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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Landkarten

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Landkarten (Atlanten, Vervielfältigungsmethoden).

Basierung der Verhältnisse von Strichdicke und Zwischenräumen auf das Dezimalsystem (Fig. 16). Die Neigungen des Bodens, welche unter 5° betragen, bleiben, wie bei Lehmann, unberücksichtigt; die Dicke der Striche wird, bei gleichbleibendem Abstand ihrer Mitte, für Böschungen von 10° auf das Doppelte, für Böschungen von 15° auf das Dreifache etc. erhöht, u. die volle Schwärze tritt erst bei 50° Neigung ein, also bei einem Grade der Steilheit, der nur noch bei felsentblößten Abhängen vorkommt. Für die Darstellung alpiner Gebiete hat neuerdings die vom Schweizer General Dufour bei der Bearbeitung der eidgenössischen topographischen Karte der Schweiz in 1:100,000 (der sogen. Dufourschen Karte) mit so durchschlagendem Erfolg wieder aufgegriffene u. zu neuem Leben erweckte schiefe Beleuchtung mehr u. mehr Raum gewonnen. Dufours Manier unterscheidet sich jedoch wesentlich von der ältern französischen dadurch, daß sie die Schraffenlage durchaus korrekt dem Lehmannschen Prinzip entsprechend verwendet und verstärkte Schattierungen, bei konsequenter Durchführung der Beleuchtung aus Nordwest, lediglich zur Erzielung einer erhöhten plastischen Wirkung benutzt. In Verbindung mit Isohypsen, durch welche der Gebirgszeichnung ein scharfer mathematischer Ausdruck verliehen würde, dürfte diese Darstellungsart für alpine Bergformen das denkbar Vollkommenste bieten.

Abstrahiert man von der Bergzeichnung und will doch auf hypsometrischen Karten (Schichtenkarten) eine zweckentsprechende Wirkung erzeugen, so muß man sich steigender Töne bedienen, entweder in einer Farbe oder, wenn man eine auffällige Übersicht des gleich hohen Terrains auf einer Karte erzielen will, in verschiedenen Farben, wobei mehrere Arten bezüglich der Skalenentwürfe in Anwendung kommen können. Der am allgemeinsten anwendbare Grundsatz (System Hauslab) lautet: "je höher, desto dunkler". Er hat für sich den allgemein gültigen Nullpunkt der Meeresfläche und die Verteilung der dunkelsten Töne auf den kleinen Raum der Hochgebirge, wodurch jede Störung der Leserlichkeit vermieden wird, die bei dem entgegengesetzten Prinzip (v. Sydow) im Tiefland eintreten kann. Für ozeanische Tiefen verwandelt sich das Gesetz in das unbestrittene: "je tiefer, desto dunkler". Mittelwege sind versucht worden durch die Verlegung der lichtern Töne in die Mittelstufen des Terrains oder der dunkelsten Töne in das Hochgebirge unter der Schneegrenze. Die Eigentümlichkeiten eines bestimmten Terrains und das Vorherrschen von Tiefland oder Hochland werden zulässige Ausnahmen gestatten. Aus Schichtenkarten lassen sich durch Ausschneiden und Aufeinanderkleben proportional dicker Kartons Schichtenreliefs bilden, die bei großem Maßstab, wenn die Schichten sehr zahlreich und niedrig sind, wirklichen Reliefs nahekommen. Im kleinen Maße sind Schichtenreliefs denen mit ausgefüllten Stufen sogar vorzuziehen, weil letztere den Schein natürlicher Bodenerhebung annehmen, aber nicht mehr, wie Reliefs großen Maßes, als Naturbilder gelten können, und weil sie die absolute und relative Höhe entnehmen lassen. Auf den eigentlichen Perspektivkarten (z. B. im Stil Delkeskamps) geht die Bergzeichnung in eine unter einem Sehwinkel von 45° projizierte landschaftliche Szenerie über, verliert den wissenschaftlichen Charakter und wird vorwiegend ein Werk der Kunst.

Atlanten. Vervielfältigungsmethoden.

Eine systematische Zusammenstellung von Karten gleichförmigen Formats nennt man einen Atlas. Ein fester Plan, dessen Prinzipien für alle Karten maßgebend sind, sollte jedem solchen Unternehmen zu Grunde liegen. Dieser Plan erstreckt sich 1) auf die Zahl der Karten, ihre Ordnung und ihr Format; 2) auf die Vollständigkeit, damit kein Berücksichtigung verdienendes Land unvertreten bleibt oder im Mißverhältnis zu andern ungenügend bearbeitet erscheint; 3) auf das Reduktionsverhältnis, insofern es des bequemen Vergleiches wegen erwünscht ist, wenn gewisse Folgen von Karten (z. B. die Karten der Erdteile, der europäischen Staaten etc.) in gleichgroßem Maßstab entworfen werden oder, wenn Ausnahmen stattfinden müssen, die verschiedenen Maßstäbe unter sich kommensurabel sind (z. B. 1:1 Mill., 1:2 Mill., 1:4 Mill. etc.); 4) auf den Karteninhalt, d. h. auf eine zum Raum verhältnismäßige, dem Hauptzweck des Atlas entsprechende Auswahl der Details, eine Hauptaufgabe des Kartographen, der bei dieser Gelegenheit seine geographischen Kenntnisse bestens verwerten und zeigen kann, dann eine den einzelnen Kartenfolgen thunlichst gleichförmige Bezeichnung der Objekte (Orte, Bahnen, Straßen etc.); 5) auf die kluge Benutzung disponibler Räume zu Illustrationen (Nebenkärtchen von Hauptstädten, Fabrikbezirken, Pässen etc.), wenn der Maßstab der Karten zu solchen oft sehr nötigen Darstellungen nicht ausreicht; 6) auf die möglichst gleichartige technische Ausführung. Als vorzügliche deutsche Handatlanten sind zu nennen: der von Kiepert (Berlin, D. Reimer, 45 Blatt), der Stielersche (Gotha, Perthes, 95 Karten) u. der neuerdings erschienene von R. Andree (Bielef. u. Leipz., in 30 doppelseitig bedruckten Blättern und mit einem Namenregister).

Die verschiedenen Arten der Vervielfältigung haben großen Einfluß auf die Eleganz der äußern Erscheinung der L. sowohl als auch auf die Schnelligkeit und Wohlfeilheit der Erzeugung. In ersterer Beziehung liefert der Kupferstich in Bezug auf Schärfe und Tiefe des Strichs sowie Weichheit und Feinheit der Ausführung unstreitig die schönsten Karten, durch galvanisch erzeugte Hilfsplatten unterstützt, auch in beliebiger Menge; Korrekturen sind nicht schwierig auszuführen, namentlich auf den Hochplatten, doch erfordern sie mehr Zeitaufwand und Kosten. Billiger produziert die Lithographie in Verbindung mit dem gegenwärtig hoch entwickelten Steindruck mittels Schnellpresse, welcher namentlich die weitestgehende Ausnutzung von farbigem Druck gestattet. Neuerdings hat auch erstere in Verbindung mit der Buchdruckpresse glänzende Erfolge erreicht, indem lithographisch gravierte Karten durch Überdruck auf Zink (Chemigraphie oder Zinkographie) in Hochdruckplatten verwandelt werden, um in der Buchdruckpresse zur Benutzung zu gelangen. Auch bei dieser Art der Vervielfältigung kann farbiger Druck in ausgedehntestem Maß zur Verwendung kommen, doch ist das Verfahren nur bei sehr großen Auflagen von Vorteil, da umfassendere Korrekturen stets eine Erneuerung der Druckplatten erforderlich machen. Der Stahlstich eignet sich für sehr große Auflagen von der Mutterplatte, wird aber, seit der Kupferstich sich die Galvanoplastik dienstbar gemacht hat, der Schwierigkeit der Plattenkorrekturen wegen kaum noch angewandt. Der Holzschnitt, im Beginn der Kartographie noch

^[Abb.: Fig. 1. Modifizierte Lehmannsche Skala.]