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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lauch

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Lauch.

Blättern, blattlosem, wie die Blätter in der Mitte bauchig aufgetriebenem Stengel, sehr großem, kugeligem Blütenstand ohne Brutzwiebeln und grünlichweißen Blüten, ist eine uralte Kulturpflanze, deren Heimat man nicht kennt, und wird in mehreren Varietäten mit runden, plattrunden oder birnförmigen Zwiebeln, besonders bei Frankenthal in Rheinbayern, Bamberg, Erfurt, kultiviert. Sie fordert milden oder sandigen Lehm in sonniger, warmer Lage, gedeiht am besten nach einer gut gedüngten Hackfrucht und verträgt eine Jauchendüngung. In den im Herbste tief gepflügten oder sorgfältig gegrabenen Boden säet man die Zwiebeln im April; walzt oder tritt die Oberfläche mit Tretbrettern fest und stellt die Pflänzchen später 10 cm, bei Steckzwiebelkultur 4-5 cm weit voneinander. Im August oder September wird geerntet; die kleinen Zwiebeln (Steckzwiebeln) legt man im nächsten Frühjahr 4 cm tief und 15 cm weit voneinander, worauf sie sich schnell vergrößern, aber früh geerntet werden müssen, damit sie nicht in Samen schießen. Zur Samenzucht bringt man die Zwiebeln im März in ein ganz flaches, stark gedüngtes Beet und stellt sie 30-45 cm weit voneinander. Der Same bleibt drei Jahre keimfähig. Die Zwiebeln werden in Süd- und Osteuropa roh oder geröstet wie Obst oder Gemüse gegessen, bei uns fast nur als Küchengewürz benutzt. Sie enthalten ein schwefelhaltiges ätherisches Öl und wirken dadurch reizend auf den Magen, erzeugen aber übelriechenden Atem und ähnliche Ausdünstung. Die Winterzwiebel (Röhrenlauch, Schlottenzwiebel, Schnittzwiebel, ewige Zwiebel, Jakobs-, Johannislauch, A. fistulosum L.), perennierend, mit mehreren kleinen, länglichen, nebeneinander stehenden Zwiebeln, sonst der vorigen ähnlich, stammt aus Sibirien, vom Altai und Baikalsee und wird bei uns vielfach kultiviert. Sie gedeiht in mürbem Boden von einiger Kraft, wird durch Zwiebelbrut fortgepflanzt und bleibt über Winter stehen. Man benutzt vielfach nur die Blätter als Küchengewürz, auch zum Füttern junger Truthühner und läßt die Zwiebeln dann mehrere Jahre an derselben Stelle. Die Zwiebeln schmecken milder als die Hauszwiebeln. Die Schalotte (Eschlauch, askalonische Zwiebel, A. ascalonicum L.), mit mittelgroßen, schief-eiförmigen, büschelig gehäuften Zwiebeln, pfriemenförmigen, meist aufgeblasenen Blättern, kugeligem Blütenstand, zuweilen mit Brutzwiebeln, bei uns selten erscheinenden hellvioletten Blüten, ist perennierend und wird, da bei uns der Same nie reift, durch Zwiebeln fortgepflanzt. Sie verlangt einen sandigen Boden in geschützter, warmer Lage. Man steckt kleine Zwiebeln im Oktober 15 cm weit voneinander, bedeckt das Beet über Winter mit Pferde- oder Stallmist und hält den Boden im Sommer unkrautrein und locker. Die Zwiebeln schmecken milder und feiner als die gewöhnliche Zwiebel und werden als feineres Küchengewürz benutzt. Um sie ein Jahr lang zu erhalten, dörrt man sie über dem Ofen. Sie stammt aus Kleinasien, Syrien, Palästina, kam durch Kreuzfahrer nach Europa und soll nach der Stadt Askalon, wo sie früher gebaut wurde, benannt sein. Der Schnittlauch (Gras-, Hohl-, Suppen-, Jakobs-, Johannis-, Breislauch, A. schoenoprasum L.), mit kleinen, weißen, länglichen, in Büscheln beisammenstehenden Zwiebeln, dünnen, hohlen, nicht aufgeblasenen Blättern, welche einen Rasen bilden, und wenig höhern Blütenschäften mit rotvioletten Blümchen in kugeligem Blütenstand ohne Brutzwiebeln, wächst auf Gebirgswiesen in Europa, Mittelasien, Nordamerika und wird vielfach in Gärten kultiviert. Er gedeiht am besten in leichtem, warmem Erdreich und wird durch Zerteilung der Stöcke, welche man alle zwei Jahre vornimmt, fortgepflanzt. Nur die Blätter werden benutzt. Der Porree (Borree, Winterporree, Welschzwiebel, gemeiner L., spanischer L., Aschlauch, Fleischlauch, A. Porrum L.), mit einfacher, weißer, rundlicher Zwiebel, welche nach außen kleine Zwiebeln ansetzt, flachen, gekielten, länglich-lanzettlichen Blättern, vielblätteriger, langgeschnäbelter Hülle, welche länger ist als der große, kugelige, vielblütige Blütenstand, hellpurpurnen Blüten und eirunden Kapseln. Man säet ihn im Frühjahr, verpflanzt ihn um Johannis 24 cm weit voneinander und schlägt ihn im Winter im Garten recht tief ein, damit die Blätter bleichen, oder läßt ihn im Land stehen und bedeckt ihn mit Stroh. Die Samenzucht geschieht wie bei der Hauszwiebel. Man benutzt ihn als Gemüse und Küchengewürz. Der Porree ist vielleicht nur eine Kulturform von A. ampeloprasum L., welche Art als Sommerporree kultiviert wird. Sie gleicht dem Porree sehr, trägt rote Blüten, hat rot angelaufene Stengel und entwickelt weit stumpfere Kapseln. Sie schmeckt pikanter und ist besonders im Orient geschätzt. Man thut gut, die Zwiebeln im Herbst aus dem Land zu nehmen. Der Knoblauch (A. sativum L.), mit kugeliger, häutiger, aus mehreren kleinen, länglichen Zwiebeln (Zehen) zusammengesetzter Zwiebel, 60-90 cm hohem, stielrundem Stengel, breit-linealen, flachen, etwas rinnigen Blättern, langgeschnäbelter, hinfälliger Scheide und einer Blütendolde, in welcher zwischen zahlreichen Zwiebelchen wenige weißlich rosenrote Blüten stehen, die keinen Samen entwickeln, ist perennierend, stammt aus dem Orient, kommt bei uns verwildert vor und wird in sandigem Boden von alter Kraft in warmer Lage kultiviert. Man steckt die Zehen im Herbst oder März 20 cm weit voneinander und erntet sie im August, erhält aber viel größere Zwiebeln, wenn man die Pflanze zweijährig werden läßt. Die Zwiebelchen der Blütendolde brauchen ein Jahr mehr zur Entwickelung. Der Knoblauch wird als Würze für Saucen und Fleischspeisen besonders von Juden, Russen und Türken benutzt und erzeugt widerwärtige, lang anhaltende Ausdünstung. Man braucht ihn außerdem in Abkochung zu Klistieren, um die Askariden zu vertreiben, früher auch als Arzneimittel und zur Zeitigung von Geschwüren. Das ätherische Öl des Knoblauchs ist im wesentlichen Schwefelallyl. Eine Varietät des Knoblauchs ist der feinere spanische L., mit dickern, stumpfen Zehen, und der Schlangenlauch (Var. Ophioscorodon Don.), mit rundlich-eiförmigen, bis fast kugeligen Nebenzwiebeln und unter dem Blütenstand meist ringförmig umgebogenem Stengel. Diese Varietät liefert die Perlzwiebeln oder Bockenbollen (Rocambole), welche immer nur durch Zwiebelbrut fortgepflanzt werden können; man steckt sie im September und erhält im Frühjahr Blätter und um Johannis die kleinen, weißen, glatten Zwiebeln. A. scorodoprasum L., mit einfacher, braunschaliger Zwiebel, welche bei der Entwickelung zum Stengel seitlich eine neue Zwiebel erzeugt, weit kürzern, flachen, am Rand scharfen Blättern, plötzlich kurz zugespitzter, selten stumpfer Hülle, die kürzer ist als der kugelige Blütenstand, in welchem zwischen rotbraunen Zwiebelchen einige tief purpurrote, unfruchtbare Blüten stehen. Er findet sich bei uns überall und wird wie Knoblauch kultiviert und benutzt. Die Zwiebelgewächse enthalten: