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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Latént; Laténz; Laterāl; Laterān; Laterānsynoden; Laterieren; Laterīt; Laterna magĭca

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Latent - Laterna magica.

fand man Eisenschmieden der Vorzeit am Südhang der Saalburg, und in der Nähe des jetzigen Eisenberg in der Pfalz stieß man auf mächtige Eisenschlackenhaufen. Aus dem Gebiet des Mittelrheinlandes, von Dürkheim bis Mainz und Wiesbaden, waren ferner in den letzten Jahren zahlreiche Eisenluppen aus vorgeschichtlicher Zeit in Gestalt zweier lang gezogener, an den Basen zusammengefügter vierseitiger Pyramiden von 5-6 kg Gewicht bekannt geworden, die augenscheinlich in primitiven Schmelzöfen erzeugt waren, und da sich auf der Limburg bei Dürkheim eine solche Luppe mitten unter Gefäßresten aus obiger Kulturepoche vorfand und unmittelbar dabei 1880 ein Bronzetorques mit Resten einer roten Paste, die auch ein Charakteristikum der La Tène-Zeit ist, so hat man mit Grund geschlossen, daß die erwähnten Eisenluppen ebenfalls in die L. fallen und zur Herstellung der luxuriösen Eisenwaffen und massenhaften Eisenwerkzeuge verwandt wurden, welche in der vorrömischen Periode bei den Galliern in Gebrauch waren. Wie für diese Industrie in der Schweiz der Jura ein Zentrum bildete, so am Mittelrhein die Gegend von Eisenberg in der Pfalz. Vgl. Mehlis im "Kosmos" (Bd. 13); Tischler im "Korrespondenzblatt der Deutschen Gesellschaft für Anthropologie etc." (1881); Keller in "Pfahlbauten" (6. Bericht); Groß, La Tène, un oppidum helvète (1885).

Latént (lat.), verborgen, nicht zum Vorschein kommend (gebunden); latente Wärme, s. Wärme, Schmelzen und Verdampfen.

Laténz (lat.), das Verborgensein.

Laterāl (lat.), zu einer Seite gehörig, seitwärts gelegen; in Zusammensetzungen s. v. w. Seiten-, z. B. Lateralerben, Erben in der Seitenlinie; Lateralverwandte, Seitenverwandte.

Laterān, päpstlicher Palast in Rom, nach der vornehmen römischen Familie der Laterani benannt, denen derselbe bis zur Zeit Neros, welcher den letzten Besitzer dieser Familie hinrichten ließ, angehörte. Der lateranische Palast wurde kaiserliches Eigentum, später kam derselbe an Fausta, die Gemahlin Konstantins d. Gr., welcher ihn aber, nachdem er eine Kirche in ihm eingerichtet hatte, dem Bischof von Rom schenkte. Der L. wurde nun die Residenz der Päpste, bis diese nach Avignon übersiedelten. Als sie nach Rom zurückkehrten, fanden sie den Palast in Ruinen, und fortan wurde der Vatikan päpstliche Residenz. Erst Sixtus V. ließ den L. 1586 in seiner gegenwärtigen Gestalt durch D. Fontana aufbauen, indessen blieb er nicht lange Wohnung der Päpste, sondern wurde zuerst in ein Waisenspital, dann durch Gregor XVI. in ein ausgezeichnetes Skulpturenmuseum (jetzt mit 16 Sälen) umgewandelt, zu dem später noch eine Gemäldegalerie (10 Zimmer) und durch Papst Pius IX. ein Museo cristiano (mit Sarkophagen aus den Katakomben und alten Basiliken, Inschriften, Bildern etc.) gefügt wurde (vgl. Benndorf und Schöne, Die antiken Bildwerke des lateranensischen Museums, Leipz. 1867). Auf dem Platz vor dem Palast befindet sich die Kapelle mit der scala santa von 28 Marmorstufen, laut Tradition die Treppe vor dem Amtshaus des Pilatus in Jerusalem, über welche Christus den Leidensgang antrat, und die von den Gläubigen nur auf Knieen bestiegen wird; ferner seit 1588 der ursprünglich durch Thutmes III. (1597 bis 1560 v. Chr.) vor dem Sonnentempel in Theben, dann durch Kaiser Constantius 357 im Circus maximus errichtete Obelisk, der größte (32 m, mit Postament 47 m hoch) und älteste Roms. Seitlich schließt sich an den Palast die Laterankirche (San Giovanni in Laterano), die Kathedrale des Bischofs von Rom und "aller Kirchen der Stadt und des Erdkreises Mutter und Haupt". Von dem Balkon über ihrem Portal erteilte der Papst am Himmelfahrtstag dem Volk den Segen. Die jetzige Kirche ist auf den Mauern der von Sergius III. (904-911) an Stelle der eingestürzten Basilica lateranensis Konstantins erbaut; in ihr wurden seit 1123 regelmäßig die Kirchenversammlungen abgehalten (s. Lateransynoden), sie ist auch außerordentlich reich an seltenen Reliquien. Da seit Gregor XI. fast jeder Papst an dem Ausbau oder der Ausschmückung der Kirche thätig gewesen ist, so ist die Kirche heute eine Anhäufung von Bauteilen und Dekorationen aus weit auseinander liegenden Zeiträumen. Mit ihr steht eine Taufkapelle in Verbindung (San Giovanni in Fonte), deren Kuppel von acht herrlichen Porphyrsäulen getragen wird, das älteste Baptisterium Roms. Der L. genießt nach dem Garantiegesetz vom 13. Mai 1871 ebenso wie Vatikan und Castel Gandolfo das Privilegium der Exterritorialität.

Laterānsynoden (lateranische Konzile), die von Zeit zu Zeit in der lateranischen Basilika zu Rom gehaltenen Kirchenversammlungen, unter welchen fünf von der römischen Kirche als ökumenische Konzile betrachtet werden. Das erste, 1123 vom Papst Calixtus II. berufen, bestätigte das Wormser Konkordat in betreff der Investitur. Auf dem zweiten, 1139 von Innocenz II. berufenen wurden alle Handlungen des vorhergehenden Papstes, Anaklet II., für ungültig erklärt. Das dritte, 1179 vom Papst Alexander III. berufen, ordnete die Papstwahl. Das vierte, 1215 von Innocenz III. berufen, hat die Lehre von der Transsubstantiation festgestellt, die Albigenser verdammt und einen Aufruf zu einem neuen Kreuzzug ergehen lassen. Das fünfte hatte unter Julius II. (s. d.) und Leo X. (s. d.) 1512-17 statt.

Laterieren, s. Latus.

Laterīt (v. lat. later, Ziegel), ein stark eisenschüssiger, meist roter, zelliger Lehm, der als letztes Verwitterungsprodukt verschiedener Gesteine in den tropischen Gegenden Asiens, Afrikas und Südamerikas eine sehr weite Verbreitung besitzt.

Laterna magĭca (lat., Zauberlaterne), ein von Kircher ("Ars magna lucis et umbrae", 1646) erfundener Apparat, beruht auf der Eigenschaft der konvexen Linsen (s. d.), von einem um etwas mehr als die Brennweite entfernten Gegenstand jenseits ein vergrößertes Bild zu entwerfen, welches auf einem Schirm aufgefangen werden kann. Als Gegenstände für die L. m. dienen auf Glas ausgeführte durchscheinende Gemälde oder Photographien, welche von einer Lampenflamme hell beleuchtet werden. Die Einrichtung ist aus beistehender Figur ersichtlich, welche das Scioptikon (richtiger Skioptikon), eine neuere verbesserte Form der L. m., im Durchschnitt gesehen, darstellt. Das Bild wird entworfen durch die beiden in das Rohr f gefaßten achromatischen Linsen ab und cd, welche zusammen ähnlich, nur für den vorliegenden Zweck vollkommener wirken als eine einzige Linse. Das Objekt (Bild) wird bei r eingeschoben und durch den federnden Draht o festgehalten. Die Lichtquelle, bestehend aus zwei breiten, flachen Petroleumflammen V, befindet sich in einem vorn und hinten durch die Glasplatten GG verschlossenen und oben mit dem ausziehbaren Schlot J versehenen Brennerkasten; ihr Licht wird durch den Hohlspiegel H, der beim Gebrauch heruntergeklappt wird, nach vorn geworfen und durch die beiden plankonvexen Linsen pq auf dem Objekt konzentriert. Die L. m. dient nicht