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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lanfranco; Lanfrey; Lang

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Lanfranco - Lang.

Lanfranco, Giovanni, ital. Maler, geb. 1581 zu Parma, studierte erst in Bologna bei Agostino Carracci, dann in Rom bei dessen Bruder Annibale. Von Rom, wo er im Auftrag des letztern im Palazzo Farnese gemalt hatte, wandte er sich nach Parma und Piacenza, wo er gleichfalls Werke hinterließ. Dann kehrte er nach Rom zurück. Hier verschaffte ihm sein wachsender Ruf zahlreiche Bestellungen. Das große Kuppelgemälde: die Himmelfahrt Maria mit der Engelsglorie fand besonders großen Beifall. Es stellt einen unermeßlichen Raum des Himmels dar und endigt mit einer Glorie, deren Licht sich von der Hauptfigur, dem ewigen Vater, aus ergießt. Hierauf mit Bestellungen überhäuft, malte L. viele Bilder in flüchtiger, hohler Manier. Nach Vollendung einer Mosaiktafel auf dem Altar della Navicella in der Peterskirche: Petrus, mit Christus auf dem Meer wandelnd, folgte L. einem Ruf der Jesuiten nach Neapel zur Ausmalung ihrer Kirche. Nach Rom zurückgekehrt, stand er bei den Päpsten Paul V. und Urban VIII. in hoher Gunst. Sein letztes Werk war die Ausschmückung der Kapelle San Carlo Catenari. Er starb 1647 bei Rom. L. war hauptsächlich Freskomaler; seine Ölgemälde sind unbedeutend, seine Wandbilder dagegen zeigen eine kühne Phantasie und eine glänzende Farbe, sind jedoch meist oberflächliche Improvisationen. Er bildet den Übergang von der Schule der Carracci zur Manier des Pietro da Cortona.

Lanfrey (spr. langfrä), Pierre, franz. Politiker und Geschichtschreiber, geb. 26. Okt. 1828 zu Chambéry in Savoyen als Sohn eines frühern Napoleonischen Offiziers, wurde erst im Jesuitenkolleg seiner Vaterstadt, dann im Lycée Bonaparte zu Paris erzogen, wo er auch die Rechte studierte. Doch wurde er nicht Advokat, sondern widmete sich historischen und philosophischen Studien und veröffentlichte 1855 sein erstes Werk: "L'Église et les philosophes du XVIII. siècle" (1855, 3. Aufl. 1879), 1858 einen "Essai sur la Révolution française", welche Schriften eindringende Sachkenntnis und scharfe, aber unparteiische Kritik bekundeten. Während er am "Temps", an der "Revue nationale" und andern Zeitschriften ein geschätzter Mitarbeiter war, schrieb er 1860 einen sozialen Roman in Briefform: "Les lettres d'Éverard" und 1864 "Études et portraits politiques" (1863, 3. Aufl. 1874); ferner erschienen von ihm: "Histoire politique des papes" (1860) und "Le rétablissement de la Pologne" (1863). Seinen litterarischen Ruhm begründete er aber durch die "Histoire de Napoléon I" (1867-75, 5 Bde., die bis 1811 reichen; Bd. 1, 8. Aufl. 1875; deutsch, 2. Aufl., Mind. 1884, 7 Bde.); unter Benutzung umfangreichen Materials, namentlich der eben vollendeten Publikation der Korrespondenz des Kaisers, zerstörte er mit rücksichtsloser Kritik die Napoleonische Legende und stellte Napoleon als das dar, was er wirklich war: als einen großen Feldherrn, aber grenzenlosen Egoisten. Während des Kriegs von 1870/71 war L. ein heftiger Gegner Gambettas und schlug deshalb auch eine Präfektur, welche ihm die Regierung anbot, aus. Durch die Wahlen vom 8. Febr. gelangte er in die Nationalversammlung, in der er zu den gemäßigten Republikanern zählte. Vom 9. Okt. 1871 bis 29. Nov. 1873 war er Gesandter Frankreichs in der Schweiz und machte sich hier bald sehr beliebt. 1875 wurde er zum Senator auf Lebenszeit erwählt, starb aber schon 16. Nov. 1877 in Pau. Seine "Œuvres complètes" erschienen 1879 ff. in 12 Bänden, seine "Correspondance" 1885 (2 Bde.).

Lang, 1) Karl Heinrich, Ritter von, Schriftsteller und Geschichtsforscher, geb. 7. Juli 1764 zu Balgheim im bayr. Regierungsbezirk Schwaben, studierte seit 1782 in Altdorf die Rechte, trat erst in fürstlich Wallersteinsche Dienste, wurde 1789 Privatsekretär bei dem württembergischen Gesandten in Wien, studierte darauf (1791-93) in Göttingen noch Geschichte und wurde von Hardenberg, in dessen besondern Dienst er trat, 1795 zum Geheimen Archivar auf der Plassenburg ernannt. Nachdem er 1797 als preußischer Legationssekretär dem Kongreß zu Rastatt beigewohnt, trat er 1799 als Kriegs- und Domänenrat in die Regierung von Ansbach ein, ward 1806 Direktor des provisorischen Kammerkollegiums und 1811 des Reichsarchivs in München, kehrte 1815 als Kreisdirektor nach Ansbach zurück, trat 1817 in den Ruhestand und starb 26. März 1835 auf seinem Landgut bei Ansbach. Seine bemerkenswertesten Schriften sind: "Historische Entwickelung der deutschen Steuerverfassung" (Berl. 1793); "Historische Prüfung des vermeintlichen Alters der deutschen Landstände" (Götting. 1796); "Neuere Geschichte des Fürstentums Baireuth" (das. 1798-1811, 3 Bde.); "Annalen des Fürstentums Ansbach unter der preußischen Regierung" (Frankf. 1806); "Bayrische Jahrbücher von 1179 bis 1294" (Augsb. 1816, 2. Aufl. 1824); "Adelsbuch des Königreichs Bayern" (Münch. 1816, 2. Aufl. 1820); "Geschichte der Jesuiten in Bayern" (Nürnb. 1819); "Geschichte Ludwigs des Bärtigen, Herzogs zu Ingolstadt" (das. 1821); "Regesta bavarica" (Münch. 1822-28, 4 Bde.); die humoristischen "Hammelburger Reisen in elf Fahrten" (das. 1818-33, neue Ausg. 1882) und die posthum erschienenen "Memoiren des Ritters von L." (Braunschweig 1841, 2 Bde.; neue Ausg., Münch. 1881), welche großes Aufsehen erregten, aber als Geschichtsquelle nur mit Vorsicht zu benutzen sind.

2) Ferdinand, Schauspieler, geb. 28. Mai 1810 zu München, wurde vom Hofschauspieler Urban für die Bühne vorbereitet und debütierte als Ägisth in Voltaires "Mérope" am Münchener Hoftheater, für das er als jugendlicher Liebhaber sofort engagiert wurde. Raimunds Gastspiel 1831 in München weckte seine Begabung für komische Rollen, und nachdem er noch 1832 am Wiener Burgtheater gastiert hatte, vollzog er 1834 als Staberl seinen Übergang ins komische Fach, das einen der berufensten Darsteller in L. erhielt. Gastspiele in Berlin (1838 u. 1853), Hamburg (1846), Würzburg und Zürich (1848) befestigten seinen Ruf. Auch an den 1854er Musterdarstellungen nahm L. teil; die ausgiebigste Thätigkeit aber eröffnete sich ihm, als 1870 das Gärtnerplatz-Theater auf Kosten des Königs übernommen und damit ein wirkliches Volkstheater geschaffen wurde. Er starb 30. Aug. 1882. L., dessen Humor Herz und Gemüt ergriff, war der beste Vertreter der süddeutschen Komik und der letzte der Damians und Staberls auf der deutschen Bühne. Vgl. Gadermann, Ferd. L., 50 Jahre eines Künstlerlebens (Münch. 1877).

3) Heinrich, einer der namhaftesten Führer des theologischen Liberalismus, geb. 14. Nov. 1826 zu Frommen bei Balingen in Württemberg, studierte seit 1844 in Tübingen Theologie unter Baur, ward 1848 zum Pfarrer von Wartau im Kanton St. Gallen erwählt, wirkte seit 1863 als Pfarrer in Meilen am Züricher See, seit 1871 an St. Peter zu Zürich, wo er 13. Jan. 1876 starb. Die 1859 von ihm begründeten und trefflich redigierten "Zeitstimmen für die reformierte Schweiz" haben die wissenschaftlichen Resultate der neuern Theologie in die Gemeinde ein-^[folgende Seite]