Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

509

Langwälle - Lanner.

Langwälle, s. Befestigungswerke, ^[richtig: Befestigung,] prähistorische.

Langwaren, s. v. w. Schnittwaren, d. h. Waren, welche nach dem Metermaß (früher nach der Elle, daher Ellenwaren) verkauft werden.

Langwiede (Langwert), das lange Rundholz, welches das Vorder- und Hintergestell eines Rüstwagens verbindet.

Lanier (spr. lännj'r), Sidney, amerikan. Dichter, geb. 3. Febr. 1842 zu Macon in Georgia, diente während des amerikanischen Bürgerkriegs als gemeiner Soldat in der konföderierten Armee von Virginia, studierte späterhin Jurisprudenz und praktizierte drei Jahre als Advokat in seiner Geburtsstadt, siedelte darauf nach Baltimore über, wo er mehrere Winter im Orchester des Peabody-Instituts als erster Flötenspieler thätig war. Er starb 8. Sept. 1881 zu Lynn in Nordcarolina. Es erschienen von ihm: "Poems" (Philad. 1876), von denen das didaktische Gedicht "Corn" ihm einen Ehrenplatz unter den Dichtern der Neuzeit sichert; "The science of English verse" (New York 1880), ein auf gründlichen Studien beruhendes Werk; "Florida, its scenery, climate and history" (2. Aufl. 1881); "The English novel and the principle of its development" (1883) sowie eine Bearbeitung von Froissarts Chroniken.

Lanifērisch (lat.), wolletragend.

Lanista (lat.), Lehrmeister der Gladiatoren (s. d.).

Lanĭus, Würger; Laniidae (Würger), Familie der Sperlingsvögel (s. d.).

Lanjarōn (spr. -char-), Ort (Villa) in der span. Provinz Granada, am Südabhang der Sierra Nevada in den Alpujarras gelegen, hat Marmorbrüche, eisenhaltige Quellen von 30° C. und (1878) 4181 Einw. L. ist Badeort und beliebter Sommeraufenthalt der Bewohner von Granada.

Lanjuinais (spr. langschüinäh), 1) Jean Denis, Graf, franz. Staatsmann, geb. 12. März 1753 zu Rennes, wurde 1771 Advokat daselbst, 1775 Professor des Kirchenrechts an der dortigen Universität und erhielt, nachdem er 1789 als Deputierter des dritten Standes Mitglied der Nationalversammlung geworden war, 1790 den neuerrichteten Lehrstuhl des konstitutionellen Rechts daselbst. An den Beratungen der Nationalversammlung über die Verfassung, namentlich über das Verhältnis zwischen Staat und Kirche, nahm er als liberaler Jansenist hervorragenden Anteil und stellte den verhängnisvollen Antrag, daß kein Deputierter Minister sein dürfe. Als Mitglied des Konvents kämpfte er mit den Girondisten gegen die Anarchie und den Jakobinismus. Am 5. Nov. 1792 unterstützte er Louvet in der Anklage gegen Robespierre. Im Prozeß Ludwigs XVI. stimmte er für des Königs Verbannung. Im Juni 1793 als Girondist geächtet, entfloh er nach Rennes, wo er 18 Monate versteckt blieb, bis er nach dem Sturz der Schreckensherrschaft, 8. März 1795, wieder in den Konvent berufen wurde. 1795 wurde er von 73 Departements in den Rat der Alten gewählt. Nach dem 18. Brumaire trat er in den Gesetzgebenden Körper und 22. März 1800 in den Senat, wo er als Haupt der schwachen Opposition die autokratischen Bestrebungen Bonapartes bekämpfte. Dessen ungeachtet erhob ihn Napoleon I. 1803 zum Grafen. Am 1. April 1814 stimmte L. im Senat für die Absetzung des Kaisers und die Errichtung einer provisorischen Regierung. Während der ersten Restauration erhielt er von Ludwig XVIII. die Pairswürde und blieb ein Verfechter der konstitutionellen Rechte gegen die Reaktion und den klerikalen Fanatismus. Er starb 13. Jan. 1827. Seit 1808 war L. Mitglied des Instituts. Er hatte umfassende Kenntnisse auch auf dem Gebiet der Philologie, besonders der orientalischen Sprachen. Unter seinen publizistischen Schriften haben eine bleibende Bedeutung: "Appréciation du projet relatif aux trois concordats" (Par. 1817); "Constitutions de la nation française" (das. 1819, 2 Bde.) und "De l'organisation municipale en France" (das. 1821). Seine "Œuvres complètes" erschienen Paris 1832 in 4 Bänden. - L.' ältester Sohn, Paul Eugène, Graf von L., geb. 6. April 1789 zu Rennes, folgte dem Vater 1827 in der Pairskammer und starb 6. Mai 1872; dessen Sohn Paul Henri, Graf von L., geb. 24. Juli 1834, ist als Deputierter des Morbihan einer der eifrigsten Monarchisten und Gegner der Republik in der französischen Kammer.

2) Victor Ambroise de, franz. Staatsmann, jüngerer Sohn des vorigen, geb. 5. Nov. 1802, ward Advokat, 1830 Substitut des königlichen Staatsprokurators zu Paris und war 1837-38 Mitglied der Deputiertenkammer, wo er zur gemäßigten Opposition gehörte. 1845 übernahm er mit Tocqueville und Corelle den "Commerce". 1848 im Departement Unterloire zum Repräsentanten in der Konstituante gewählt, wie er auch später für das Seinedepartement Mitglied der Legislative ward, gehörte er der gemäßigten Rechten an, war vom 2. Juni bis 31. Okt. 1849 Handels- und Ackerbauminister, stimmte im Juli 1851 gegen die Verfassungsrevision, 17. Nov. für den Quästorenantrag, protestierte 2. Dez. mit etwa 50 Mitgliedern der Majorität gegen den Staatsstreich und wurde nach demselben auf kurze Zeit verhaftet. 1863 trat er als Deputierter seines alten Departements in den Gesetzgebenden Körper, in dem er zur Opposition gehörte, und starb 1. Jan. 1869 in Paris. Er schrieb außer nationalökonomischen Aufsätzen die Biographien seines Vaters (1832) und seines ältern Bruders (1848).

Lânka, Insel, s. v. w. Ceylon.

Lanke, die Seite eines menschlichen oder tierischen Körpers, Weiche, Lende; dann Seite überhaupt.

Lannemezan (spr. lann'mĕsāng), Dorf im franz. Departement Oberpyrenäen, Arrondissement Bagnères de Bigorre, auf dem Plateau von L., 610 m hoch, an der Südbahn gelegen, hat eine romanische Kirche, ein militärisches Übungslager mit Schießschule, Spuren einer Römerstraße und (1881) 1706 Einw., welche Maultierzucht betreiben.

Lanner, Joseph Franz Karl, Tanzkomponist, geb. 12. April 1801 zu Döbling bei Wien, zeigte schon in der Jugend ein hervorragendes musikalisches Talent und brachte es später aus der Violine zu großer Fertigkeit. Die Konzertsäle entsprachen wenig seinem Geschmack, und in richtiger Erkenntnis seiner Kraft wendete er sich der Tanzmusik zu, die er durch seine geniale Erfindungskraft veredelte und mit einem selbstgebildeten, nach und nach vergrößerten Orchester in meisterhafter Weise ausführte. Ein echtes Wiener Kind und eine dort allgemein beliebte Persönlichkeit, beschränkte er seine Thätigkeit auf das lebensfrohe Österreich, während sein Nebenbuhler Strauß auch ins Ausland längere Kunstreisen unternahm. Lanners Kompositionen, deren er über 200, meist Walzer, veröffentlichte, sind echte Erzeugnisse jener aus Grazie, Humor und Sentimentalität gemischten spezifisch wienerischen Musik und zeichnen sich nicht allein durch reiche melodiöse Erfindung, sondern auch durch interessante Harmonie und wirkungsvolle Instrumentierung aus. L. starb 14. April 1843 in Wien.