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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lachterkette; Lacieren; Lacinĭum; Lacis; Lack; Lackarbeiten

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Lachterkette - Lackarbeiten.

Fuß); die hannöversche (in Klausthal) = 8 Spann zu 10 Lachterzoll = 1,919 m; die braunschweigische = 1,919 m. In Österreich gelten die (das) L. von Idria (Krain) von 6 idrianischen Fuß = 1,957, die L. von Joachimsthal (Böhmen) = 1,918 und die L. von Schemnitz (Ungarn) = 2,022 m. Lachterschnur ist im Bergbau die geölte, 10-12 L. lange Schnur, welche als Meßwerkzeug dient.

Lachterkette, s. Meßkette.

Lacieren (franz., spr. lass-), einschnüren, zuschnüren, mit Band durchflechten; vgl. Lacet.

Lacinĭum (Lakinion), felsiges Vorgebirge an der Küste von Bruttium in Unteritalien, westlich am Eingang des Tarentinischen Meerbusens (jetzt Kap Nao), berühmt durch seinen Tempel der Hera Lakinia, dem jährlichen Versammlungsort aller unteritalischen Griechen, in dessen Hain Hannibal eine Bronzetafel mit dem Verzeichnis seiner Thaten aufstellen ließ, welche dem Geschichtschreiber Polybios als Quelle diente. Von den Trümmern des Tempels erhielt das Vorgebirge im Mittelalter den Namen "Capo delle Colonne".

Lacis (franz., spr. -ssih), netzförmiges Gewebe.

Lack, s. v. w. Firnis, besonders durchsichtiger; häufig s. v. w. Farblack, s. Lackfarben; brauner L., s. Bister; gelber L., s. Schüttgelb.

Lack (Gummilack, lat. Lacca, Gummi Laccae), ein Harz, welches nach dem Stich der Lackschildlaus (Coccus Lacca Kerr.) aus den jüngsten Trieben verschiedener Bäume, wie Croton lacciferus, Ficus religiosa und F. indica, Zizyphus Jujuba, Butea frondosa etc., ausfließt, die Zweige in mehr oder minder starker Schicht umhüllt und erstarrt. Nur die befruchteten ungeflügelten Weibchen der Lackschildlaus erzeugen den Harzausfluß; sie selbst werden von dem Harz vollständig eingehüllt und sterben ab, während sich in ihnen 20-30 Larven entwickeln, die endlich durch cylindische ^[richtig: cylindrische] Bohrlöcher das Harz verlassen. Man sammelt die Harzmassen samt den Zweigen oder bricht die Harzkrusten von den Zweigen ab und bringt erstere Ware als Stocklack, letztere als Körnerlack in den Handel. Die Gangesländer Siam und Assam liefern die größte Menge, Bengalen und die Irawadiufer die beste Sorte, welche zum großen Teil nach China und Japan exportiert wird. Auch Sumatra liefert L. Die Handelsware besteht gewöhnlich in Schichten von 3-8 mm, ist lichtbräunlich bis tief braunrot, geruch- und geschmacklos, durchscheinend bis undurchsichtig; sie enthält verschiedene Harze, kristallisierbare Harzsäure, einen dem Karmin ähnlichen Farbstoff etc. Letzterer ist am reichlichsten in den von den Larven noch nicht durchbohrten Sorten vorhanden; der Körnerlack des Handels ist oft durch Auswaschen seines Farbstoffs beraubt. Man benutzt L. zur Darstellung von Lackdye (s. d.) und andern Farben und zur Bereitung von Schellack (s. d.).

Lack, Pflanzengattung, s. Cheiranthus.

Lack (Lac, Lecke, Lacre), ostind. Bezeichnung der Zahl 100,000; daher L. Rupien - 100,000 Silberrupien.

Lack (Bischoflack), Stadt im österreich. Herzogtum Krain, Bezirkshauptmannschaft Krainburg, an der Zayer und der Staatsbahnlinie Laibach-Tarvis, hat ein Bezirksgericht, ein Kapuziner- und Ursulinerinnenkloster, eine gotische Pfarrkirche, ein altes Schloß, Fabrikation von Wolldecken und Parketten und (1880) 2293 Einw.

Lackarbeiten, orientalische. Seit der Wiener Weltausstellung von 1873, auf welcher der Orient in seinem ganzen Umfang zum erstenmal eine ausgiebige Vertretung seiner Industrien gefunden hatte, sind die orientalischen L., insbesondere die japanischen und chinesischen, in Europa zu lukrativen Handelsartikeln geworden, welche schnell Eingang in unsre moderne Kultur gefunden haben. In allen größern Städten befinden sich Niederlagen ostasiatischer Lackwaren, welche teils dem Luxus als Wandschränkchen, Schmuck-, Taschentuch-, Handschuh- und Fächerkasten, teils dem Hausgebrauch als Tablette, Brotkörbe, Flaschen- und Gläseruntersätze dienen und die bei ihrer erstaunlichen Billigkeit, welche sich durch die geringen in China und Japan gezahlten Arbeitslöhne erklärt, reichen Absatz finden. Selbstverständlich werden diese auf den Massenexport gearbeiteten Gegenstände mit geringerer Sorgfalt ausgeführt als die größern Prachtstücke, die entweder für den heimischen Gebrauch oder für Ausstellungen angefertigt werden. Alte japanische L., d. h. solche, die mindestens in das vorige Jahrhundert zurückreichen, werden mit hohen Preisen bezahlt. Ein etwa 10 cm hohes Büchschen mit Goldlack wird mit 90-100 Mk. verkauft. Über das Alter der orientalischen Lackindustrie läßt sich ebensowenig etwas Sicheres feststellen wie über das Alter der übrigen Industriezweige Ostasiens. Man ist gewöhnlich geneigt, dasselbe als ein sehr hohes anzunehmen, und in der That darf man aus dem konservativen Charakter der ostasiatischen Völkerschaften schließen, daß ihre Industrien bis tief in das Altertum, zum Teil noch bis über den Beginn der christlichen Zeitrechnung hinausreichen. Japanische Lackwaren gelangten im 16. und am Anfang des 17. Jahrh. durch Portugiesen und Spanier über Macao und Manila nach Europa, von 1640 ab aber nur durch Holländer, welche auch die ersten Versuche machten, sie nachzuahmen. Eine ganze Sammlung japanischer L. besaß im vorigen Jahrhundert die Königin Marie Antoinette von Frankreich (im Louvre). In unserm Jahrhundert haben die L. durch die Erschließung Japans für den Fremdenverkehr und insbesondere durch die Weltausstellungen in Europa eine Popularität erlangt, welche wohl auf der Pariser Weltausstellung von 1878 ihren Höhepunkt erreicht hat, wo japanische L. mit hohen Preisen bezahlt wurden.

Die Technik der japanischen und chinesischen L. ist jetzt genau bekannt. Zuerst wird das Holz, welches lackiert werden soll, mit einem eisernen Schaber auf das sorgfältigste glatt geputzt und dann poliert. Etwanige Risse werden mit Werg, Pflanzenpapier oder Kitt ausgefüllt. Man geht dabei so sorgsam zu Werke, daß auch nicht die leiseste Erhabenheit zurückbleibt, da dieselbe mit jeder aufgetragenen Lackschicht wachsen würde. Nach der Glättung überzieht man die Fläche mit Hanfleinwand oder Bastpapier und dann mit einer Grundmasse, die aus Wasser, Kleister, Rohlack und Ziegelmehl oder Ocker besteht. Dieser Grund muß einen Tag trocknen und zeigt dann eine körnige Oberfläche, welche mit einem Stein von neuem poliert und dann mit einem ähnlichen feinern Gemisch überdeckt wird. Nach dem Trocknen findet abermals das Abschleifen der noch vorhandenen Unebenheiten statt, dann folgen noch mehrere Anstriche, zuletzt mit schwarzem Lack, und endlich sorgfältige Abschleifung mit Magnolienholzkohle und Wasser. Die Grundierung ist nun beendet, und die Schlußarbeiten mit glänzenden Lackanstrichen und mancherlei sonstigen Verzierungen beginnen. Der Lack wird durch Einschnitte in die Rinde des Firnissumach (Rhus vernix oder vernicifera, chinesisch: Tsi, japanisch: Urusinoki) gewonnen. Es ist eine grauweiße, dickflüssige Emulsion, die an der Luft bald in tiefes Braun oder Schwarz übergeht. Zur Reinigung preßt man den