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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: La Roche-Aymon; Laroche; Larochefoucauld

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Laroche - Larochefoucauld.

Laroche (spr. -rósch), 1) Marie Sophie, deutsche Schriftstellerin, geb. 6. Dez. 1731 zu Kaufbeuren als Tochter des gelehrten Arztes Gutermann, Edlen von Gutershofen, der später nach Augsburg übersiedelte, erhielt hier ihre wissenschaftliche Ausbildung, lebte sodann längere Zeit zu Biberach, erst im Haus ihres Großvaters, hierauf bei dem mit ihr verwandten Prediger Wieland, dem Vater des Dichters Wieland. Letzterer machte sie mit den besten Erzeugnissen der deutschen Litteratur bekannt und faßte eine schwärmerische Neigung zu ihr; doch löste sich das Verhältnis wieder, obwohl ein freundschaftlicher Verkehr zwischen beiden bis in ihr hohes Alter fortbestand. 1754 wurde sie die Gattin des damaligen mainzischen Hofrats Georg Michael Frank v. Lichtenfels, genannt L., der später als Geheimer Konferenzrat des Kurfürsten von Trier in Thal-Ehrenbreitstein bei Koblenz lebte, wo sein Haus der Sammelpunkt der ausgezeichnetsten Männer war. Als L. wegen der von ihm verfaßten "Briefe über das Mönchswesen" seinen Abschied erhalten hatte, lebten beide Gatten zurückgezogen anfangs zu Speier, dann zu Offenbach, wo L. 1789 und seine Gattin 18. Febr. 1807 starb. Letztere vereinigte in sich in seltener Weise körperliche wie geistige Vorzüge. Ihre Studien waren vornehmlich auf Geschichte, schöne Künste und Wissenschaften, Moral und Erziehungswissenschaft gerichtet. Namentlich gelangen ihr Romane und Familiengeschichten in Briefform oder in der durch Hermes in Deutschland eingeführten Richardsonschen Manier. Es fehlt ihnen zwar an Phantasie und wahrhaft poetischer Kraft, aber fast alle Charaktere in ihnen bekunden der Verfasserin ungemeine Kenntnis des Herzens. Von ihren Schriften fand den größten Beifall die von Wieland herausgegebene "Geschichte des Fräuleins v. Sternheim" (Leipz. 1771, 2 Bde.). Außerdem sind zu nennen: "Rosaliens Briefe" (Leipz. 1779); "Moralische Erzählungen" (das. 1782); "Schönes Bild der Resignation" (das. 1795) und "Melusinens Sommerlieder" (hrsg. von Wieland, Halle 1806). Vgl. Ludmilla Assing, Sophie v. L., die Freundin Wielands (Berl. 1859); Neumann-Strela, Sophia L. und Wieland (Weim. 1862); "Goethes Briefe an Sophie L. und Bettina Brentano" (hrsg. von Löper, Berl. 1879).

2) Karl, Ritter von, namhafter Schauspieler, geb. 14. Okt. 1794 zu Berlin, fand, nachdem er mehrfach bei der Secondaschen Gesellschaft in Dresden debütiert, Engagement beim Theater in Danzig, dann in Lemberg, Berlin, Königsberg und 1823 in Weimar. Von hier aus gastierte er zu Hannover, Hamburg, Berlin etc., allenthalben mit Beifall. 1833 erhielt er ein lebenslängliches Engagement am Hofburgtheater in Wien, dem er bis zu seinem am 11. März 1884 erfolgten Tod angehörte. 1873 war er unter Verleihung des Ordens der Eisernen Krone in den Ritterstand erhoben worden. L. wirkte in einem so vielfach verzweigten Repertoire wie vielleicht kein Schauspieler Deutschlands; als Franz Moor, Mephistopheles (getreu nach Goethes Intention), König Lear, Shylock und Klingsberg Vater, Cromwell und Bäcker Ehlers, Hofrat Wacker und Malvolio, stets zeigte er sich nach jeder Richtung hin seiner Aufgabe gewachsen. Natur war dasjenige, wonach L. in allen Darstellungen strebte, und wozu ihm die Mittel sowohl in Erfassung des Dichtergenius als im Verständnis der Charaktere und geistreichen Wiederbeleben des vom Dichter Gegebenen in hohem Grad zu Gebote standen. Vgl. Mautner, Karl L., Gedenkblätter (Wien 1873).

La Roche-Aymon (spr. rosch-ämóng), Antoine Charles Etienne Paul, Graf, franz. General, geb. 28. Febr. 1772, wanderte beim Ausbruch der Revolution mit seinem Vater, welcher Generalleutnant im französischen Heer war, aus und ward in das Condésche Korps aufgenommen. Nach dessen Auflösung trat er als Hauptmann und Adjutant des Prinzen Heinrich in preußische Dienste. 1806-1807 führte er die 2. Eskadron der berühmten schwarzen Husaren, worauf er bei der Reorganisation des preußischen Heers thätig war und namentlich das Reglement für den Dienst der leichten Truppen zu Fuß und zu Pferd ausarbeitete. 1810 erhielt er mit dem Rang eines Obersten die Inspektion der leichten Truppen in Westpreußen übertragen. Auch den Befreiungskrieg machte er in preußischen Diensten mit, trat indes nach der Restauration in französische Dienste über. Bereits 1814 zum Brigadegeneral ernannt, war er 1815 im Gefolge Ludwigs XVIII., als dieser nach Gent flüchtete. 1823 erhielt er den Befehl über eine Kavalleriebrigade in Katalonien übertragen, wurde später bei der Organisation des Heers verwandt und starb 1849. Er schrieb: "Introduction à l'étude de l'art de la guerre" (Weim. 1802-1804, 4 Bde.), von dem 1857 ein Auszug unter dem Titel: "Mémoires sur l'art de la guerre" in 5 Bänden erschien, und andres über den Militärdienst.

Larochefoucauld (spr. -rosch'fukoh), berühmtes, vielverzweigtes franz. Geschlecht, dessen Stammsitz die kleine Stadt La Rochefoucauld unweit Angoulême ist, und das Foucauld de Laroche (um 1020) als seinen Stammvater betrachtet. Ein Nachkomme desselben, François de Laroche, Kammerherr Ludwigs XII., hob 1494 König Franz I. aus der Taufe, weswegen seitdem der älteste der Familie stets den Namen Franz führt, und erhielt 1515 die Grafenwürde; starb 1517. Sein Sohn François de Laroche führte zuerst den Titel eines Prinzen von Marsillac. In den Religionskriegen standen seine Nachkommen auf seiten der Protestanten. François V., Herzog von L., geb. 5. Sept. 1588, ward 1622 zum Herzog und Pair ernannt, starb 8. Febr. 1650. Von den Gliedern des Geschlechts, welchem jetzt in drei Linien: die ältere Linie L., die der Herzöge von Estissac und die der Herzöge von Doudeauville, zerfällt, sind folgende bemerkenswert:

1) François VI., Herzog von, Sohn des genannten François V., franz. Schriftsteller, geb. 15. Dez. 1613, trat früh in die Armee, wurde in die Intrigen gegen Richelieu und Mazarin verwickelt und war der Geliebte der schönen Herzogin von Longueville, die ihn nach Mazarins Tod mit dem Hof aussöhnte. Nun spielte er wegen seiner brillanten Eigenschaften eine Hauptrolle in der feinen Gesellschaft und war der Liebling berühmter Frauen, der Frau v. Sablé, der Herzogin von Chevreuse, der Frau v. Sévigné und besonders der Frau v. Lafayette. Er starb 17. März 1680. Seine "Mémoires", die ein interessantes Bild seiner Zeit geben, erschienen zuerst Köln 1662 (am besten hrsg. von Renouard 1817 nach einem Originaltext). Am berühmtesten sind seine "Réflexions, ou Sentences et maximes morales", bekannt unter dem Titel: "Maximes". Diese in philosophische Form gekleideten, meist paradoxen Sätze, reich an boshaften Ausfällen gegen Einzelne wie gegen die Gesamtheit, sind ein Gesetzbuch des Egoismus und der Genußsucht, eine Verneinung jeder sittlichen Grundlage unter dem Mantel einer Scheinmoralität, alles aber in eleganter, geistreicher Sprache, in nüchternem, präzisem Stil; von den Franzosen mit Recht ein klas-^[folgende Seite]