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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Lauckhard - Lauderdale.

weimarische Hof unter Karl August, begleitet von der weimarischen Schauspielergesellschaft, öfters seinen Sommeraufenthalt daselbst nahm. Vgl. Nasemann, Bad L. (Halle 1885).

Lauckhard, Karl Friedrich, namhafter Schulmann, geb. 8. April 1813 zu Alzey in Rheinhessen, widmete sich nach beendeten theologischen und pädagogischen Studien dem Lehrerberuf, wurde nach Bekleidung mehrerer Schulämter 1847 Lehrer an der Stadtschule und Hilfsprediger in Darmstadt, 1855 Schulrat und vortragender Rat im Staatsministerium zu Weimar; starb 16. April 1876. Er schrieb außer zahlreichen geschätzten Schul- und Unterrichtsbüchern u. Jugendschriften: "Tagebuch eines Lehrers" (Darmst. 1843); "Blätter aus dem Tagebuch eines Lehrers" (das. 1846); "Über die Erziehung in der Schule" (das. 1855); "Katechismus der Erziehung und des Unterrichts" (Leipz. 1856, 2. Aufl. 1874); "Pädagogisches Skizzenbuch" (Bresl. 1864; 2. Aufl., Leipz. 1871); "Die Welt in Bildern. Orbis pictus" (5. Aufl., das. 1883, 3 Bde.); "Bilder aus dem Schulleben" (Wien 1874-75, 2 Tle.) u. a.

Laud (spr. lahd), William, Erzbischof von Canterbury, geb. 7. Okt. 1573 zu Reading in Berkshire, studierte zu Oxford, wurde 1601 zum Geistlichen geweiht und bekundete sich früh als Gegner der Puritaner und Presbyterianer, dagegen als Vertreter des kirchlichen und staatlichen Absolutismus, des starrsten Hochkirchentums. Er errang bald die Gunst Jakobs I., der denselben Anschauungen huldigte und ihm 1621 das Bistum St. Davids übertrug. Karl I. ernannte ihn 1628 zum Bischof von London, 1633 zum Erzbischof von Canterbury und bediente sich seiner während der elf Jahre, in denen er ohne Parlament regierte, als Minister in Kirchensachen. In dieser Stellung betrieb L. namentlich eine rituelle Restauration ganz im Geiste der katholischen Kirche und versuchte seine Liturgie auch den Schotten aufzudrängen, was den Aufstand derselben 1639 veranlaßte. Als Mitglied der berüchtigten Sternkammer setzte er die Beschränkung der Presse und die Einrichtung eines von ihm geleiteten Zensurkollegiums durch, dem die aus dem Ausland eingeführten Bücher vorgelegt werden mußten. Als das 1640 berufene Parlament wieder aufgelöst worden war, tagte die Konvokation der Bischöfe unter Lauds Vorsitz gegen alles Herkommen weiter und beschloß 29. Mai 17 Kanones, welche die unumschränkte Gewalt des Königs als in Gottes Wort und im Naturrecht begründet erklärten und das Hochkirchentum als einzig wahre Form der Kirche gesetzlich feststellten. Dies gab zum Ausbruch eines Volksaufstandes den Anlaß, und als das Parlament im November 1640 wieder zusammentrat, ward L. vor dem Oberhaus als Hochverräter angeklagt, 1. März 1641 in den Tower gebracht und, als seine Verurteilung durch das Oberhaus zweifelhaft wurde, vermittelst einer Bill of attainder ohne Rücksicht auf königliche Bestätigung als Hochverräter zum Tod verurteilt und 10. Jan. 1645 auf Towerhill enthauptet. Große Verdienste erwarb sich L. um die Bibliothek der Universität zu Oxford. Unter seinen Schriften ist das von Wharton (Lond. 1695) herausgegebene "Tagebuch" für die Geschichte jener Zeit von Bedeutung. Seine gesammelten theologischen Werke erschienen Oxford 1849-1853 in 6 Bdn. Vgl. Baines, Life of the archbishop L. (Lond. 1855); Hook, Lives of the archbishops of Canterbury, Bd. 11 (das. 1875).

Lauda (ital.), in Italien der zum Schluß der Vesper gesungene "Lobgesang".

Lauda, Stadt im bad. Kreis Mosbach, an der Tauber, Knotenpunkt der Linien Heidelberg-Würzburg, L.-Wertheim und L.-Mergentheim der Badischen Staatsbahn, hat Weinbau, eine Eisenbahnreparaturwerkstätte, Getreidehandel und (1885) 1655 meist kath. Einwohner.

Laudabel (lat.), löblich; Laudazismus, Lobhudelei; Laudamentum, Handgelöbnis.

Laudanum (lat.), bei den Ärzten des Mittelalters jedes Beruhigungsmittel (insbesondere aus Opium) sowie jede Zubereitung, worin sie das Wirksame einer Substanz verwirklicht glaubten. Von denselben hat sich bis auf unsre Zeit nur das L. Sydenhams (L. liquidum Sydenhami) erhalten, ein weiniger Auszug von Opium und Safran mit Nelken und Zimt (als Tinctura opii crocata offizinell).

Lauda Sion Salvatorem (lat., "Lobe, Zion, den Erlöser!"), ein am Fronleichnamsfest üblicher katholischer Kirchengesang, von Thomas von Aquino (1269), mit einer erhabenen Melodie. S. Sequenz.

Laudatio auctoris (lat.), in der Gerichtssprache die Benennung des Gewährleisters (s. Auctoris nominatio).

Laudator temporis acti (lat., "Lobredner der vergangenen Zeit"), Citat aus Horaz' "Ars poetica" (V. 173).

Laudemium (lat., Lehngeld, Lehnware, v. lat. laus in dem Sinn von Zustimmung), im röm. Rechte die Abgabe, die dem Gutsherrn bei Veräußerung der sogen. Emphyteusis (s. d.) bezahlt wurde; im deutschen Rechte die ähnliche Abgabe, die im Lehnsverband dem Lehnsherrn für die erteilte oder erneuerte Investitur entrichtet zu werden pflegte und dann auch auf Veräußerungen bäuerlicher Grundstücke übertragen, aber in neuerer Zeit durch Ablösung beseitigt wurde.

Lauderdale (spr. lahderdel), 1) John Maitland, Graf von, aus einer alten, seit dem 13. Jahrh. in Schottland ansässigen Familie, geb. 1616, gehörte im Anfang des Bürgerkriegs zu den Covenanters, schloß sich aber 1648 den Realisten an und ging nach der Schlacht von Preston mit Karl II. auf den Kontinent. In der Schlacht von Worcester wurde er 1651 gefangen genommen, nach der Restauration der Stuarts aber freigelassen und 1672 zum Herzog von L. erhoben. Als Staatssekretär für Schottland gehörte er zu den einflußreichsten Mitgliedern des berüchtigten Cabalministeriums und behauptete sich auch gegen eine vom Parlament 1674 wider ihn beabsichtigte Anklage. In Schottland machte er sich durch seine absolutistischen Grundsätze allgemein verhaßt; er starb 24. Aug. 1682. W. Scott hat ihn in "Old mortality" geschildert.

2) James Maitland, achter Graf von, brit. Staatsmann, geb. 26. Jan. 1759, studierte zu Glasgow, trat unter dem Namen Lord Maitland schon 1778 ins Parlament und wurde, nachdem er 1789 den Titel seines Vaters ererbt, als schottischer Repräsentativ-Peer ins Oberhaus gewählt. Als sein Freund Fox 1806 ins Ministerium kam, wurde L. Peer von Großbritannien, Mitglied des Geheimen Rats und Großsiegelbewahrer von Schottland, welche Ämter er jedoch bei der Veränderung des Ministeriums wieder verlor. Im J. 1806 nahm er an den vergeblichen Friedensverhandlungen mit Napoleon I. teil, welche Fox angeknüpft hatte. Später kam er immer mehr von seinen liberalen Ansichten zurück, bekämpfte mit Leidenschaft die Parlamentsreform und war das Haupt der schottischen Hochtories. Er starb 13. Sept. 1839 auf seinem Stammschloß Thirle-^[folgende Seite]