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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: La Côte; Lacord.; Lacordaire; Lacre; Lacretelle

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Lacord. - Lacretelle.

peraturgrad erwärmt ward. Man benutzte dasselbe besonders, um durch starkes Schwitzen die Folgen übermäßiger Tafelfreuden zu überwinden, und nahm gewöhnlich ein kaltes Bad hinterher.

Lacord., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Jean Théodore Lacordaire (s. d. 1).

Lacordaire (spr. -dähr), 1) Jean Théodore, Reisender und Naturhistoriker, geb. 1. Febr. 1801 zu Recey sur Ource, bereiste 1825-32 Südamerika, wurde 1835 Professor der Zoologie, später der vergleichenden Anatomie an der Universität zu Lüttich, wo er 19. Juli 1870 starb. Außer Reiseberichten für die "Revue des Deux Mondes" schrieb er: "Introduction à l'entomologie" (Par. 1834-37, 2 Bde.); mit Boisduval: "Faune entomologique des environs de Paris" (das. 1835); "Monographie des érotyliens, famille de l'ordre des coléoptères" (das. 1842); "Monographie des coléoptères subpentamères de la famille des phytophages" (das. 1845-48, 2 Bde.); "Histoire naturelle des insectes. Genera des coléoptères" (das. 1854-76, 12 Bde.).

2) Jean Baptiste Henri Dominique, franz. Kanzelredner, Bruder des vorigen, geb. 12. Mai 1802 zu Recey sur Ource (Côte d'Or), studierte erst in Dijon die Rechte, trat aber schon 1824 in das geistliche Seminar St.-Sulpice, empfing 1827 die Priesterweihe und begründete 1830 mit Lamennais den "Avenir". Gleichzeitig eröffnete er mit Montalembert eine freie Schule, ohne sich den Gesetzen der Universität unterwerfen zu wollen. Als der Papst den "Avenir" verdammte, unterwarf sich L. Aus Rom 1833 nach Paris zurückgekehrt, fesselte er seit 1835 in Notre Dame durch seine Rednergabe sowie dadurch, daß er alle Interessen und Bewegungen der Zeit, die Sache der Nationalität und der Freiheit, Industrie und Politik in den Kreis seiner Besprechungen zog, die Menge in hohem Grade. Da ihm der Erzbischof von Paris die Kanzel untersagte (1840), trat er, um sich von dessen Autorität freizumachen, nachdem er in den "Considérations philosophiques sur le système de Lamennais" (Par. 1834) und der "Lettre sur le saint-siège" (das. 1838) seine im "Avenir" geäußerten Grundsätze förmlich widerrufen hatte, auf einer italienischen Reise in den Dominikanerorden. Mit diesem Schritt hängt zusammen sein "Vie de saint Dominique" (2. Aufl., Par. 1844; deutsch, Regensb. 1871). Im Februar 1841 erschien er in der Kutte des Dominikaners wieder auf der Kanzel von Notre Dame, 1848 sogar als Volksvertreter in der Konstituierenden Versammlung, legte aber schon im Mai sein Mandat wieder nieder. 1850 nach Rom gereist, ward er Provinzial des Dominikanerordens für Frankreich. Seit 1853 beschränkte er sich auf die Leitung seiner Schule zu Sorrèze. 1860 in die französische Akademie aufgenommen, starb er 21. Nov. 1861. Seine "Œuvres complètes" (darunter auch seine Predigten) erschienen Paris 1873 in 9 Bänden; die "Kanzelvorträge in der Notre Dame-Kirche" auch in deutscher Übersetzung (Tübing. 1846-52, 4 Bde.). Seine Selbstbiographie enthält das vom Grafen Montalembert herausgegebene "Testament du P. L." (1870; deutsch, Freiburg 1872). Aus dem umfangreichen Briefwechsel Lacordaires sind die "Correspondance inédite à sa famille, etc." (2. Aufl. 1876) und die "Lettre à Théophile Foisset" (1886, 2 Bde.) hervorzuheben. Sein Leben beschrieben Montalembert (Par. 1862), Chocarne (7. Aufl., das. 1886), Foisset (das. 1870) und Bleibtreu (Freiburg 1873). Vgl. Nicolas, Étude historique et critique sur le P. L. (Par. 1886).

La Côte, s. Côte.

Lacre, s. v. w. Lack (Rupien).

Lacretelle (spr. lakr'täl), 1) Pierre Louis, der ältere (l'aîné) genannt, franz. Schriftsteller, geb. 1751 zu Metz, betrat die Advokatenlaufbahn zu Nancy, ging 1778 als Parlamentsadvokat nach Paris und machte sich als Mitredakteur des "Grand répertoire de jurisprudence" und durch mehrere Schriften bekannt. In diese Periode seines Lebens fallen sein "Essai sur l'éloquence du barreau" (Par. 1779), die "Mélanges de jurisprudence" (1779), der "Discours sur le préjugé des peines infamantes" (1784), dem die französische Akademie den Monthyonschen Preis zuerkannte, sowie mehrere Abhandlungen, welche sich in den "Œuvres diverses" (1802-1807, 5 Bde.) und "Fragments politiques et littéraires" (1817, 2 Tle.) gesammelt finden. Seit 1787 hatte er als Vertrauter des Ministers Malesherbes an manchen Verbesserungen im Justizwesen Anteil, und mit Laharpe u. a. gab er den "Mercure" heraus. Während der Revolution stand er als Mitglied der verschiedenen parlamentarischen Körperschaften stets auf der Seite vernunftgemäßer Freiheit. Er war nicht bloß der begeisterte Anwalt der Konstitution von 1791, sondern auch der ehrlichste Mann der Revolution. Seit 1803 an Laharpes Stelle Mitglied des Instituts, arbeitete er nach Kräften an dessen Reorganisation mit. Als Napoleon I. sich die Kaiserkrone aufsetzte, zog er sich zurück. Nach der Restauration trat er auf die Seite der Opposition und gab als Chefredakteur den "Mercure de France" und die "Minerve française" heraus, die beide unterdrückt wurden. Er starb 5. Sept. 1824. Von seinen Schriften erwähnen wir nur noch die "Portraits et tableaux" (1817, 2 Bde.), in denen sich meisterhafte Schilderungen Mirabeaus, Bonapartes und Lafayettes befinden. Eine Ausgabe seiner sämtlichen Werke erschien Paris 1823-24 in 6 Bänden.

2) Jean Charles Dominique de, genannt der jüngere, ausgezeichneter franz. Geschichtschreiber, Bruder des vorigen, geb. 3. Sept. 1766 zu Metz, kam beim Ausbruch der Revolution nach Paris, wo ihm durch Fürsprache seines Bruders mit Ducos die Redaktion des neugestifteten "Journal des Débats" übertragen wurde. Während der Schreckensperiode hielt er sich zu Paris versteckt, suchte dann eine Zuflucht in der großen Armee und begab sich erst nach dem 9. Thermidor wieder nach Paris, wo er namentlich als Journalist thätig war. 1795 stand er an der Spitze der gegen den Konvent auftretenden Sektionen. Am 18. Fructidor 1797 ward er verhaftet und zwei Jahre gefangen gehalten. 1800 ward er zum Mitglied des Bureaus der Presse, 1810 zum Zensor ernannt und 1816 Präsident der französischen Akademie, deren Mitglied er seit 1811 war. Seit 1809 war er auch Professor der Geschichte an der Pariser Universität. Ludwig XVIII. erhob ihn in den Adelstand. Er starb als Senior der Akademie 26. März 1855 in Bel-Air bei Mâcon, wohin er sich 1853 zurückgezogen hatte. Seine Werke bilden eine ziemlich vollständige Geschichte Frankreichs, unter ihnen stehen obenan die "Histoire de France pendant les guerres de religion" (Par. 1814-16, 4 Bde.; 2. Aufl. 1822; deutsch von Kiesewetter, Leipz. 1815) und die "Histoire de France pendant le XVIII. siècle" (Par. 1808, 6 Bde.; 5. Aufl. 1830; deutsch, Berl. 1810). Die "Histoire de la Révolution française jusqu'au 18 et 19 brumaire" (Par. 1821-26, 9 Bde.) ist eine Darstellung der Revolution im Sinn der Ultras; besser ist Lacretelles älteres Werk über denselben