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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Lechäon - Leclerc.

behält aber den Charakter des Alpenflusses, zerreißt häufig Dammbauten und Ufer und wechselt die Breite vielfach. Auch der Wasserstand ist sehr verschieden, bald der eines großen Baches, bald der eines reißenden Stroms (durchschnittlich 36-80 m, bei der Wertachmündung 390 m breit). Der L. dient daher mehr industriellen Zwecken als der Schiffahrt. Seine ansehnlichern Zuflüsse sind: bei Füssen die Vils, bei Schongau (wo er schiffbar wird) der Halblech und bei Augsburg die Wertach. S. Lechfeld.

Lechäon, einer der drei Häfen Korinths (s. d.).

Lechevalier (spr. löschwalljeh), Jean Baptiste, franz. Archäolog, geb. 1. Juli 1752 zu Trelly im Departement Manche, studierte in Paris und lehrte 1772-78 an mehreren Collèges, begleitete sodann als Sekretär den Gesandten Choiseul-Gouffier nach Konstantinopel, um geographische und archäologische Forschungen anzustellen, und bereiste Italien und die Nordwestküste von Kleinasien, wo er seine Untersuchungen besonders der Ebene von Troja widmete. Nach Ausbruch der Revolution nach Frankreich zurückgekehrt, ging er 1790 nach London, bereiste in den folgenden Jahren beinahe ganz Europa und kehrte erst 1795 nach Frankreich zurück. Seit 1806 bei der Bibliothek Ste.-Geneviève in Paris angestellt, starb er als erster Konservator derselben 2. Juli 1836. Er schrieb: "Voyage de la Troade, ou table de la plaine de Troie dans son état actuel" (Lond. 1794; 3. Aufl., Par. 1802, 3 Bde. mit Atlas; deutsch, mit Anmerkungen von Dalzel und Heyne, Leipz. 1792, und von Lenz, das. 1800), ferner "Voyage de la Propontide et du Pont-Euxin" (Lond. 1800, 2 Bde.). Einen Lebensabriß Lechevaliers lieferte Noël (Par. 1840).

Lechfeld, eine Ebene in Bayern von ungefähr 37 km Länge zwischen dem Lech und der Wertach oberhalb Augsburg, bildet im allgemeinen eine unfruchtbare Landschaft, die mit zahlreichen Geröllen aus den Kalkalpen angefüllt ist. Wo über denselben Lehmschichten liegen, ist die Fruchtbarkeit des Bodens nicht unbedeutend, während auf undurchlassendem Grunde Torfmoore entstanden sind. Unfern Augsburg beim Dorf Untermeitingen das als Wallfahrtsort stark besuchte Franziskanerkloster L. In der Geschichte ist das L. berühmt durch den Sieg Kaiser Ottos I. über die Ungarn (10. Aug. 955). Seit neuerer Zeit hat das bayrische Heer sein Übungslager daselbst. Durchschnitten wird das L. von der Linie Bobingen-Landsberg der Bayrischen Staatsbahn. Vgl. Leeb, Plan vom Lager L. (Augsb. 1876).

Lechhausen, großes Dorf im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern, Bezirksamt Friedberg, am Lech, unmittelbar bei Augsburg, hat ein Schloß, eine Hammerschmiede, eine Kunstmühle und (1885) 8250 meist kath. Einwohner.

Lechiten, s. Lech.

Lechler, Gotthard Viktor, namhafter protest. Theolog, geb. 18. April 1811 zu Kloster Reichenbach in Württemberg, ward Diakonus in Waiblingen, 1853 Dekan der Diözese Knittlingen, 1858 Superintendent in Leipzig und Professor an der Universität daselbst sowie später Mitglied der sächsischen Ersten Kammer. Er schrieb: "Geschichte des englischen Deismus" (Stuttg. 1841); "Das apostolische und nachapostolische Zeitalter" (Haarl. 1851; 3. Aufl., Karlsr. 1885; englisch, Lond. 1886); "Geschichte der Presbyterial- und Synodalverfassung seit der Reformation" (Leiden 1854) und "Johann von Wiclif und die Vorgeschichte der Reformation" (Leipz. 1873, 2 Bde.; engl., Lond. 1878); "Urkundenfunde zur Geschichte des christlichen Altertums" (Leipz. 1886). Auch bearbeitete er für Langes theologisch-homiletisches Bibelwerk die Apostelgeschichte (mit Gerok, 4. Aufl., Bielef. 1881).

Lecithin (Protagon) findet sich sehr verbreitet in Tieren und Pflanzen, im Gehirn, Eidotter, Schweinsgalle, im Blut, Kaviar, in Bier- und Weinhefe, Mais, Erbsen, im Weizenkleber etc. Es ist wachsartig, sehr hygroskopisch, quillt im Wasser schleimig (und bildet, unter dem Mikroskop betrachtet, ölige Fäden: Myelinformen) und ist in Alkohol, Äther, Chloroform und Ölen leicht löslich. Man hat mindestens drei Lecithine zu unterscheiden, welche beim Kochen mit Barytwasser Glycerinphosphorsäure, Cholin und Stearinsäure, Palmitinsäure oder Ölsäure liefern. Salzsaures L. bildet eine wachsartige Masse, aus der Silberoxyd L. abscheidet.

Leck, jede undichte Stelle im Schiff, durch welche Wasser dringt.

Leck, Dorf in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Tondern, hat eine evang. Pfarrkirche, ein Amtsgericht, Tuchfabrikation, Wollspinnerei und -Kratzerei, Viehzucht, jährlich 40 Viehmärkte und (1885) 1109 Einw.

Leckage (franz. Coulage), das Durchdringen von Flüssigkeiten durch Fugen oder Risse eines Gebindes, daher auch der Abzug von Fakturen für Waren, welche während des Transports durch "Lecken" an Gewicht, resp. Inhalt verlieren. Bestimmungen darüber, inwieweit der Transportunternehmer für die L. vom Verfrachter verantwortlich gemacht werden kann, enthalten die Artikel 395, 424, 607, 617 und 659 des allgemeinen deutschen Handelsgesetzbuchs. Vgl. Frei von Bruch etc.

Leckaugen, vulgär, s. v. w. Triefaugen.

Lecke, s. Lack (Rupien).

Leckerli, eine Art weißer, in Basel fabrizierter Pfefferkuchen.

Lecksteine (Lecksalz), Stücke von Steinsalz, welche den Haustieren zum Belecken dargeboten werden.

Leckwein, aus freiwillig abgelaufenem Traubensaft bereiteter Wein.

Lecky, William Edward Hartpole, engl. Historiker, geb. 26. März 1838 zu Dublin, ward am Trinity College daselbst gebildet und 1863 graduiert, wandte sich dann kulturhistorischen Studien zu und hat sich, nachdem er als Schriftsteller auf diesem Gebiet zuerst 1861 mit dem anonym publizierten Werk "The leaders of public opinion in Ireland" (2. Aufl. 1872), einer Geschichte der rationalistischen Opposition gegen positive Religion, mit Anwendung von Buckles Methode, aufgetreten, besonders durch folgende beide Werke einen Namen erworben: "History of the rise and influence of the spirit of rationalism in Europe" (1865, 2 Bde.; 5. Aufl. 1872; deutsch von Jolowicz, Leipz. 1870-71, 2 Bde.), die manche scharfe Entgegnungen von orthodoxer Seite hervorrief, und "History of European morals from Augustus to Charlemagne" (3. Aufl. 1877, 2 Bde.; deutsch, 2. Aufl., Leipz. 1879). Sein neuestes Werk ist die "History of England in the eighteenth century" (1878-87, Bd. 1-6; deutsch, Leipz. 1879 ff.).

Leclanchés Element, s. Galvanische Batterie, S. 872.

Leclerc (spr. löklähr), Charles Emmanuel L. d'Ostin, franz. General, geb. 17. März 1772 zu Pontoise, war zuerst Kaufmann, trat 1791 als Offizier in ein Freiwilligenbataillon, ward 1793 vor Toulon, zu dessen Eroberung er viel beitrug, zum Bataillonschef ernannt und trat 1794 in die Armee der Alpen, in der er Kommandant der Avantgarde auf dem Mont Cenis wurde. Im Herbst 1795 ward er als Komman-^[folgende Seite]