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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Laferté; Lafette

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Laferté - Lafette.

er auch auf seinen ausgedehnten und wiederholten Reisen in den Provinzen Frankreichs, in Spanien, Deutschland (1865 in Berlin) unter allgemeinem Beifall spielte. Er starb 15. Juli 1877 in Paris.

2) Louis Firmin Julien, franz. Rechtsgelehrter, geb. 5. Nov. 1798 zu Jonzac, war zuerst Advokat in Angoulême und Bordeaux, dann Professor der Rechte zu Rennes, hierauf Generalinspekteur der juristischen Studien, endlich 1849 Staatsrat; starb 15. Febr. 1861. Seine Schriften sind sehr geschätzt. Man hat von ihm: "Essai sur l'histoire du droit français" (1836; 3. Aufl. 1885, 2 Bde.); "Cours de droit public et administratif" (1839; 5. Aufl. 1860, 2 Bde.); "Histoire du droit français, précédée d'une introduction sur le droit civil de Rome" (1845-1858, 6 Bde.); "Histoire des principes, des institutions et des lois de la Révolution française" (1850, 2. Aufl. 1852); "De l'influence du stoïcisme sur la doctrine des jurisconsultes romains" (1860).

Laferté, Victor, Pseudonym, s. Dolgoruky, Fürstin.

Lafette (Laffete, v. franz. l'affût), Gerüst, in welchem das Geschützrohr beim Schießen und meist auch beim Transport liegt. Für die Feldgeschütze ist möglichst leichte und schnelle Handhabung und Fahrbarkeit der L. Hauptbedingung. Der Leichtigkeit der L. ist indes eine praktische Grenze durch den Rücklauf gesteckt, welcher im umgekehrten Verhältnis zum Gewicht der L. steht. Man beschränkt ihn durch Hemmvorrichtungen. Im allgemeinen bestehen die Lafetten aus zwei auf der hohen Kante stehenden, meist parallelen Wänden, welche durch Riegel auseinander- und (bei hölzernen Lafetten) durch wagerechte Bolzen zusammengehalten werden. In der obern Kante der Wände befinden sich die Schildzapfenpfannenlager zur Aufnahme des Geschützrohrs; die Höhe ihrer Achse über dem Boden ist die Lager- oder Feuerhöhe. Unter dem Bodenstück des Rohrs sitzt zwischen den Wänden die Richtmaschine, meist mit Doppelschraube, bei welcher sich die Richtschraube mit Rechtsgewinde in einer Hülse schraubt, die außen mit einem Linksgewinde in einer Mutter der Richtwelle sich dreht. Dieses Doppelschraubensystem ermöglicht ein schnelles Heben und Senken des Rohrs beim Richten, zum Bewegen dient ein Griffrad oder eine Kurbel. Das hintere Ende der L., der Lafettenschwanz, endet bei den Räderlafetten entweder in eine Protzöse, oder der Schwanzriegel hat ein Protzloch zur Verbindung der L. mit der Protze.

Die Feldlafetten C/73 der deutschen Artillerie (s. Tafel "Geschütze I") haben aus Gußstahlblech gestanzte Wände, zwischen denen ein Lafettenkasten für Zubehörstücke eingenietet ist. Die Achse aus Gußstahl ist rund, ohne Achsfutter und auf Abflachungen mit Schraubzwingen an den Wänden befestigt. Zur Verhütung des Brechens der Achse beim Rückstoß dienen die Mitnehmer, flache Eisenstäbe, welche mit einer Öse, die als Stoßscheibe dient, über die Achsschenkel bis zum Stoß geschoben sind, und deren anderes Ende an die Lafettenwände angebolzt ist. Die Räder, nach dem Thonetschen System konstruiert, haben eine bronzene Nabe, zwischen deren beiden Scheiben die keilförmigen Enden der hölzernen Speichen stecken. Auf der Achse und dem Mitnehmer ruht auf drei Trägern mit Gummipuffern zu jeder Seite der L. ein Achssitz für je einen Kanonier der Geschützbedienung. Jedes Rad hat eine Hebelbremse, deren Bremsklotz hinter der Achse (also beim Bodenstück des Rohrs) gegen den Radreifen liegt. Zur Fahrbarmachung wird die L. aufgeprotzt, d. h. mit der Protze verbunden, die den Vorderwagen des Fahrzeugs bildet. Über der Achse desselben steht der Protzkasten, zur Aufnahme der Munition, Zündungen und einiger Zubehörstücke. Auf dem Deckel sitzen beim Fahren drei Bedienungskanoniere. Hinter dem Protzkasten sitzt am Ende der Scherarme der Protzhaken, über welchen die L. mit der Protzöse gehängt wird. Der Protzhaken steht so weit hinter der Achse, daß durch die aufgeprotzte L. die Deichsel im Gleichgewicht gehalten wird (daher Balanciersystem).

Die Lafetten der deutschen Belagerungs- und Festungsartillerie nach dem Konstruktionsprinzip von 1864 haben eine Lagerhöhe von 183 cm. Diese Erhöhung der Rohrlage, ein charakteristischer Fortschritt der deutschen Artillerie, brachte die Scharten in den Batterien und Brustwehren der Festungswälle in Wegfall, durch welche diese sehr geschwächt und dem Feind ein sehr günstiger Zielpunkt gegeben wurde. Diese Lafetten, neuerdings ganz aus Eisen gebaut, tragen auf dem vordern Teil der Wände einen Aufsatz, Bock, aus Eisen (s. Tafel "Geschütze I") zur Aufnahme des Rohrs. Nach diesem Konstruktionsprinzip, welches sich im deutsch-französischen Krieg bewährt hat, sind die Kanonenlafetten sowohl für die Belagerungs- als für die Festungsartillerie gebaut. Beim Transport werden die Rohre in ein hinter dem Bock befindliches Marschlager gelegt. Die L. für den gezogenen 21 cm Mörser (s. Tafel "Geschütze I") ist fahrbar; weil aber bei hohen Elevationen der Rückstoß Achse und Räder zertrümmern würde, so werden letztere beim Schießen abgezogen. Eine Schraubenvorrichtung dient zum Heben und Senken der Achse. Die Richtmaschine gestattet Elevationen bis zu 70°. Die Rahmenkasemattenlafette C/72 für 8 und 9 cm Kanonen ist den Küstenlafetten ähnlich. Letztere sind für alle schweren Kanonen nach demselben Prinzip gebaut (s. Tafel "Geschütze II"). Es sind eiserne Rahmenlafetten von 1,80 oder 2 m Feuerhöhe. Die eigentliche L. ist aus Eisenblechen zusammengenietet. Die Zahnbogenrichtmaschine, durch ein Handspeichenrad in Bewegung gesetzt und durch eine Bremse arretierbar, gestattet wegen ihrer seitlichen Lage am Rohr eine tiefe Senkung des Bodenstücks. Der Rahmen steht auf vier Rädern, welche mit starken übergreifenden Flantschen auf kreisförmig gebogenen Schienen laufen. Er wird auf diesen durch eine Schwenkvorrichtung seitlich um ein Pivot bewegt, welches nahe der Brustwehr liegt, und mit dem er durch die Pivotklappe verbunden ist. Der Rücklauf wird durch eine hydraulische Bremse gehemmt, deren am Rahmen befestigter Cylinder mit Glycerin gefüllt ist. An der L. ist der Kolben befestigt, dessen Kopf vier nach beiden Seiten trichterförmig erweiterte Löcher hat, durch welche das Glycerin um so heftiger hindurchgepreßt wird, je schneller der Rücklauf ist. Hierin liegt das Prinzip der Hemmung. Die Schiffslafetten sind im Konstruktionsprinzip den Küstenlafetten ähnlich, nur bedeutend niedriger, damit der Schwerpunkt des Geschützes möglichst tief zu liegen komme, was der Schwankungen des Schiffs und der geringen Höhe des Batterieraums wegen erforderlich ist. Zum Feststellen der L. auf jedem Punkte des Rahmens und zum Hemmen des Rücklaufs dient die Lamellenbremse, 6-8 flache, hochkantig zwischen den Laufschwellen des Rahmens stehende eiserne Schienen, in deren Zwischenräume gleiche, an der L. befestigte Schienen greifen, die durch eine Welle mit Klauen aneinander gepreßt werden können. Die dadurch beim Rücklauf