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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ledertuch; Lederzeug; Lederzucker; Ledesma; Ledetsch; Ledóchowski; Ledru-Rollin

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Ledertuch - Ledru-Rollin.

ferson in London arbeiten für französischen und englischen Markt im Geschmack dieser Länder. Die umfassendste Sammlung alter L., über 200 Stück, namentlich italienischer und niederländischer Herkunft, besitzt das Kunstgewerbemuseum zu Berlin. In neuester Zeit sind die japanischen L. in Europa sowohl ihrer reizvollen Muster als ihrer Billigkeit wegen schnell in Aufnahme gekommen. Vgl. Davillier, Notes sur les cuirs de Cordoue, etc. (Par. 1878); "L. und Buntpapiere" (Katalog der dritten Sonderausstellung des Kunstgewerbemuseums zu Berlin, Berl. 1883), wo die Litteratur vollständig zusammengestellt ist.

Ledertuch (vegetabilisches Leder), Ledersurrogat, welches ähnlich wie Wachstuch durch Überziehen eines Gewebes aus Baumwolle, Leinen oder Jute mit einem Gemisch aus Leinöl und einer Erdfarbe, Ruß u. dgl. dargestellt und durch gravierte Walzen mit einer Narbe, welche es dem Leder täuschend ähnlich macht, versehen wird. Man benutzt es zum Beziehen von Polsterwaren, zu Sattler- und Tischlerarbeiten, in besondern Qualitäten auch zu Mützenschirmen, Treibriemen etc. Manche Fabrikate werden auch mit Kautschukmischungen dargestellt und statt des Leders benutzt, namentlich zur Anfertigung der Kratzen.

Lederzeug, die zur Ausrüstung des Soldaten gehörigen Patrontaschen, Säbelkuppeln, Tornister- und Mantelriemen.

Lederzucker (Gummipasta, Altheepasta, Pasta gummosa s. Althaeae), beliebtes Heilmittel gegen Husten, wird erhalten, indem man 200 Teile Zucker und 200 Teile Gummi arabikum in 600 Teilen Wasser löst, die Lösung im Wasserbad verdampft, mit 150 Teilen zu Schaum geschlagenem Eiweiß mischt, unter beständigem lebhaften Durcharbeiten weiter abdampft und endlich 1 Teil Pomeranzenblütenölzucker beimischt. Diese Masse füllt man dann in Papierkapseln, trocknet bei 40° und zerschneidet die schaumigen Tafeln in kleine Streifen, die an einem trocknen Ort aufbewahrt werden müssen. Die Süßholzpasta (Pasta Liquiritiae s. Glycyrrhizae) wird erhalten, indem man 1 Teil Süßholzwurzel mit 20 Teilen kaltem Wasser zwölf Stunden auszieht, den filtrierten Auszug mit 10 Teilen Wasser verdünnt, 15 Teile Gummi arabikum und 9 Teile Wasser in demselben löst, die klare Lösung im Wasserbad hinreichend verdampft, dann in Papierkapseln füllt und austrocknet. Die mit Hilfe von Dampf vom Papier getrennte Pasta ist gelbbraun, durchscheinend, von mildem, süßem Geschmack und wird gegen Husten angewandt.

Ledesma, 1) Bezirksstadt und Badeort in der span. Provinz Salamanca (Leon), am Tormes, über den eine alte Brücke führt, hat eine angeblich von den Römern hergestellte Stadtmauer, (1878) 3068 Einw. und Gerberei; 8 km davon liegen die besuchten und ziemlich gut eingerichteten Schwefelbäder von L., deren Quellen eine Temperatur bis zu 38° C. haben. - 2) Stadt in der Argentinischen Republik, Provinz Jujuy, 464 m ü. M., hat Zuckerplantagen und (1882) 4000 Einw.

Ledetsch (tschech. Ledeč), Stadt in Böhmen, an der Sazawa, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, mit Schloß, Rathaus, Pappdeckelfabrik, Bierbrauerei, Schuhwarenfabrik und (1880) 2349 Einw. In der Umgebung werden Glasindustrie und Granatschleiferei betrieben.

Ledóchowski, Miecislaw, Graf, Kardinal, geb. 29. Okt. 1822 zu Gorki aus einer vornehmen polnischen Familie, ward im Lazaristenkollegium zu Warschau erzogen, erhielt 1840 die Priesterweihe und setzte seine Studien im Jesuitenkollegium zu Rom fort. Hier erwarb er sich die Gunst Pius' IX., welcher ihn zum Hausprälaten und apostolischen Protonotar ernannte und ihn als Auditor bei den Nunziaturen in Lissabon, Rio de Janeiro, Santiago de Chile und Brüssel verwendete und 1861 zum Erzbischof von Theben in partibus ernannte. Im Januar 1866 von der preußischen Regierung auf den erzbischöflichen Stuhl von Posen-Gnesen berufen, um dort die katholische Geistlichkeit von der politischen Agitation fern zu halten, trat er, nachdem sein im November 1870 persönlich in Versailles gestelltes Verlangen, daß Deutschland für den Papst interveniere, abgelehnt worden, an die Spitze der ultramontanen Opposition gegen das Deutsche Reich und machte sich namentlich zum Wortführer der polnischen Nationalitätsbestrebungen; dafür ernannte ihn der Papst zum Primas von Polen. Gegen die Maßregeln der Regierung in der Schulfrage, namentlich aber gegen die kirchlichen Maigesetze, trat er mit herausfordernder Überhebung auf, ward deshalb zu hohen Geld- und Gefängnisstrafen verurteilt und 3. Febr. 1874 verhaftet, um im Kreisgefängnis zu Ostrowo eine zweijährige Gefängnisstrafe abzubüßen. Am 15. April 1874 wurde er vom Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten seines Amtes entsetzt, dafür 15. März 1875 vom Papst zum Kardinal ernannt. Seit Februar 1876 seiner Haft entlassen, setzte er in Rom seine Agitationen fort, bis Papst Leo XIII. mit Preußen Frieden zu schließen beschloß. L. wurde im März 1885 zum Sekretär der Breven ernannt und verzichtete im Januar 1886 auf sein Erzbistum.

Ledru-Rollin (spr. lödrü-rolläng), Alexandre Auguste, franz. Demokrat, geb. 2. Febr. 1807 zu Paris, studierte die Rechte, ward 1830 Advokat u. plaidierte, ausgezeichnet durch eine kraftvolle Beredsamkeit, mit Glück in vielen politischen Prozessen. Ende Juli 1841 im Sarthedepartement zum Deputierten gewählt, saß er hier auf der äußersten Linken. Ohne alle Parteigenossen und Anhänger in der Kammer, ein Feldherr ohne Truppen, wirkte er in seinem Journal "La Réforme" für seine radikalen Ideen und trat seit 1844 besonders als Protektor der arbeitenden Klasse auf. Doch waren ihm die sozialistischen Ideen vorwiegend nur Agitationsmittel. Die republikanische Staatsform und das allgemeine Stimmrecht galten ihm als die Hauptheilmittel aller Übelstände. Als einflußreicher Agitator trat er 1847 bei den Reformbanketten zu Lille, Dijon und Châlons auf, und in der Adresseberatung im Januar 1848 gehörte er zu den ersten Sprechern der Opposition. Am 24. Febr. 1848 beantragte er eine provisorische Regierung, ward zum Mitglied derselben ernannt und erhielt darin das Departement des Innern. Durch seine früher eingegangenen Verbindlichkeiten den Arbeitern gegenüber sowie durch seine gesetzwidrigen Dekrete, sein gewaltsames Auftreten gegen die Beamten und bei den Wahlen, wie es namentlich sein Rundschreiben an die Kommissare der Republik im März 1848 kundgab, geriet er bald in Zwiespalt mit seinen Kollegen, die ihn verleugneten und ihn zur Zurücknahme mehrerer Maßregeln nötigten. Bei der Wahl zur Konstituierenden Versammlung ward L. im April in drei Departements gewählt und 10. Mai mit Lamartine, Marie, Arago und Garnier-Pagès, aber als letzter auf der Liste, zum definitiven Regierungsmitglied ernannt. Am 28. Juni trat er aus der Regierung aus und leistete als Chef der Bergpartei der gemäßigten, ordnungsliebenden Mehrheit eifrigen,