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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: La Hogue; Lahn; Lähnberg; Lahneck; Lahnen; Lahnstein; Lahor

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Lahn - Lahor.

nach sorgfältiger Diagnose für jeden einzelnen Fall entschieden werden. Auch bei Erwachsenen kommt eine ähnliche, ebenfalls mit Fieber, Kopfschmerz, Erbrechen beginnende L. vor, welche Strümpell als akute atrophische Spinallähmung der Erwachsenen bezeichnet; sie ist ebenfalls durch Rückenmarksentzündung bedingt, kann indessen leicht mit den Symptomen einer Nervenentzündung verwechselt werden. Verschieden hiervon, aber jedenfalls in naher Beziehung steht die akute aufsteigende Spinallähmung (Landrysche Paralyse), welche vorwiegend junge Männer von 20-35 Jahren befällt. Sie beginnt mit allgemeiner Mattigkeit, Appetitmangel, mäßigem Fieber; es folgen alsdann reißende Schmerzen im Rücken und den Extremitäten, welche zuweilen wochenlang andauern, worauf ziemlich plötzlich sich L. der Beine, alsdann der Armmuskeln, der Muskeln des Rumpfes, zuweilen der Hals- und Nackenmuskeln einstellt, so daß die Kranken sich nicht mehr bewegen können. Das Gefühl bleibt erhalten, ebenso die elektrische Erregbarkeit der Muskeln. Sehr oft tritt unter dem Fortschreiten der L. auf die Atmungsmuskulatur, besonders des Zwerchfells, der Tod ein und zwar so schnell, daß in den schlimmen Fällen die Krankheit unter hohem Fieber in 8-14 Tagen abläuft. In leichtern Fällen kehrt allmählich die Brauchbarkeit der gelähmten Glieder zurück, es kann volle Heilung erfolgen. Ein Symptomenkomplex, dessen letztes Hauptsymptom auf L. der Bein-, Arm- und besonders der Blasen- und Mastdarmmuskulatur beruht, ist die Rückenmarksschwindsucht (Tabes dorsalis, s. d.). In gewisser Beziehung dieser chronischen Krankheit ähnlich ist die 1875 von Erb zuerst bekannt gemachte spastische Spinalparalyse (primäre Seitenstrangsklerose, Tabes dorsal spasmodique). Diese Form der L. befällt vorwiegend die Beine, beginnt mit den leichtesten Graden der Bewegungsstörung und ist dadurch ausgezeichnet, daß die Muskeln nicht den Unterschenkel schlaff herabhängen lassen, sondern durch alle künstlichen Bewegungen, Druck, Klopfen, in einen Reflexkrampf versetzt werden, welcher das Bein in Streckung, den Fuß in Beugung bringt und jedem Versuch einer passiven Beugung einen Widerstand entgegensetzt. Meist zieht sich der Krankheitsverlauf über Jahre hin, zuweilen tritt unter geeigneter Behandlung durch prolongierte warme Bäder und galvanischen Strom Besserung oder gar Heilung ein. Nur ein wissenschaftlich gebildeter Arzt wird mit Erfolg die Heilung der L. unternehmen können. Den meisten und sichersten Erfolg darf man bei entsprechender Anwendung des elektrischen Stroms auf die gelähmten Teile erwarten. Außerdem werden Hautreize, Gymnastik, Massage, indifferente Thermen und innerlich Strychnin und Brucin angewandt (vgl. Bulbärparalyse, Gehirnhautentzündung, Nerven-, Rückenmarkskrankheiten, Schlagfluß). Vgl. Leyden, Klinik der Rückenmarkskrankheiten (Berl. 1874-76, 2 Bde.); Eulenburg, Lehrbuch der Nervenkrankheiten (2. Aufl., das. 1878); Hertzka, L. und Krampf (Pest 1870); Remak, Methodische Elektrisierung gelähmter Muskeln (Berl. 1856).

Lahn (Plätt), der dünne, zwischen Walzen platt gedruckte (geplättete) Gold-, Silber- oder leonische Draht zur Herstellung von Flittern sowie von Gold- und Silbergespinsten, welche durch Umwickeln von Seidenfäden mit L. entstehen und zu Borten, Fransen, Quasten etc. Verwendung finden; s. Draht.

Lahn, rechter Nebenfluß des Rheins, entspringt bei dem Forsthaus Lahnhof auf dem Jagdberg, dem südlichsten Punkte des Rothaargebirges, im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, südlich von der Siegquelle, in 602 m Höhe, fließt bis Kölbe östlich, von hier bis Gießen südlich, dann südwestlich und mündet, nachdem sie in zahlreichen Windungen den Regierungsbezirk Wiesbaden, Taunus und Westerwald voneinander scheidend, durchflossen, bei Niederlahnstein (62 m ü. M.). Die direkte Entfernung von der Quelle bis zur Mündung beträgt nur 82, die Flußlänge aber 218 km; die Breite bei Wetzlar 32, bei der Mündung 64 m. Die bedeutendsten ihrer Nebenflüsse sind rechts die Dill, der Elb- und der Gehlbach aus dem Westerwald, links die Ohm vom Vogelsberg und die Weil, Ems und Aar aus dem Taunus. Auf ihrem Lauf berührt die L. Marburg, Gießen, Wetzlar, Limburg, Nassau, Ems, Niederlahnstein. Das zum Teil sehr enge Lahnthal ist reich an wechselnden Naturschönheiten, sehenswert auch wegen des kunstvollen Baues der durch dasselbe geführten Eisenbahn von Oberlahnstein nach Wetzlar. 1796 fielen zwischen dem Erzherzog Johann und dem französischen General Jourdan an der L. mehrere Gefechte vor, infolge deren sich die Franzosen auf das linke Rheinufer zurückziehen mußten. Vgl. Spieß, Das Lahnthal (Ems 1866).

Lahn (Lehn), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Liegnitz, Kreis Löwenberg, am Bober, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Pädagogium (1575 vom Freiherrn Sebastian v. Zedlitz gegründet), ein Amtsgericht, Graphit- und Sandsteinbergbau, Lohgerberei, ein großes Mühlwerk, Holzschleiferei, berühmten Taubenmarkt (Mittwoch vor Fastnacht) und (1885) 1191 meist evang. Einwohner. Über der Stadt, die durch das Treffen vom 19. Aug. 1813 (Russen unter Langeron gegen die Franzosen) vollständig zerstört wurde, die Burgruine Lähnhaus (360 m ü. M.). Vgl. Knoblich, Chronik von L. (Bresl. 1863).

Lähnberg (auch Silberkamm), s. Riesengebirge.

Lahneck, Burg bei Oberlahnstein (s. d.).

Lahnen (Lahnungen), niedrige, aber breite Dämme, welche Aufschlickung befördern und angeschwemmten Boden gegen stürmische Fluten sichern sollen. Bestehen diese Dämme nur aus Erde, so heißen sie Erdlahnen, sind sie mit Buschholz oder Stroh bekleidet, Buschlahnen.

Lahnstein, s. Ober- und Niederlahnstein.

La Hogue (spr. ogg), s. Hougue, La.

Lahor (Lahore), Hauptstadt der Provinz Pandschab des britisch-ind. Reichs, etwa 1½ km südlich vom Rawifluß, 254 m ü. M. gelegen, nordwestlich von Dehli, ist Knotenpunkt der Bahnen nach Dehli, Multan, Radschputana und Peschawar und hat mit den Vorstädten und dem östlich gelegenen Garnisonsort Mian Mir (1881) 149,369 Einw. Die heutige Stadt liegt inmitten der Ruinen der alten prächtigen Residenz der Mogulkaiser, die einen Umfang von 27 km hatte. Viele Prachtbauten derselben wurden später von den Sikh aus Religionshaß zerstört; die noch erhaltenen gehören zu den großartigsten Bauwerken aus der Zeit der Herrschaft mohammedanischer Könige in Indien. Der alte Mogulpalast Hasaribagh, aus drei großen Quadrathöfen bestehend, Schahdura oder das Mausoleum des Kaisers Dschehangir, das in der Mitte eines geradlinigen Gartens steht, verschiedene Moscheen, dann Schah Dschahans Schalimar ("Haus der Freude"), eine der berühmtesten Gartenanlagen der Welt, sind die bedeutendsten Baureste aus jener Zeit. Das einst prachtvolle Mausoleum Anarkallis ist zur englischen Garnisonkirche um-^[folgende Seite]