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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Le Clerc; Leclercq; Lecluse; Lécluse; Lecocq; Lecointe

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Le Clerc - Lecointe.

dant nach Marseille gesandt, wo er sich mit Pauline, der Schwester Bonapartes, verlobte. Letzterer berief ihn darauf als Adjutanten nach Italien, wo er unter Berthier besonders mit der Führung der politischen Korrespondenz betraut ward. Nach dem Waffenstillstand von Leoben zum Brigadegeneral befördert, vermählte er sich in Mailand mit Pauline. Das Direktorium übertrug ihm darauf das Oberkommando von Lyon. Nach der Rückkehr Bonapartes aus Ägypten wirkte er beim Staatsstreich vom 18. Brumaire mit; er war es, der in St.-Cloud an der Spitze der Grenadiere die widerstrebenden Mitglieder der Fünfhundert aus dem Sitzungssaal vertrieb. Zum Divisionsgeneral ernannt, erhielt er das Kommando der 2. Division bei der Rheinarmee unter Moreau und nahm 3. Dez. 1800 an der Schlacht bei Hohenlinden teil. 1801 ward er als Generalkapitän an die Spitze des Expeditionskorps gestellt, das Haïti wieder unterwerfen sollte und Anfang Februar auf der Insel landete. Es gelang ihm, die Rebellen wenigstens äußerlich zur Unterwerfung zu zwingen. Mehr als 22,000 Mann aber, darunter 2. Nov. 1802 L. selbst, wurden ein Opfer des gelben Fiebers. Leclercs Witwe vermählte sich 1803 mit dem Fürsten Borghese.

Le Clerc (spr. lö klähr), Joseph Victor, franz. Gelehrter, geb. 2. Dez. 1789 zu Paris, war nacheinander Lehrer der ältern Litteratur an Lyceen, an der Normalschule und an der Faculté des lettres zu Paris, wurde 1834 Mitglied der Akademie der Inschriften und starb 12. Nov. 1865 in Paris. Von seinen Schriften nennen wir: "Nouvelle rhétorique française" (1822, 11. Aufl. 1850); "Des journaux chez les Romains" (1838); eine Übersetzung der Werke Ciceros (1821-25, 30 Bde.; neue Ausg. 1823-27, 35 Bde.) etc. Auch leitete er seit 1840 die Fortsetzung der von den Benediktinern begonnenen "Histoire littéraire de la France" (1842-56, Bd. 20-23). Vgl. Renan, Jos. Victor L. (in der "Revue des Deux Mondes", März 1868).

Leclercq (spr. löklähr), Michel Théodore, franz. dramatischer Dichter, geb. 1. April 1777 zu Paris, von 1810 bis 1819 bei der Verwaltung der indirekten Steuern angestellt, verfaßte nach dem Vorgang Carmontels sogen. "Proverbes dramatiques", kleine Salonstücke, die wegen ihres geistreichen und pikanten Dialogs, ihrer feinen Charakterzeichnung und ihres sorgfältigen Stils großen Beifall fanden. L. besorgte selbst mehrere Ausgaben seiner "Proverbes", die zuletzt gegen 80 Stücke enthielten (Par. 1828, 6 Bde., und "Nouvelles Proverbes dramatiques", 1833, 2 Bde.; neue Ausg. 1852-53, 4 Bde.; deutsch von Baudissin, Leipz. 1875). Außerdem schrieb er einen mäßigen Roman: "Le château de Duncan", und einige Novellen. Er starb 15. Febr. 1851.

Lécluse (spr. -klühs', Fort de l'Ecluse), Sperr- und Grenzfort im franz. Departement Ain, Arrondissement Gex, am Rhône, von Vauban erbaut und nach der im J. 1814 erfolgten Zerstörung durch die Österreicher 1824 wiederhergestellt, hat, da es von den umliegenden Höhen beherrscht wird, nicht mehr die frühere Bedeutung.

Lecluse (spr. -klühs'), Charles de, gewöhnlich Clusius genannt, Arzt und Botaniker, geb. 18. Febr. 1526 zu Arras, studierte in Gent und Löwen die Rechte, lebte dann in Marburg und Wittenberg, studierte in Montpellier Medizin, durchforschte als Botaniker einen Teil Südfrankreichs, lebte 1555-63 in seiner Heimat, kam dann nach Augsburg und bereiste mit dem Grafen Fugger Belgien, Frankreich, Spanien und Portugal. Nach der Rückkehr lebte er in Belgien, Paris und London, erhielt dann einen Ruf als Gartendirektor nach Wien, bereiste ganz Österreich und Ungarn und wurde vom Kaiser in den Adelstand erhoben. 1587 ging er nach Frankfurt a. M., ward 1593 Professor der Botanik in Leiden und starb 4. April 1609 daselbst. Er gehörte zu den ersten Botanikern, welche nach der Zeit der Reformation die Wissenschaft aus den Händen der Scholasten befreiten und sie auf das Studium der Natur selbst zurückführten, indem er die auf seinen europäischen Reisen gesammelten Pflanzen bestimmte, zu ordnen versuchte und in mehreren Werken beschrieb und zum Teil abbildete, von denen "Rariorum plantarum historia" (Antwerp. 1601) und "Exoticorum libri X" (das. 1605) die berühmtesten sind. Keiner seiner Vorgänger oder Zeitgenossen hat die Botanik mit mehr Entdeckungen bereichert als er.

Lecocq, Alexandre Charles, Opernkomponist, geb. 3. Juni 1832 zu Paris, erhielt seine Ausbildung von 1849 bis 1854 am dortigen Konservatorium durch Bazin und Halévy, debütierte 1857 mit der Oper "Le docteur Miracle", welche bei einer von Offenbach veranstalteten Preisbewerbung unter 78 eingesandten Werken (zugleich mit der Komposition Bizets) den ersten Preis erhalten hatte, und wurde, nachdem er während der nächsten Jahre noch mehrere andre Werke mit geringem Erfolg auf die Bühne gebracht, durch die 1868 aufgeführte Operette "Fleur de Thé" in weitesten Kreisen bekannt und beliebt. Hier wie in seinen spätern Opern: "Les jumeaux de Bergamo" (1868), "Gandolfo" (1869), "Le beau Dunois" (1870), "Mademoiselle Angot" (1872), "Giroflé-Girofla" (1874), "La petite mariée" (1875), "Kosiki" (1876), "Le dompteur" (1877), "Le petit duc" (1878) u. a., folgt er im allgemeinen der von Offenbach eingeschlagenen Richtung, ist jedoch mit Erfolg bestrebt gewesen, die von diesem betretenen Abwege zu vermeiden und die Operette als Kunstgattung zu heben. Von seiner gediegenen musikalischen Bildung gab er unter anderm auch durch den 1877 von ihm veröffentlichten Klavierauszug der Rameauschen Oper "Castor et Pollux" einen erfreulichen Beweis.

Lecointe (spr. lökŏängt), franz. General, geb. 12. Juli 1817 zu Evreux, verließ die Kriegsschule von St.-Cyr im Oktober 1842 als Infanterieunterleutnant und nahm an allen Feldzügen des zweiten Kaiserreichs teil. Beim Beginn des deutsch-französischen Kriegs war er Oberst des Gardegrenadierregiments, das sich besonders in der Schlacht von Gravelotte auszeichnete. Nach der Kapitulation von Metz gelang es dem Obersten L., mit Gefahr seines Lebens durch die preußischen Linien sich durchzuschleichen. Er wurde darauf an die Spitze der 1. Division der Nordarmee unter dem Befehl des Generals Faidherbe gestellt. Kurze Zeit später erhielt er das Kommando des 22. Korps, das an allen Kämpfen im Norden Frankreichs teilnahm, wie bei Pont-Noyelles und Bapaume, wo er das Dorf Brefvillers gegen die Hauptmacht der Deutschen verteidigte, und bei St.-Quentin, wo ein Teil des 22. Korps bis zuletzt aushielt und den Rückzug des 23. Korps deckte. Am 7. Sept. 1871 zum Divisionsgeneral befördert, erhielt er das Kommando einer Division des 1. Armeekorps, welches er beibehielt, bis er im Januar 1878 zum Militärgouverneur von Lyon befördert wurde, ein Posten, den er im März 1881 mit dem des Militärgouverneurs von Paris an Clinchants Stelle vertauschte. Seit 1882 Mitglied des Senats, nahm er 1884 seinen Abschied aus dem Militärdienst.