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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ladanum; Ladány; Laddey; Lade; Ladegast; Ladenberg

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Ladanum - Ladenberg.

arten Ovis Argali, von der Größe eines Hirsches, und Pseudois Nahoor; auch Antilopen sind zahlreich. Schafe sind die lohnendsten Haustiere und dienen auch als Lasttiere. Die Ziegen liefern in der kurzen Wolle (Paschm) unter der darüber weit vorstehenden Decke langer Haare das für die Shawlfabrikation so wichtige Material. Sehr zahlreich sind Hunde, seltener Katzen; Hühner wurden erst um 1850 aus Indien eingeführt. Die turanischen Bewohner sind klein, unsauber und häßlich, aber stark und ausdauernd, sie betreiben fast ausschließlich Ackerbau (Gerste, Erbsen). Sie sind Buddhisten; in jedem Dorf befindet sich ein Mönchskloster. Polyandrie ist, wenige Reiche ausgenommen, die Regel. Der Handel ist zum größten Teil Durchfuhrhandel. China bringt Wolle, Thee, Goldstaub, Silber und Tscharas, ein aus Hanf bereitetes berauschendes Getränk, Indien Baumwollwaren, Häute und Felle, Leder, Korn, Schießwaffen etc.; Le, der Mittelpunkt des Handels, importierte 1877 für 112,817 und exportierte für 89,618 Pfd. Sterl. Die Handelsprodukte des Landes bestehen in Wolle (von Schafen und Ziegen), Borax, Schwefel und getrockneten Früchten. Für die Verbesserung der Wege für den Durchzugsverkehr ist viel Geld aufgewandt worden; die Straßen folgen, wo sie können, den Flußthälern, überschreiten die Flüsse auf Hängebrücken, Fähren und aufgeblasenen Schaffellen und steigen über Pässe von 6000 m Höhe. Hauptstadt ist Le (s. d.). S. Karte "Zentralasien". - Das Land bildete ursprünglich eine Provinz von Tibet, wurde nach Zerfall dieses Reichs unabhängig, aber später tributpflichtig und, nachdem es vergeblich britisches Protektorat nachgesucht hatte, 1839 vom Herrscher von Kaschmir unterworfen und kam mit diesem in Abhängigkeit von Britisch-Indien. Seit 1870 residiert in Le ein englischer Kommissar, welcher mit einem Beamten des Maharadscha gemeinschaftlich den Durchgangsverkehr kontrolliert. Vgl. Cunningham, L., physical, statistical and historical (Lond. 1854); E. Schlagintweit, Die Könige von Tibet (Münch. 1866).

Ladanum (Labdanum), aus verschiedenen Arten von Cistus (Zistrosen) auf Cypern, Kandia, Naxos und in Spanien gewonnenes Harz, riecht angenehm storaxartig und wurde schon von den alten griechischen Ärzten gegen das Ausfallen der Haare sowie als erwärmendes und adstringierendes Heilmittel benutzt. Später diente es bei chronischen Katarrhen, Wunden und Geschwüren. Es ist jetzt noch im Orient sehr geschätzt und wird von den Ägyptern als Schutzmittel gegen die Pest getragen. Bei uns benutzt man es bisweilen zu Räucherungen und Parfümerien.

Ladány, Name mehrerer Ortschaften in Ungarn. Die bedeutendsten sind: 1) Püspök-L., Markt im Komitat Hajdu, am Knotenpunkt der Debrecziner und Großwardeiner Linie der Ungarischen Staatsbahn, mit (1881) 8390 ungar. Einwohnern und Bezirksgericht. - 2) Körös-L., Dorf im Komitat Békés, mit (1881) 7537 ungar. Einwohnern. - 3) Jász-L., Dorf im Komitat Jász-N.-Kun-Szolnok, mit (1881) 7060 ungar. Einwohnern.

Laddey, Emma, Schriftstellerin, geb. 9. Mai 1841 zu Elbing als Tochter des Arztes Radtke, kam 1859 nach Berlin, wo sie sich unter Hendrichs' Leitung für die Bühne ausbildete, bis ein Halsleiden diesen Plan vereitelte, vermählte sich 1864 mit dem Historienmaler Ernst L. in Amsterdam und siedelte mit diesem im folgenden Jahr von dort nach Stuttgart über. Im Geiste der Frauenfrage, mit der sie sich theoretisch und praktisch beschäftigte, schrieb sie eine Reihe von Romanen und Erzählungen, von denen wir anführen: "Blumenmärchen" (Stuttg. 1869); "Auf eignen Füßen" (das. 1871); "Flitter und Gold" (das. 1873); "Aus dem Reich der Frau" (das. 1873); "Aus freier Wahl", Charakterbilder aus der Frauenwelt (das. 1875); "Tagebuch einer Waise" (das. 1876); "Wild erblüht" (das. 1877); "Vier Mädchenleben" (das. 1879); "Tausend Wochen" (das. 1884); "Aus sonnigen Tagen" (das. 1885) etc. Auch im Drama hat sie sich mit "Adele, oder des Schicksals Wechsel" und "Antonio" (Stuttg. 1868) versucht. Gegenwärtig lebt sie in München.

Lade, in der Anatomie s. v. w. Kinnlade, s. Schädel.

Lade, ein hölzerner länglicher Kasten zum Aufbewahren von Kleidungsstücken, Schmuckgegenständen etc., der heute nur noch auf dem Land und bei Dienstboten im Gebrauch ist. Vgl. auch Truhe.

Ladegast, Friedrich, namhafter Orgelbauer, geb. 30. Aug. 1818 zu Hochhermsdorf bei Geringswalde in Sachsen, erlernte in letzterer Stadt die Orgelbaukunst bei seinem ältern Bruder, Christlieb, arbeitete dann in andern Werkstätten und etablierte sich 1846 in Weißenfels. Eine seiner frühsten größern Arbeiten war der Umbau der Orgel im Dom zu Merseburg (1855), welcher seinen Namen schnell bekannt machte. Bis 1884 wurden von ihm mehr als 100 und zumeist mehrmanualige Werke vollendet (darunter die Orgel in der Nikolaikirche zu Leipzig, mit vier Manualen und 85 Stimmen).

Ladenberg, 1) Philipp von, preuß. Staatsmann, geb. 15. Aug. 1769 zu Magdeburg, studierte in Halle die Rechte und Kameralwissenschaften. Seit 1795 Kriegs- und Domänenrat in Ansbach, wurde er 1806 zum Direktor der Kammern in Bialystok ernannt, 1807 in gleicher Eigenschaft nach Marienwerder versetzt und kam 1809 als Regierungsdirektor nach Potsdam. 1810 wurde er Direktor der Sektion für direkte und indirekte Abgaben im Finanzministerium, 1817 der neuorganisierten Generalkontrolle der Finanzen und 1820 des Schatzministeriums, nachdem er einige Jahre zuvor in den Adelstand erhoben worden war; 1823 ward er zum Chef der Oberrechnungskammer, 1825 zum Wirklichen Geheimen Rat und selbständigen Chef der Generalkontrolle ernannt und blieb letzteres bis zur Aufhebung dieser Behörde (1826). 1835 zum Chef der Domänen-, Forst- und Jagdverwaltung und 1837 zum Staatsminister erhoben, erhielt er auf sein Nachsuchen 1842 seine Entlassung und lebte seitdem in Berlin; er starb 11. Febr. 1847. Die zur Feier seines Jubiläums von den preußischen Forstbeamten gegründete Ladenbergsche Stiftung ist zur Unterstützung der Söhne unbemittelter Forstbeamten bei ihren Studien bestimmt.

2) Adelbert von, preuß. Staatsmann, Sohn des vorigen, geb. 18. Febr. 1798 zu Ansbach, besuchte das Friedrich Wilhelms-Gymnasium zu Berlin und trat 1815 als Freiwilliger in das Gardedragonerregiment. Nachdem er 1816 als Leutnant den Militärdienst verlassen, studierte er in Berlin, Heidelberg und Göttingen die Rechte und Kameralwissenschaften, trat 1818 als Auskultator in den preußischen Staatsdienst, wurde 1824 Regierungsrat und Justitiarius in Köln, 1829 Oberregierungsrat zuerst in Königsberg, dann in Merseburg, 1834 Präsident der Regierung zu Trier, 1839 unter Altenstein Direktor im Ministerium des Unterrichts und zugleich Mitglied des Staatsrats. Nach Altensteins Tod verwaltete er dessen Ministerium vom 14. Mai bis 22. Okt. 1840. Seitdem dirigierte er die Abteilung für die evangelisch-geistlichen, die Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten im Eichhornschen Ministerium