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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Languedoc - Languste.

Languedoc (spr. langh'dock), ehemalige Provinz Südfrankreichs, umfaßte die Mittelmeerküste von der Grenze von Roussillon bis zur Rhônemündung, aber auch ein bedeutendes Stück von Hochfrankreich, Landschaften am Oberlauf der Garonne und des Tarn, der Loire und des Allier, und hatte ein Areal von 45,800 qkm (832 QM.) mit den Hauptstädten Toulouse und Montpellier. Jetzt ist die Provinz in die Departements Ardèche, Aude, Gard, Obergaronne, Hérault, Oberloire, Lozère und Tarn geteilt. Der Name L. rührt daher, daß die Einwohner in ihrem Provinzialdialekt oc statt oui sagten, weshalb man auch die Sprache des übrigen Frankreich Langue d'oui (oder d'oïl) nannte. Vgl. Devic und Vaissete, Histoire générale de la province du L. (1730 bis 1745, 5 Bde.; neue Ausg., Toulouse 1873-86, 14 Bde.); Lenthéric, Les villes mortes du golfe de Lyon (3. Aufl., Par. 1876).

Languedockanal (Canal du Midi, auch Canal des deux mers genannt), einer der größten Kanäle Frankreichs, setzt vermittelst der Garonne das Mittelländische Meer in Verbindung mit dem Atlantischen Ozean. Er nimmt bei Toulouse seinen Ausgang aus der Garonne, geht über Castelnaudary und Carcassonne, berührt Béziers, tritt in den Strandsee von Thau und steht durch den Hafen von Cette mit dem Mittelländischen Meer in Verbindung. Seine Länge beträgt 242 km, seine Breite an der Oberfläche 20 m, seine Tiefe 2-2½ m; er hat 99 Schleusen und führt an 55 Stellen auf Arkaden über andre Gewässer. Er wird von mehreren Bächen und Flüßchen, dann von zwei Reservoirs, dem des Flüßchens Lampy und dem von St.-Ferréol, gespeist. Das erstere Reservoir faßt 1,672,000, das letztere, welches 66 Hektar Fläche hat, 6,374,000 cbm Wasser. Auf seinem ganzen Lauf wird der Kanal von einer doppelten Reihe prächtiger Bäume (Pappeln, Platanen und Cypressen) begleitet. Ein Hügel oberhalb Naurouse, der Einmündungsstelle der Reservoirs und des höchsten Punktes des Kanals auf der Wasserscheide der beiden Meere, trägt das Standbild des Erbauers des Kanals, P. Riquet. Der L. steht mit dem Kanal von Narbonne in Verbindung. Wie aber der Rhône und andre Gewässer durch das Monopol der großen Eisenbahngesellschaften ihren Wert für den Verkehr eingebüßt haben, so auch dieser wichtige Kanal, der um so mehr Bewunderung verdient, als er dem Ende des 17. Jahrh. angehört (1667-1681 erbaut). In den letzten 20 Jahren ist sein Verkehr um mehr als die Hälfte gesunken, und man hat schon daran gedacht, ihn einfach für Bewässerungen zu verwenden. Er ist an die Südbahn verpachtet.

Languedocsprite, s. Franzbranntwein.

Languedocweine, die in der franz. Provinz Languedoc erzeugten Weine, wachsen vorzüglich in der Gegend von Montpellier bis nahe an die spanische Grenze. Die vorzüglichsten Sorten sind Likörweine ersten Ranges: Muskat-Frontignan und Muskat-Lunel. Ersterer steht dem Rivesaltes am nächsten, ist sehr süß, hat viel Körper, einen merkwürdigen Obstgeschmack und mildes Parfüm. Er wird durch das Lagern besser und verträgt jeden Transport. Der Lunel steht ihm in allen Eigenschaften nach, ist aber im Ausland am meisten verbreitet. Auch werden im Languedoc Kalabrier, Malaga, Madeira, kurz alle möglichen Südweine gefertigt, und von Cette, dem Hauptsitz dieser Industrie, gehen jährlich enorme Quantitäten solcher Weine in den Handel. Außerdem liefert Languedoc Rotweine dritten Ranges (St.-Georges d'Orques, Cante Perdrix, Cornas, St.-Joseph etc.), welche feurig und geistreich, aber ohne Parfüm sind, vielfach unter dem Namen der Oberburgunder gehen und bei billigem Preis guten Absatz finden. Von den Weißweinen gehören St.-Peray (berühmter moussierender Wein) und St. Jean zu den Weinen zweiten Ranges.

Langue d'oïl (spr. langh doíl, Langue d'oui), s. Französische Sprache, S. 616.

Languente (spr. lan-gwénte, auch Languido, ital.), musikal. Bezeichnung: schmachtend, sehnsuchtsvoll.

Languet (spr. langgä), Hubert, polit. Schriftsteller, geb. 1518 zu Viteaux in Bourgogne, studierte zu Poitiers, begab sich sodann nach Italien, lernte hier 1547 Melanchthons "Loci communes" kennen, ward durch sie für den Protestantismus gewonnen und begab sich 1549 nach Wittenberg, um in Melanchthons Nähe zu leben. Nachdem er das nördliche Europa besucht, trat er 1559 in die Dienste des Kurfürsten August von Sachsen, für den er Gesandtschaften an die verschiedensten Höfe, namentlich wiederholt nach Frankreich, übernahm, und war 1568 auf dem Reichstag zu Speier zugegen. Während der Bartholomäusnacht 1572 befand er sich als Gesandter in Paris und rettete mehrere seiner Freunde. 1573-77 hielt er sich am kaiserlichen Hof in Wien auf. Später trat er in die Dienste des Prinzen von Oranien und starb 30. Sept. 1581 in Antwerpen. Sein namhaftestes Werk ist: "Vindiciae contra tyrannos, sive de principis in populum populique in principem legitima potestate" (Edinb. u. Basel 1579; franz. von Etienne, Par. 1581; deutsch von R. Treitzschke, Leipz. 1846), das er unter dem Namen Junius Brutus herausgab, und in welchem er das Recht, ja die Pflicht der Unterthanen zur Empörung gegen ungerechte Fürsten verteidigte. Briefe Languets haben herausgegeben Ludwig (Halle 1699, 2 Bde.), Elzevir (Leiden 1646), Camerarius (Groning. 1646). Seine Biographie schrieb Philibert de Lamare (Halle 1700). Vgl. Chevreul, Hubert L. (2. Aufl., Par. 1856); O. Scholz, Hubert L. als Berichterstatter und Gesandter in Frankreich 1560-72 (Halle 1875); Blasel, Hubert L. (Oppeln 1872).

Languette (franz., spr. langgétt, "Zünglein"), in der Stickerei Bogen oder Zacken; languettieren, mit Bogen oder Zacken verzieren.

Langue verte (franz., spr. langh wért, "grüne Sprache"), s. v. w. Rotwelsch, Jargon.

Languste (Palinurus Fab.), Krustaceengattung aus der Ordnung der Dekapoden, der Horde der Langschwänze (Macrura) und der Familie der Panzerkrebse (Loricata). Die gemeine L. (Palinurus vulgaris Latr.), 45 cm lang, 6-7,5 kg schwer, mit zwei starken Stacheln am Vorderrand des dicht bestachelten Kopfbruststücks, den Körper an Länge übertreffenden äußern Fühlern, dicken, stachligen Stielgliedern, sehr lang gestreckten Beinen und glattem Postabdomen, ist rötlichviolett, gelbfleckig, findet sich am häufigsten im Mittelmeer, auch an den West- und Südküsten von England und Irland und bewohnt an den Küsten felsigen, mit Seepflanzen bewachsenen Grund. Frisch gefangen, färbt sich der Panzer im direkten Sonnenlicht intensiv blau. Die Larvenform zeigt ein vollständig verschiedenes Ansehen, besitzt auch bei schon beträchtlicher Größe eine auffallend zarte, fast durchsichtige Körperbedeckung u. wurde bis vor kurzem als Blattkrebs (Phyllosoma Leach) beschrieben. Die Larve lebt auf hohem Meer; ihre Verwandlung ist deshalb bisher noch nicht beobachtet worden. Die L. läßt sich leichter als der Hummer in Parken ernähren und mästen, sie wird wie der Hummer gegessen, ihr Fleisch ist aber geschätzter; der Panzer wird beim Kochen rot.