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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kutschker - Kutter.

(Berl. 1872). In humoristischer Weise hat Ehrenthal in dem Schriftchen "Das K. auf der Seelenwanderung" (1.-7. Aufl., Leipz. 1871) den Ursprung des Gedichts bis ins graue Altertum zurückgeführt.

Kutschker, Johann Baptist, Erzbischof von Wien, geb. 11. April 1810 zu Wiese in Österreichisch-Schlesien als Sohn eines Webers, studierte zu Troppau, Olmütz und Wien Theologie, wurde 1833 zum Priester geweiht und 1834 zum Doktor der Theologie promoviert. Schon 1835 erhielt er die Professur der Moraltheologie in Olmütz, die er bis 1852 innehatte, ward 1836 fürsterzbischöflicher Rat und Mitglied der theologischen Fakultät in Prag und 1843 Konsistorialkanzler und Ehrenkanonikus des Kollegialkapitels in Kremsier. 1852 wurde er als Hofburgpfarrer und Direktor des k. k. Bildungsinstituts zum heil. Augustin nach Wien berufen und trat 1854 als k. k. Rat in das Ministerium für Kultus und Unterricht. Für das Studienjahr 1859 zum Rektor der Wiener Hochschule gewählt, ward er in demselben Jahr zum Hausprälaten des Papstes ernannt und erhielt drei Jahre später die Dompropstei am Wiener Metropolitankapitel, womit die Würde eines Kanzlers der Wiener Hochschule verbunden war. Kardinal Rauscher ernannte ihn zum Generalvikar und wählte ihn zu seinem Weihbischof, worauf K. 7. April 1862 in Rom zum Bischof von Karrhä in part. inf. präkonisiert wurde. 1874 wurde ihm die Geheimratswürde verliehen, und im Januar 1876 ward er nach Rauschers Tod zum Erzbischof von Wien und 22. Juni 1877 zum Kardinal ernannt und starb 27. Jan. 1881. Er schrieb unter anderm: "Die gemischten Ehen" (Wien 1838); "Die Lehre vom Schadenersatz oder von der Restitution" (Olmütz 1851); "Das Eherecht der katholischen Kirche" (Wien 1856-57, 5 Bde.).

Kütschük Balkan ("kleiner Balkan"), Gebirgskette im östlichen Balkan, nördlich von Aidos, welche das Thal des Deli-Kamtschyk südlich begrenzt.

Kütschük Kainardschi, Dorf im Fürstentum Bulgarien, 23 km südöstlich von Silistria. Hier 21. Juli 1774 Friedensschluß zwischen Rußland und der Türkei, durch welchen ersteres Asow und einen Teil der Krim erhielt.

Kutschûn (Gutschen, mongol. Sontschi), Stadt in der chines. Provinz Tienschanpelu (Dsungarei), nordöstlich von Urumtsi, an der Straße von Kuldscha nach Barkul, Stapelplatz für den russisch-chinesischen Grenzverkehr.

Kutsma (ungar.), die 1872 durch den Tschako ersetzte Kopfbedeckung der österreichischen Husaren: schwarze schirmlose Pelzmütze mit farbigem Kalpak, Schnurbesatz und Federschmuck.

Kutte, der kurz nach St. Benedikt aus der Vereinigung der Tunika mit der Kapuze entstandene gewöhnliche Rock der Mönchsorden, der, von oben bis unten weit, auf die Füße hinabreicht, um den Leib durch einen Strick oder Gürtel zusammengehalten wird und oben eine Kapuze hat.

Kutte, im Bergbau s. v. w. Lutte.

Kuttelfisch, s. Sepie.

Kutteln, die Gedärme samt Wanst und Magen, besonders der eßbaren Tiere.

Kuttenberg (tschech. Kutná Hora), Stadt im mittlern Böhmen, an der Österreichischen Nordwestbahn, zu welcher von der Stadt eine Lokalbahn führt, und am Kuttenberger Bach, 253 m ü. M. gelegen, hat 4 Vorstädte und bildet eine reiche Stätte monumentaler Bauwerke aus verschiedenen Epochen sowie auch wichtiger historischer Ereignisse. Unter den Bauwerken nimmt die auf dominierender Höhe sich erhebende Barbarakirche, ein herrlicher Bau in gotischem Stil mit prachtvollen Details, welcher in der Mitte des 14. Jahrh. begonnen und im 15. Jahrh. fortgesetzt, jedoch nicht vollendet wurde und gegenwärtig einer Restaurierung unterzogen wird, den ersten Rang ein; sie enthält mehrere wertvolle Kunstschätze, namentlich Fresken aus dem 15. Jahrh. Außerdem besitzt K. noch 5 schöne alte Kirchen, darunter die große Erzdekaneikirche mit hohem Turm und die Marienkirche, beide in gotischem Stil erbaut, mit bedeutenden Kunstwerken. Das älteste Gebäude der Stadt ist der stark verfallene "welsche Hof", die ehemalige königliche Burg und Münzstätte, im 13. Jahrh. von Wenzel II. erbaut, mit schöner Burgkapelle, welche der hier 1471 zum König von Böhmen gewählte Wladislaw der Jagellone stiftete. Andre bemerkenswerte Bauwerke sind: das "steinerne Haus" (jetzt Rathaus, das reiche Stadtarchiv und die Sammlungen des Archäologischen Vereins enthaltend) mit reichverziertem Giebel und prächtigem Erker, die alte Burg Hradek (jetzt Lehrerbildungsanstalt), das riesige ehemalige Jesuitenkollegium (jetzt Kaserne), der schöne steinerne Brunnen in gotischem Stil und zahllose kleinere Baureste. Auch die Umgebung von K. ist reich an Kunstdenkmälern, vor allem der nahe Ort Sedletz mit der ehemaligen Cistercienserabtei, jetzt bedeutender ärarischer Tabaksfabrik (über 2000 Arbeiter) und schöner, großer Klosterkirche gotischen Stils, welche wertvolle Bilder und eine schöne gotische Monstranz enthält. K. zählt (1880) 13,154 Einw. und besitzt viele industrielle Etablissements, darunter Fabriken für Zucker, Spiritus, Stärke, Spodium, 3 Kunstmühlen, eine Brauerei, Likörfabrik und Kattundruckerei. Die ehemals ergiebigen Silberminen sind seit 1874 vom Staat wieder in Betrieb gesetzt worden, liefern aber gegenwärtig nur ein geringes Erträgnis. K. besitzt eine Oberrealschule, eine höhere Mädchenschule mit Pensionat der Ursulinerinnen, eine Lehrerbildungsanstalt, eine gewerbliche Fortbildungsschule, ein städtisches und Bergarchiv mit zahlreichen historischen Dokumenten und ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Kreisgerichts und eines Revierbergamtes. - Die Gründung der Stadt hängt mit der Entdeckung des Silbererzes zusammen; im 13. Jahrh. stand der Bergbau schon in voller Blüte. Die Stadt nahm raschen Aufschwung, hatte aber in den Hussitenkriegen viel zu leiden. Eine zweite Blüteperiode war die Zeit Georgs von Podiebrad und Wladislaws II. zu Ende des 15. Jahrh., aus welcher Zeit die meisten Kunstdenkmäler stammen. K. war Residenz mehrerer böhmischer Könige, welche hier wiederholt Landtage abhielten, und Sitz hervorragender Adels- und Patrizierfamilien. Seit dem 16. Jahrh. und noch mehr seit dem Dreißigjährigen Kriege geriet die Stadt und der Bergbau in Verfall.

Kutter, 1) ein in den nordischen Meeren sehr beliebtes einmastiges Küsten- und Fischerfahrzeug mit verschiedenen Lokalbenennungen. Die K. haben 12-100 Ton. Gehalt, im Verhältnis zu ihrer Länge sehr bedeutenden Tiefgang; sie sind scharf gebaut, vortreffliche Segler und namentlich ausgezeichnete Seefahrzeuge, so daß sie trotz ihrer Kleinheit schwere Stürme abwettern können. Das Hauptsegel ist ein großes Gaffelsegel; die Stenge ist lang, das Bugspriet horizontal, der Außenklüver groß. Die K. waren gegen Ende des vorigen und im Anfang dieses Jahrhunderts als kleinste Kriegsfahrzeuge sehr beliebt, während sie sich heutzutage nur noch als Zollkutter, Lotsenkutter und als Lustfahrzeuge (Jachten, s. d.) neben der Handelsmarine erhalten