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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lebíd; Lebkuchen; Leblancscher Prozeß; Leboeuf; Lebrija; Lebrun

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Lebíd - Lebrun.

trunken, den übeln Nachgeschmack beseitigen. Technisch benutzt man L. in der Gerberei. L. aus der Leber verschiedener Rochen und der Quappe hat geringere Bedeutung.

Lebíd, Abu'Okail L. ben Rabî'ah, berühmter arab. Dichter, geb. 575, war erst ein leidenschaftlicher Gegner, dann ein eifriger Anhänger Mohammeds; starb 662. Seine "Moallaka" wurde einzeln arabisch und französisch von de Sacy in "Calila et Dimna, ou fables de Bidpai, sulvies de la Moallaka de L." (Par. 1816), arabisch, deutsch und lateinisch von Peiper (Bresl. 1828), arabisch und schwedisch von Billberg (Lund 1826) herausgegeben.

Lebkuchen, s. Pfefferkuchen.

Leblancscher Prozeß, s. Soda.

Leboeuf (spr. löböff), Edmond, Marschall von Frankreich, geb. 6. Dez. 1809 zu Paris, erhielt seine Ausbildung auf der polytechnischen Schule, trat 1832 in die Artillerie ein, diente mit großer Auszeichnung 1837-41 in Algerien, ward 1848 zweiter Kommandant der polytechnischen Schule und ging 1854 als Oberst und Artilleriestabschef nach der Krim, wo er sich in der Schlacht an der Alma wie beim Artillerieangriff auf Sebastopol, welchen er, seit November 1854 Brigadegeneral, zum Teil leitete, hervorthat. Nach Beendigung des Krimfeldzugs ward er nach Kinburn gesandt und führte dort bis 1856 den Oberbefehl. Hierauf erhielt er das Kommando der Gardeartillerie, ward 1857 Divisionsgeneral und nahm 1859 hervorragenden Anteil am Krieg in Oberitalien. Im Januar 1869 ward er Kommandeur des 6. Armeekorps in Toulouse und 21. Aug. d. J. an Niels Stelle Kriegsminister. L. war ein tapferer Soldat und ausgezeichneter Artilleriegeneral, aber durchaus unfähig, eine große Administration zu leiten. Auch fehlten ihm Urteil und Kenntnis über Frankreichs Wehrkraft im Verhältnis zur Wehrkraft Deutschlands. L. glaubte, es sei alles in der schönsten Ordnung, und versicherte dem Kaiser vor versammeltem Ministerkonseil, Frankreich sei "archipret" ("erzbereit") zum Krieg. Napoleon III. setzte ein so hohes Vertrauen in seine Fähigkeiten, daß er ihn 24. März 1870 zum Marschall und beim Ausbruch des Kriegs auch zu seinem Generalstabschef (major général) ernannte. Leboeufs Offensivoperationsplan zeigte sich infolge der mangelhaften Kriegsbereitschaft der Armee sofort als unausführbar. Nach den Niederlagen vom 6. Aug. trat L. unter dem moralischen Druck der allgemeinen Entrüstung über seine Unfähigkeit 12. Aug. mit dem Kaiser von seinem Posten zurück und übernahm dafür an Stelle Bazaines das Kommando des 3. Korps, welches er vortrefflich führte. Er nahm hervorragenden Anteil an den Schlachten von Vionville, Gravelotte und Noisseville, wo er vergeblich den Tod suchte. Mit der Rheinarmee fiel er 29. Okt. 1870 in deutsche Gefangenschaft. Ende 1871 nach Frankreich zurückgekehrt, war er ehrlich genug, vor der betreffenden Untersuchungskommission seine verhängnisvollen Irrtümer offen einzugestehen, und zog sich hierauf gänzlich vom öffentlichen Leben zurück.

Lebrija (spr. -īcha), Bezirksstadt in der span. Provinz Sevilla, an der Eisenbahn von Sevilla nach Cadiz, hat Schloßruinen, eine schöne Kirche, (1878) 12,864 Einw., welche Handel mit Getreide, Wein, Öl und Vieh betreiben. L. ist das römische Nabrissa.

Lebrun (spr. löbröng), 1) Charles, franz. Maler, geb. 24. Febr. 1619 zu Paris als Sohn eines Bildhauers, wandte sich früh der Malerei zu und studierte in, Fontainebleau die italienischen Meister, so daß er bereits im 15. Jahr für den Kardinal Richelieu Arbeiten ausführen konnte. Der Kanzler Séguier ermöglichte ihm den Aufenthalt in Rom, wo L. 1642 eintraf und bei Poussin arbeitete, daneben die Antike und die alten Meister studierend. 1646 nach Frankreich zurückgekehrt, schuf er eine Menge Bilder und stieg rasch von einer Ehrenstelle zur andern. Er half die Akademie mit gründen, wurde Professor, Kanzler und 1683 Direktor derselben. Colbert ernannte ihn 1660 zum Direktor der Gobelinsmanufaktur, und im gleichen Jahr bestellte Ludwig XIV. bei ihm die Alexanderschlachten (im Louvre), die G. Audran gestochen hat. 1662 ernannte ihn der König zu seinem ersten Hofmaler, adelte ihn und übertrug ihm die Aufsicht über seine Bilder- und Handzeichnungensammlung. Damals war L. auch für die Ausschmückung der Apollo-Galerie im Louvre thätig. 1668 begleitete er Ludwig XIV. ins Feld und leitete dann die Arbeiten für das Schloß von St.-Germain. Unermüdlich thätig, malte er das Schloß von Sceaux aus, machte die Zeichnungen für die Fontänen und Statuen des Parks, schmückte das Treppenhaus von Versailles und begann 1679 die Bemalung und Dekoration der großen Galerie von Versailles mit den Thaten Ludwigs XIV. Er starb 12. Febr. 1690 in Paris. Eine große Anzahl von Gemälden von ihm findet sich noch im Louvre; sie zeichnen sich alle durch reiche Erfindungsgabe und leichte Behandlung im Sinn der gleichzeitigen italienischen Maler aus, leiden jedoch durch das Streben nach äußerlichem Prunk, durch oberflächliche Zeichnung und ein unwahres Kolorit. Er übte eine despotische Herrschaft über die gleichzeitige französische Kunst aus. Man kennt von ihm auch sieben Radierungen und einige oft aufgelegte Schriften, wie: "Traité sur la physiognomie" und "Methode pour apprendre à dessiner les passions". Vgl. Genevay, Le style Louis XIV; Charles L. décorateur (Par. 1885).

2) Ponce Denis Ecouchard, genannt Lebrun-Pindare, franz. Dichter, geb. 11. Aug. 1729 zu Paris, war Sekretär des Prinzen Conti und wandte sich zuerst der Lyrik, dann, in seiner Empfindlichkeit verletzt und verbittert durch häusliches Unglück (seine von ihm roh behandelte Frau hatte sich 1774 von ihm scheiden lassen, und 1783 hatte er sein ganzes Vermögen verloren), der Satire und dem Epigramm zu. Aber der Not war sein Charakter nicht gewachsen. Mit der Lust an giftigen Bosheiten verband er niedrige Schmeichelei gegen seine Gönner und Wohlthäter; der Minister Calonne, der ihm eine Pension aussetzte, Robespierre, der dem fast Erblindeten eine Wohnung im Louvre verschaffte, Napoleon, der ihm 6000 Frank Pension zuwies, sie wurden ebenso übermäßig gelobt wie in den Staub gezogen, sowie der Wechsel der Gönnerschaft die Verunglimpfung der früher Verherrlichten vorteilhaft erscheinen ließ. Fast mit allen seinen Kollegen vom Institut verfeindet, starb er 2. Sept. 1807. Als Lyriker ist L. trocken und gesucht und verdient keineswegs den ihm von Chénier gegebenen Beinamen Pindare; es fehlt ihm an Ideen, und trotz der Eleganz der Form sind seine Perioden selten abgerundet. Seine besten Oden sind an Buffon gerichtet und atmen viel natürliches Gefühl, enthalten aber zu viel Mythologie. Vorzüglich ist L. im Madrigal und in seinen Epigrammen, deren er mehr als 600 hinterlassen hat, und die meist auf seine litterarischen Streitigkeiten Bezug haben. Ginguené gab 1811 in 4 Bänden eine Sammlung seiner Werke heraus, die außer den Epigrammen 6 Bücher Oden, 4 Bücher Elegien, 2 Bücher Episteln, die Fragmente