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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Laterne - Latham.

bloß zur belustigenden Schaustellung von Phantasmagorien, Chromatropen (s. d.) etc., sondern in neuerer Zeit namentlich auch zur Darstellung erläuternder Zeichnungen bei belehrenden Vorträgen. Die Nebelbilder (dissolving views) werden hervorgebracht durch zwei nebeneinander gestellte Zauberlaternen (Nebelbilderapparat), von denen jede ein anderes Bild auf demselben Schirm entwerfen würde. Ist das Linsenrohr der einen L. m. verschlossen, so ist nur das Bild der andern sichtbar; wird nun durch einen einfachen Mechanismus die Mündung der ersten L. m. allmählich aufgedeckt und die der zweiten in demselben Maß verschlossen, so verschwindet das vorhandene Bild allmählich, während das neue langsam hervortritt, so daß sich das eine Bild in das andre zu verwandeln scheint. Zur Beleuchtung des Nebelbilderapparats wird häufig Drummondsches Kalklicht, auch elektrisches Licht angewendet. Litteratur s. bei "Projektionskunst".

^[Abb.: Scioptokon.]

Laterne, ein aus durchsichtigem oder durchscheinendem Material gebildetes Gehäuse, in welchem eine Kerze, Lampe oder Leuchtgas brennt. Man konstruiert Laternen aus Glastafeln in metallenem Gestell oder aus einer Glaskugel, die eine genügend weite Öffnung hat, um die Flamme bedienen zu können; auch benutzt man Laternengläser von linsenförmiger Gestalt, welche in der Mitte sehr stark sind, das Licht konzentrieren und nicht leicht zerbrechen. Statt der Glastafeln werden auch wohl Horn- oder Glimmertafeln benutzt. Die Gaslaternen zur Straßenbeleuchtung werden an der Innenseite des Deckels mit Barytweiß gestrichen, damit sie das Licht möglichst vollständig gegen den Erdboden zurückwerfen. Blendlaternen haben eine cylindrische Glaswand, die mit einem leicht auseinander zu klappenden Blechmantel umgeben ist. Illuminationslaternen bestehen aus mattem farbigen Glas oder aus geöltem Papier, welches bunt bemalt ist. Über Sicherheitslampen s. d. - Laternen waren schon im frühen Mittelalter im Gebrauch. Man setzte ein Licht, seltener eine kleine Öllampe in ein metallenes Gestell, dessen Seitenflächen durch dünn geschabte Hornplatten oder durch Glas- oder Kristallscheiben gebildet waren. Sie dienten ebensowohl zum Handgebrauch wie zum Aufhängen in Wohnräumen, Hausgängen und auf Schiffen als Signale. Hängelaternen aus Schmiedeeisen wurden im 16. Jahrh. Gegenstand künstlerischer Ausbildung und sind heute wieder (auch aus Bronze) sehr beliebt geworden.

Laterne, im Bauwesen der zum Zweck einer wirksamen Beleuchtung von oben angebrachte turmartige Aufsatz eines Gebäudes, besonders eines Kuppelbaues (s. Kuppel). Die L. ist entweder gemauert und dann mit zahlreichen Seitenöffnungen versehen, oder besteht aus einem mit zahlreichen Glasfenstern versehenen Holz- oder Eisengerippe. Sie ist meist rund und besteht aus einem aufrechten cylindrischen Teil, dem Tambour, und einem dem Stil des Gebäudes entsprechenden Dach. Bei Kuppelbauten werden Laternen nicht nur mit Vorliebe zur reichlichern Beleuchtung des Innenraums benutzt, sondern auch mit wirkungsvollen Gemälden ausgeschmückt.

Laterne des Aristoteles, s. Echinoideen.

Laterne des Diogenes, in Athen volkstümlicher Name für das choragische Denkmal des Lysikrates (s. Baukunst, S. 487, und Tafel IV, Fig. 8).

Laternengetriebe, Getriebe, bei welchen die Zähne aus runden Stöcken bestehen, die zwischen zwei Scheiben im Kreis eingesetzt sind; wird nur für Kleinmechanismen verwendet. Vgl. Getriebe.

Laternenträger (Leuchtzirpe, Fulgora L.), Gattung aus der Ordnung der Halbflügler und der Familie der Leuchtzirpen (Fulgorina), große, buntfarbige Bewohner der Tropen, deren Kopf mit großem, verschieden gestaltetem Stirnfortsatz versehen u. auf der Unterseite dreikielig ist; die Fühler sind ganz kurz mit kugelrundem Endglied und feiner Borste, die Flügel lederartig, die vordern schmäler und länger als die hintern. Von dem surinamischen L. (F. laternaria L.), 8 cm lang, mit dickem, blasig aufgetriebenem, zweibuckeligem Kopffortsatz, wurde irrtümlich behauptet, daß er des Nachts leuchte, und davon hat die Familie den Namen erhalten. Er ist hell grünlichgelb, schwarz geädert und weiß gesprenkelt, auf den Hinterflügeln mit einem schwarzen Augenfleck, am Hinterleib mit reichlichen weißen Ausschwitzungen, findet sich mehrfach in Südamerika und wird von den Indianern für giftig gehalten. Der chinesische L. (F. candelaria L.), mit langem, dünnem, kegelförmigem Kopffortsatz, ist am Körper mennigrot, etwas dunkler auf den schwarz bespitzten Hinterflügeln, spangrün mit gelben Zeichnungen auf den Vorderflügeln. Er findet sich in Ostindien und China. Eine kleine, 10 mm lange, grüne Art, mit durchsichtig grün geäderten Flügeln und kegelförmigem Kopffortsatz (Pseudophana europaea L., s. Tafel "Halbflügler"), lebt in Südeuropa, auch in Deutschland auf trocknen, besonders an Schafgarbe und Wucherblumen reichen Wiesen.

Latet anguis in herba (lat.), "die Schlange lauert im Gras", Citat aus Vergil, "Eklogen" (3, 93), sprichwörtlich gebraucht zur Bezeichnung einer verborgenen Gefahr.

Lath., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für John Latham, geb. 27. Juni 1740 zu Eltham; Arzt in London, gest. 4. Febr. 1837 in Romsey. "General history of birds" (1821-24, 10 Bde.).

Latham (spr. läthäm), Robert Gordon, engl. Linguist und Ethnolog, geb. 1812 zu Billingborough in der Grafschaft Lincoln, studierte zu Cambridge Medizin, wurde Assistenzarzt am Middlesexbospital, verweilte dann längere Zeit (1823-33) in Dänemark und Schweden und erhielt schließlich die Professur der englischen Sprache und Litteratur am University College zu London. Sein Ruf knüpft sich an seine eth-^[folgende Seite]