Ketten, Leuchter, Sporen und Steigbügel, Galanteriewaren, Brillen und Perspektive, Brief-, Geld- und Reisetaschen, Regen- und Sonnenschirme, künstliche Blumen, lackierte Blechwaren, plattierte Geräte etc.

Kurzwildbret, Jägerausdruck für die Hoden beim Hoch-, Reh- und Schwarzwild.

Kusaie (Ualan), die östlichste Insel der Karolinen (s. d.).

Kusch (hebr., ägypt. Kosch), im Altertum der Name für Nubien und das Land südlich davon bis zum heutigen Chartum. In seinem nördlichen Teil bis zum zweiten Katarakt gehörte K. bereits unter den Königen der 12. Dynastie (2354-2194 v. Chr.) zu Ägypten, ging aber in der Hyksoszeit wieder verloren und wurde erst durch die 18. Dynastie (1597-1447 v. Chr.) zurückerobert, als der große König Tutmes III. sein Reich bis zum Sudân ausdehnte. Nun wurde K. als ägyptische Provinz von einem Vizekönig, dem "Königssohn von K.", mit dem Sitz in Napata, verwaltet. Hier entstand in der Folge ein berühmter Tempel des Ammon, dessen Priester nach Einschränkung der Macht der ägyptischen Priesterkönige durch libysche Krieger hierher gewandert waren und ein eignes, völlig unter ihrem Einfluß stehendes Königreich gegründet hatten. Diesen verachteten Äthiopierkönigen fiel 730 sogar Ägypten in die Hände, das aber König Taharka, 670 von dem Assyrerkönig Asarhaddon geschlagen, wieder räumen mußte und auch sein Sohn Urdamané nur auf kurze Zeit wiederzuerobern vermochte. Nachdem unter persischer Herrschaft der Regierungssitz von Napata nach Meroe verlegt worden war, verfiel K., und an die Stelle der ägyptischen