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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lamăchos; Lamaïsmus

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Lamachos - Lamaismus.

Kämme und Rücken der Gebirge zurück, in der trocknen Jahreszeit steigen sie in die fruchtbaren Thäler herab. Sie leben in Rudeln, oft bis zu 100 Stück zusammen, und sind ein Gegenstand eifriger Jagd. Der Guanako (A. Huanaco H. Sm.) ist 2,25 m lang, mit 24 cm langem Schwanz, 1 m hoch. Der Leib ist verhältnismäßig kurz und gedrungen, der Hals lang, dünn, nach vorn gekrümmt, aber aufrecht, der Kopf lang, seitlich zusammengedrückt, die Schnauze stumpf, die Oberlippe vorspringend, tief gespalten. Die Ohren sind etwa von halber Kopflänge und wie die Oberlippe sehr beweglich, die Augen groß und lebhaft, die Beine schlank und hoch, die Zehen bis zur Mitte gespalten und von kleinen, schmalen, zugespitzten Hufen umschlossen; die Sohlen sind groß und schwielig, der Schwanz ist auf der obern Seite stark behaart. Der langhaarige, sehr lockere Pelz besteht aus kürzerm, feinerm Wollhaar und dünnem, längerm Grannenhaar, er ist schmutzig rotbraun; die Mitte der Brust, Unterleib und After sowie die Innenseite der Gliedmaßen sind weißlich, Stirn und Rücken schwärzlich, an den Hinterbeinen steht ein schwarzer Fleck. Der Guanako lebt in Rudeln und Herden bis zu 500 Stück auf den Kordilleren von der Magelhaensstraße bis ins nördliche Peru, hat sich aber infolge der Jagd sehr vermindert. Seine Nahrung sind saftige Gräser, im Notfall auch Moos. Er wird in der Ebene von einem Pferd leicht eingeholt, läuft aber mit Sicherheit an den steilsten Abhängen hin. Die Rudel stellen Schildwachen aus, die bei der geringsten Gefahr ein lautes Blöken ausstoßen. Die Brunstzeit fällt in den August und September, und nach 10-12 Monaten wirft das Weibchen ein Junges, welches es vier Monate säugt. Man fängt die Tiere gern jung ein und zähmt sie, doch zeigen sie sich im Alter meist sehr störrig. Das L. (A. Lama Desm., s. Tafel "Kamele") ist etwas größer als die vorige Art, etwa 1,2 m hoch und zeichnet sich durch die Schwielen an der Brust und an der Vorderseite des Handwurzelgelenks, den schmalen, kurzen Kopf und die kurzen Ohren aus; es gibt weiße, schwarze, gescheckte, dunkel- und hellbraune, fuchsrote etc. Das L. wurde von den Peruanern seit uralter Zeit gezähmt und auch als Opfertier benutzt. Die Spanier fanden ungeheure Lamaherden, welche damals mehr noch als heute dieselbe Bedeutung hatten wie das Ren für den Lappländer. Man benutzt das L. namentlich als Lasttier, es trägt 75 kg und mehr und geht außerordentlich ruhig, solange es nicht durch fremdartige Gegenstände beunruhigt wird. Auf den Hochgebirgen werden große Herden gehalten, welche am Tag ohne Hirten auf die Weide gehen und abends in die Einfriedigungen zurückkehren. Die Weibchen dienen nur zur Zucht. Seit Einführung der Einhufer ist die Bedeutung der Lamas sehr gesunken. Das Fleisch des Lamas wird überall gegessen, die Milch ist wohlschmeckend, die Wolle wird zu grobem Tuch verarbeitet, die Haut zu dauerhaftem Leder. Der Mist dient als Brennmaterial. Es gedeiht auch in Europa recht gut, begnügt sich mit gewöhnlichem Futter und pflanzt sich fort. Der Pako (Alpako, A. Paco Tschudi, s. Tafel "Kamele") ist kleiner als das L., gleicht im Körperbau dem Schaf, hat aber einen längern Hals und zierlichern Kopf; es ist schwarz oder weiß, seltener buntscheckig, sein reiches Haar erreicht an den Seiten eine Länge von 10-12 cm. Es bewohnt die Kordilleren von Peru und Chile und wird in Höhen über 2500 m in großen Herden gehalten, welche man nur zur Schur eintreibt. Das Tier ist sehr anspruchslos, pflanzt sich leicht und schnell fort und liefert treffliches Fleisch. Als Lasttier ist es seiner unbesiegbaren Störrigkeit halber nicht zu gebrauchen, dagegen hat seine Wolle einen großen Wert, und man hat sich daher sehr bemüht, das Tier bei uns zu akklimatisieren. In England und im Haag sind Züchtungsversuche nicht ohne Erfolg geblieben, auch in Australien hat man die Einführung des Pako versucht. Das Vlies wiegt 3-4 kg, ist sehr ungleichmäßig und erfordert sorgfältige Sortierung. Das Haar zeichnet sich durch Nerv und seidenartigen Glanz aus, ist ziemlich schlicht und liefert treffliches Kammgarn. Alle Wolle geht nach England; von dort exportiertes Garn wird auch in Deutschland verarbeitet. Gewöhnlich verspinnt man die ungefärbte Alpakowolle mit andern Stoffen (Mohair, Baumwolle, Seide, Kammgarn), gibt dem Garn wohl auch durch Zwirnung höhern Seidenglanz und verarbeitet es zu sehr zahlreichen gemischten Geweben, namentlich auch zu Shawls und zu den Fransen und Besätzen für dieselben. Schon die alten Inka wußten die Wolle zu benutzen, die Weberei und Färberei derselben stand damals auf hoher Stufe. Jetzt ist diese Industrie verfallen, und die Indianer fertigen nur noch Decken und Mäntel aus Alpakowolle. Die Vicunna (A. vicunna Desm.), ein zierliches, an Größe zwischen L. und Alpako stehendes Tier mit viel kürzerer, gekräuselter, äußerst feiner Wolle. Es ist auf der Oberseite eigentümlich rötlichgelb, an der untern Seite des Halses und der innern der Gliedmaßen hellockerfarben, an der Brust und am Unterleib, wo die Haare zum Teil 13 cm lang werden, weiß. Es lebt in Trupps von 6-15 Weibchen und einem Männchen und in solchen, die nur aus Männchen bestehen, ausschließlich auf grasigen Plätzen der Kämme der Kordilleren und steigt nur in der heißen Jahreszeit, wenn dort das spärliche Futter verdorrt, in die Thäler hinab. Das Weibchen wirft im Februar ein Junges. Die Vicunna ist äußerst furchtsam und wird leicht mit Bolas gefangen. Jung eingefangene Vicunnas werden bald sehr zahm, im Alter aber wie die andern Arten störrisch und durch das beständige Anspucken jedes Fremden sehr lästig. Man genießt das Fleisch und fertigt aus der Wolle feine Gewebe und Filze; bei uns dient die Vigognewolle zu feinen Modeartikeln, Handschuhen etc., doch immer nur in Untermischung und namentlich zur Verfeinerung der Oberfläche von Filzhüten. Die Ware wird immer teurer und seltener, weil der Wildbestand bei der ungeregelten Jagd sich stark lichtet. Das sogen. Vigognegarn besteht lediglich aus feiner Schafwolle mit einem Fünftel Baumwolle. Von allen Lamaarten werden Bezoarkugeln gewonnen, die früher in hohem Ansehen als Heilmittel standen.

Lamăchos, athen. Feldherr, Sohn des Xenophanes, zeichnete sich durch Tapferkeit und Uneigennützigkeit aus. Wegen seines kriegslustigen, martialischen Wesens wurde er von Aristophanes in den "Rittern" und im "Frieden" verspottet. 433 v. Chr. befreite er im Auftrag des Perikles Sinope von dem Tyrannen Timesilaos, befehligte auch 424 eine Flotte im Schwarzen Meer, unterzeichnete 421 den Frieden des Nikias mit und wurde 415 mit Alkibiades und Nikias als Feldherr für die Expedition nach Sizilien gewählt, wo er, nachdem sein verständiger Kriegsplan abgelehnt worden war, im Sommer 414 vor Syrakus fiel.

Lamaïsmus, die eigentümliche Form, welche der Buddhismus (s. d.) bei den Tibetern, Mongolen und Kalmücken angenommen hat, die deshalb Lamaiten oder Lamaisten heißen. Der L. hat seinen Namen von Lama (tibet. s. v. w. einer, der kei-^[folgende Seite]