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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lamas; Lamb; Lamb.; Lambach

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Lamas - Lambach.

verfehlten teils durch ihre süßliche Sentimentalität, teils durch ihre widerwärtige Ausmalung abstoßender Dinge ihren Zweck; am besten gelungen ist die Episode "Graziella", die er später besonders herausgab. Die "Histoire de la Restauration" (1852, 8 Bde.) ist schon ein finanzielles Unternehmen. L. war jetzt gezwungen, das, was Verschwendung und unglückliche Spekulation vergeudet hatten, durch den Ertrag seiner Feder möglichst wieder einzuholen. Allein trotz der erstaunlichsten Fruchtbarkeit in fabrikmäßiger Produktion (1850 erschien das dramatische Gedicht "Toussaint Louverture", aufgeführt in der Porte St.-Martin; 1851: "Geneviève, mémoires d'une servante"; 1852: "Graziella"; 1853: "Les visions", eine Art Geschichte der menschlichen Seele, und "Nouveau voyage en Orient", 2 Bde.; 1854: "Histoire des Constituantes", 4 Bde., und "Histoire de la Turquie", 6 Bde.; 1855-56: "Histoire de la Russie", 2 Bde.; 1856 endlich der von krasser Unwissenheit und Ungründlichkeit strotzende "Cours familier de littérature") vermochte er den Aufwand, welchen er trotz seiner bedrängten Lage einzuschränken nicht die moralische Kraft hatte, nicht entfernt zu decken. Die zu seinen gunsten veranstalteten Anrufungen der öffentlichen Wohlthätigkeit in Subskriptionen, Lotterien etc. hatten nicht den gehofften Erfolg; charakteristisch ist, daß er sich nicht scheute, dabei persönlich für sich einzutreten. Nun schrieb der Unermüdliche noch eine Reihe von Werken ("Christophe Colomb", 1863; "Jeanne d'Arc", 1863; "Cromwell", 1864; "Jacquard", 1864; "Mad. de Sévigné", 1864; "Shakespeare et son œuvre", 1864; "Vie de César", 1865; "Civilisateurs et conquérants", 1865; "J. J. Rousseau, son faux contrat social et le vrai contrat social", 1866; "Vie du Tasse", 1866; "Antoniella", 1867, u. a. m.), aber keins im Dienste der Musen, sondern alle als Jünger Merkurs. Erst 1867 schien sich sein Geschick zu wenden, indem ihm durch Gesetz die lebenslängliche Rente eines Kapitals von 500,000 Frank zugebilligt wurde; aber Aufregungen und Krankheit hatten sein Lebensmark aufgezehrt, und er starb schon 1. März 1869. Im Juli 1886 wurde ihm unter großen Feierlichkeiten in Passy eine Statue errichtet. L. hatte, nachdem seit 1840 mehrere Ausgaben seiner Werke gedruckt worden waren, nach dem Mißerfolg einer Subskription es selbst unternommen, seine "Œuvres complètes" herauszugeben (1860-1866, 41 Bde.), nachdem er schon früher seine "Œuvres choisies et épurées" (1849-50, 14 Bde.) veröffentlicht hatte. Nach seinem Tod erschienen noch: "Le manuscrit de ma mère" (1870); "Mémoires inédits 1790-1815" (1871); "Souvenirs et portraits" (1871, 2 Bde.); "Poésies inédites" (hrsg. von Madame Valentine de L., 3. Aufl. 1885); "Correspondance" (1873-75, 5 Bde.; 2. Aufl. 1882). Übersetzungen seiner Werke existieren in allen Sprachen; eine deutsche besorgten G. Herwegh, Diezel u. a. (Stuttg. 1839-1853, 30 Bde.). Vgl. Mazade, L., sa vie littéraire et politique (1872); Ollivier, L. (1874); Ronchaud, La politique de L., choix de discours et écrits politiques (1878, 2 Bde.); Alexandre, Souvenirs sur L. (1884).

Lamas, Stadt im Departement Loreto (Peru), 835 m ü. M., westlich vom Huallaga, ehemals Mittelpunkt der Jesuitenmissionen, mit (1876) 3135 Einw.

Lamb., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Aylmer Bourke Lambert, geb. 1761 zu Bath, starb als Vizepräsident der Linnéschen Gesellschaft in London, schrieb: "Description of the genus Cinchona" (Lond. 1797); "Description of the genus Pinus" (das. 1805, 3. Aufl. 1833; Appendix 1807); "Illustration of the genus Cinchona" (das. 1821).

Lamb (spr. lämm), 1) Charles, engl. Dichter, geb. 18. Febr. 1775 zu London, war 1792-1825 bei der Ostindischen Kompanie als Sekretär angestellt und starb 27. Dez. 1834 in Edmonton. Als Schriftsteller trat er zuerst im "London Magazine" (unter dem Namen Elia) mit "Essays" (gesammelt 1823 und 1833) auf, in denen er seine heitere Lebensphilosophie vortrug, und welche sich dem Besten anreihen, was die englische Litteratur in diesem Fach besitzt. Seine Gedichte sind meist lyrischen Inhalts, mehr tändelnd als begeistert, aber voll Zartheit und Anmut. Als Typus seiner Poesie kann das von Freiligrath übersetzte Gedicht "The old familiar faces" gelten. Allgemeinen Beifall fanden seine "Tale of Rosamond Grey" (1798) und die "Tales from Shakespeare" 1807, 2 Bde.), an welchen auch seine Schwester Mary Ann (geb. 1765, gest. 1847) Anteil hatte. In seinen "Specimens of English dramatic poets who lived about the time of Shakespeare" (Lond. 1808, 2 Bde.; zuletzt abgedruckt in Bohns "Antiquarian library", 1854) wies er auf die Einfachheit und Reinheit der Diktion der alten Dramatiker hin, die er selbst in seiner Tragödie "John Woodvil" (1801) anstrebte. Seine "Album verses" (Lond. 1830) enthalten Gelegenheitsgedichte. Lambs Werke wurden mehrfach herausgegeben, am vollständigsten von Fitzgerald (mit Biographie, 1886, 6 Bde.); in Auswahl von Ainger (1884), der auch die Biographie des Dichters (1882) schrieb. Vgl. Talfourd, Letters of Charles L. (1837, 2 Bde.); Derselbe, Final memorials of Charles L. (1848, 2 Bde.).

2) Caroline, Lady, engl. Schriftstellerin, geb. 13. Nov. 1785 als Tochter des Grafen von Besborough, erhielt eine vielseitige Ausbildung, machte bei ihrem Eintritt in die große Welt durch die Originalität und Anmut ihrer Persönlichkeit allgemeines Aussehen und vermählte sich 1805 mit William L., dem nachmaligen Lord Melbourne (s. d.). Als sie später Lord Byron nach der Rückkehr von seiner ersten Reise kennen lernte, trat sie zu demselben in ein intimes Verhältnis, das ihr Familienglück wie ihren Ruf und die Ruhe ihres Herzens vernichtete und nach drei Jahren jäh abgebrochen wurde. Bald darauf erschien ihr Roman "Glenarvon" (1816), ein Gemälde der Gefahren der feinen Welt, in dessen Hauptcharakter man eine treue Schilderung des Dichters erkennen wollte. Spätere Romane von ihr sind: "Graham Hamilton" und "Ada Reis" (1823). Der seltsame Zufall, daß Lady L. der Leiche Byrons begegnete, als dieselbe 1824 nach Newstead Abbey gebracht wurde, hatte für sie eine schwere Krankheit und zeitweise Geistesstörung zur Folge. Sie starb 25. Jan. 1828 in London.

Lambach, Marktflecken in der oberösterreich. Bezirkshauptmannschaft Wels, an der Traun und der Eisenbahn von Linz nach Salzburg, von welcher hier die Bahn nach Gmunden abzweigt, ist Sitz eines Bezirksgerichts und hat (1880) 1602 Einw. Auf einer Anhöhe liegt die 1056 gegründete prächtige Benediktinerabtei mit schönen Altarbildern von Sandrart, einer besonders an Inkunabeln und Manuskripten reichen Bibliothek, einem Archiv und einer sehenswerten Gemäldesammlung. L. gegenüber, auf dem rechten Ufer der Traun, liegt der Marktflecken Stadl mit der 1713-25 zu Ehren der heiligen Dreieinigkeit errichteten Paurakirche, einer mystischen Symbolisierung der Trinität (dreieckiges Gebäude mit 3 Türmen, 3 Altären etc.), einem Staats-^[folgende Seite]