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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lannes; Lannion; Lanolin; Lanquart; Lansdowne

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Lannes - Lansdowne.

Lannes (spr. lann), 1) Jean L., Herzog von Montebello, franz. Marschall, geb. 11. April 1769 als Sohn eines Stallknechts zu Lectoure (Gers), war erst Färber, trat 1792 als Feldwebel in die Armee ein, erhielt bereits 1795 das Kommando eines Bataillons und erwarb sich 1796 in Italien den Rang eines Obersten. Durch Tapferkeit that er sich hervor beim Übergang über den Po und die Brücke von Lodi, im Gefecht bei Bassano und beim Sturm von Pavia, wo er zum Brigadegeneral ernannt wurde, und focht mit Auszeichnung bei der Belagerung von Mantua sowie in der Schlacht von Arcole. 1798 folgte er Bonaparte nach Ägypten. Bei den Ereignissen des 18. Brumaire leistete er Bonaparte wesentliche Dienste, folgte ihm 1800 nach Italien und schlug hier den Feind 9. Juni bei Montebello. 1801 ernannte ihn Bonaparte zum bevollmächtigten Minister in Lissabon und 1804 zum Marschall und zum Herzog von Montebello. Im Feldzug gegen Österreich (1805) erhielt L. den Befehl über die Vorhut der großen Armee und lieferte der russischen Armee 16. Okt. das Treffen bei Hollabrunn. Bei Austerlitz trug er an der Spitze des linken Flügels viel zum Sieg bei. 1806 befehligte er in der Schlacht bei Jena das Zentrum, schlug 26. Dez. die Russen bei Pultusk und wurde hier schwer verwundet. Im Mai 1807 übernahm er das Kommando über das Reservekorps und wohnte den Treffen bei Heilsberg und bei Friedland bei. Zum Generalobersten der Schweizer ernannt, begleitete er 1808 den Kaiser nach Spanien, wo er 22. Nov. den General Castaños bei Tudela schlug und darauf die berühmte Belagerung von Saragossa leitete. Im Feldzug von 1809 gegen Österreich befehligte er zwei Divisionen in dem Treffen bei Eggmühl und bei der Einnahme von Regensburg und zog nach zweitägiger Beschießung Wiens an der Spitze des Vortrabs 13. Mai daselbst ein. Bei Aspern befehligte er das Zentrum. Als er am zweiten Schlachttag, 22. Mai, die Linien durchritt, um den Soldaten Mut zuzusprechen, riß eine Kanonenkugel ihm beide Beine hinweg; er erlag dieser Verstümmelung 31. Mai in Wien. Seine Leiche wurde nach Straßburg gebracht, 1810 zu Paris im Panthéon beigesetzt und später auf dem Kirchhof Père-Lachaise beerdigt. In seinem Geburtsort Lectoure ist ihm eine Statue errichtet.

2) Napoléon Auguste L., Herzog von Montebello, Sohn des vorigen, geb. 30. Juli 1801, erhielt 1815 von Ludwig XVIII. die Pairswürde, trat nach der Revolution von 1830 in den Staatsdienst, ging als bevollmächtigter Minister nach Schweden und später in gleicher Eigenschaft nach der Schweiz. Am 1. April 1839 übernahm er provisorisch das Ministerium des Innern, trat es aber schon 12. April an den Marschall Soult ab. Darauf ging er als Gesandter nach Neapel, war später Marineminister im Guizotschen Kabinett und wurde 1849 vom Marnedepartement in die Legislative gewählt, wo er mit der Majorität stimmte. 1858-64 war er französischer Botschafter in Petersburg. 1864 wurde er zum Senator ernannt und starb 19. Juli 1874 in Paris.

3) Gustave Olivier L., Graf von Montebello, Bruder des vorigen, geb. 4. Dez. 1804, diente 1830 bis 1840 als Kavallerieoffizier in Algerien, nahm 1831 am polnischen Insurrektionskrieg teil, ward nach dem Staatsstreich 1851 französischer Brigadegeneral und Adjutant Napoleons, 1855 Divisionsgeneral und 1862, nachdem er schon 1861 eine außerordentliche Gesandtschaft an den Papst ausgeführt, Oberbefehlshaber der französischen Truppen in Rom. 1867 wurde er zum Senator ernannt, trat aber 1869 in den Ruhestand und starb 29. Aug. 1875 auf Schloß Blorreville bei Le Havre.

Lannion (spr. lanióng), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Côtes du Nord, am Unterlauf des Guer, welcher hier schon für Seeschiffe zugänglich ist, Kopfstation der Eisenbahn L.-Plouaret, hat eine ehemalige Tempelherrenkirche in der Vorstadt Brélévenez, (1886) 5426 Einw., welche Gerberei, Fabrikation von Leinwand, Hüten und Papier und Handel mit Getreide und Mehl, Vieh, Wein etc. betreiben, eine Mineralquelle, ein großes Spital, ein Tribunal, ein Kommunalcollège und eine Lehrerinnenbildungsanstalt. Im Hafen von L. sind 1884: 296 Handelsschiffe von 11,648 Ton. ausgelaufen.

Lanolin, von Liebreich aus Schafwollfett dargestellte und in den Arzneischatz eingeführte Substanz, besteht aus einer Verbindung von Cholesterin mit verschiedenen Fettsäuren, läßt sich mit sehr viel Wasser (110 Proz.), auch mit Fetten und Balsamen mischen, wird nicht wie die gewöhnlichen Fette (die Glyceride) ranzig, aber sehr viel leichter als diese durch die Haut resorbiert. Es eignet sich daher, und weil es durchaus nicht reizend wirkt, sehr gut zur Benutzung als Salbengrundlage, indem man ihm die verschiedenen Arzneistoffe beimischt. Meist benutzt man wasserhaltiges L. und nur in gewissen Fällen wasserfreies (Lanolinum anhydricum). Besonders wirksam zeigt sich die Anwendung von L., wenn eine Wirkung auf tiefer liegende Hautschichten erzielt werden soll, wie bei Psoriasis, schwieligen und verdickten Hautstellen, schorfender Flechte, Ekzemen etc. Man benutzt L. auch zu Pomaden, Cremes, Seifen und Schmiermaterial. Das L. des Handels enthält 27 bis 29 Proz. Wasser. Gutes L. soll nicht gelb sein, beim Kneten mit Wasser sein Gewicht etwa verdoppeln und beim Ausschmelzen mit 5 Teilen Wasser mindestens 70 Proz. eines bei 38-40° schmelzenden gelbbraunen Fettes liefern, während das Schmelzwasser beim Verdampfen nicht über 0,2 Proz. des Lanolins Rückstand hinterlassen darf.

Lanquart, s. Prätigau.

Lansdowne (spr. lännsdaun, Landsdowne), weite Ebene in der engl. Grafschaft Somerset, bei Bath, berühmt durch eine Schlacht 5. Juli 1643 zwischen den königlichen und den Parlamentstruppen.

Lansdowne (spr. lännsdaun, Landsdowne), 1) William Petty, Graf Shelburne, Marquis von, brit. Staatsmann, geb. 2. Mai 1737, erhielt nach des Vaters John Fitzmaurice Tod 1784 dessen Titel eines Grafen von Shelburne und trat, nachdem er mehrere Jahre an der Spitze der parlamentarischen Opposition gestanden, 1766 mit Chatham ins Ministerium. Nachdem er bei dessen Auflösung 1768 ebenfalls hatte zurücktreten müssen, zeigte er sich als heftigsten Gegner der ministeriellen Politik rücksichtlich der Maßregeln gegen die nordamerikanischen Kolonien, wurde 1782 Staatssekretär des Auswärtigen und begann sogleich die Friedensunterhandlungen mit den Vereinigten Staaten. Nach dem Tode des Marquis von Rockingham stand er bis 1783 an der Spitze des Kabinetts, wurde dann auf kurze Zeit durch das Koalitionsministerium Fox-North verdrängt, stürzte dasselbe im Dezember 1783 mit Pitt, trat aber nicht wieder in das Kabinett ein. 1784 zum Marquis von L. und Grafen von Wycombe erhoben, zog er sich bald darauf auf seine Güter zurück, wo er als Beschützer der Gelehrten und Künstler lebte und 7. Mai 1805 starb. Seine Bibliothek kaufte das Britische Museum. Vgl. Fitzmaurice, Life of William Marquis of L. (Lond. 1875-76, 3 Bde.).