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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Leipzig

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Leipzig (Kirchen, Profanbauten).

denkmal an der Mittelstraße. Außer den durchweg schönen, rings um die innere Stadt führenden Promenaden und dem Rosenthal, in welchem sich auch ein zoologischer Garten befindet, dienen der Bevölkerung als Erholungsplätze in der Nähe der Johannapark, eine Stiftung des Bankiers W. Seyfferth, das Scheibenholz und Nonnenholz im W. und SW. der Stadt. L. besitzt vier Friedhöfe. Der hinter der Johanniskirche gelegene alte Johannisfriedhof wird seit 1884 als solcher nicht mehr benutzt und nach und nach in einen Park verwandelt. Der neue Johannisfriedhof liegt im SO. der Stadtflur, der nördliche an der Berliner Straße. In der Nähe des Napoleonssteins auf Probstheidaer Flur ist neuerdings (seit 1886) ein großer Zentralfriedhof angelegt worden.

[Kirchen.] Die innere Stadt enthält noch viele altertümliche, mit Erkern und Ziergiebeln versehene Gebäude, während in den Vorstädten, besonders in den äußern, der moderne Baustil vorherrschend ist. Die Zahl der Kirchen ist verhältnismäßig klein, und einige Neu- und Umbauten stammen erst aus jüngster Zeit; auch zeichnet sich das Innere derselben nicht eben sehr durch hervorragende Kunstwerke aus. Die Thomaskirche, 1221 als Klosterkirche vollendet, wurde 1482 vergrößert und wird jetzt vollständig umgebaut. Das Chor, vor dessen Hauptaltar 10. Dez. 1307 Markgraf Diezmann ermordet wurde, enthält die Bildnisse sämtlicher Leipziger Superintendenten von 1573 bis 1883. Die Nikolaikirche, um 1170 erbaut und 1513 erneut, wurde zu Ende des 18. Jahrh. bei Gelegenheit einer Restauration vieler wichtiger Kunstdenkmäler, so der Bildnisse des Petrus Mosellanus und andrer berühmter Gelehrten, beraubt, und erst in neuester Zeit fand man die damals entfernten Gemälde von Dürer und Cranach auf dem Boden auf und versetzte sie in das Museum. Auf dem Neukirchhof stand eine 1217 vom Markgrafen Dietrich errichtete Zwingburg, die später den Barfüßern zur Anlegung eines Klosters eingeräumt wurde. Die Kirche wurde 1494 umgebaut und 1698 restauriert, weshalb sie Neukirche hieß, bis sie 1880 nach gründlichem, durch Mothes ausgeführtem Umbau den Namen Matthäikirche erhielt (vgl. Evers, Geschichte der Matthaikirche, 1880). Die neue Peterskirche auf dem Schletterplatz, im gotischen Stil nach Plänen von Hartel und Lipsius erbaut (die alte Peterskirche befand sich bis zum Jahr 1885 an der Ecke der Petersstraße und Schillerstraße), ist zur Zeit das schönste kirchliche Bauwerk Leipzigs; ihr schlanker Turm, der höchste in der Stadt, hat eine Höhe von 87 m. Die bisher genannten Kirchen sind Parochialkirchen.

Die Pauliner- oder Universitätskirche, um 1240 erbaut, 1545 erneuert und von Luther durch eine Predigt eingeweiht, enthält den Grabstein des in der Thomaskirche ermordeten Markgrafen Diezmann und andre bemerkenswerte Epitaphien. Im Kreuzgang findet man eine Reihe von enkaustischen Wandgemälden aus dem 13. und 14. Jahrh., die, in sieben Hauptfelder eingeteilt, als die größte aller deutschen Wandgemäldeflächen (22,5 m Länge und 4,5 m Höhe) denen von Pisa, Verona und Assisi an die Seite gestellt werden. Zur Reformationszeit übertüncht, 1836 wieder entdeckt und 1869-71 mit Sorgfalt und Mühe restauriert, sind sie jetzt leider schon wieder so verblichen, daß wenig mehr davon zu sehen ist. Die Johanniskirche am Grimmaischen Steinweg, 1582 eingeweiht, enthält einige sehenswerte Gemälde; an der Ostseite befindet sich das Grabmal Gellerts. Die Kirche gehörte ursprünglich zu dem benachbarten Johannishospital, das 1278 als Hospital der Aussätzigen gegründet und zu einem Asyl für bejahrte Bürgersleute umgewandelt warb. Dieses im Lauf der Jahrhunderte zu großem Reichtum gelangte Asyl (Johannisstift) befindet sich jetzt in einem am Johannisthal gelegenen, von Lipsius entworfenen Prachtbau (1872 vollendet). In reizender Lage, am Saum des schönen Johannaparks, erhebt sich die 1883 begonnene, 1886 vollendete Lutherkirche. Die katholische Kirche, im gotischen Stil nach Heideloffs Entwürfen 1847 errichtet, steht an der Weststraße, gegenüber der Pleißenburg. Die im maurischen Stil erbaute Synagoge in der Zentralstraße ist ein Werk Simonsohns und wurde 1855 eingeweiht. Für die reformierte Gemeinde, deren Bethaus sich zur Zeit in der Klostergasse befindet, ist der Bau einer neuen Kirche auf dem Areal des Georgenhauses projektiert. Nahe der Lutherkirche, an der Sebastian Bach- und Schreberstraße, steht seit 1885 eine kleine englisch-amerikanische Kirche.

[Profanbanten.] Unter den Profanbauten verdient zuerst genannt zu werden das an der Ostseite des Marktes gelegene Rathaus, welches mit Benutzung der untern Mauern des alten, aus dem 13. Jahrh. stammenden Baues 1556 vom Bürgermeister Hieronymus Lotter erbaut wurde. In dem schönen, großen Sitzungssaal hängen die Bilder aller sächsischen Fürsten sowie ein äußerst kunstreich mit der Nadel gearbeitetes Werk, den Urteilsspruch Salomos darstellend, aus dem ersten Drittel des 16. Jahrh.; in der Ratsstube werden kostbare altertümliche Pokale verwahrt, darunter einer, der Luthers Eigentum war. Hinter dem Rathaus, am Naschmarkt, steht die 1678 erbaute Alte Börse, welche vorzeiten für ein überaus kostbares Bauwerk galt, auf der Plattform mit den Statuen des Merkur und Apollo, der Venus und Pallas (von Morelli) geschmückt. Nach Erbauung der prachtvollen Neuen Börse auf dem Plauenschen Platz wurde das Gebäude für die Sitzungen des Stadtverordnetenkollegiums hergerichtet. Am Markt steht auch das Königshaus, in welchem 1695 bis 1829 die sächsischen Herrscher bei ihrer Anwesenheit in L. wohnten. Hier feierte jahrelang König August der Starke seine berüchtigten Meßfeste, hier rastete 1698 Peter d. Gr., 1707 Karl XII. von Schweden, fand 1760 das bekannte Gespräch zwischen Friedrich d. Gr. und Gellert statt und wohnte 1809 Jérôme, König von Westfalen, sowie 1813 Napoleon. Im Erker dieses Hauses war es, wo letzterer vom König von Sachsen Abschied auf Nimmerwiedersehen nahm, und von hier aus führte man den König wenige Stunden später in die Gefangenschaft. In demselben Zimmer starb 1820 Fürst Schwarzenberg, der Sieger von L., und 1827 während der Huldigungsfeier die Königin von Sachsen. Die prächtige Fassade des ältesten Kaufmannshauses Leipzigs, Barthels Hof genannt (Ecke des Marktes und der Hainstraße), hat man nach dessen 1871 erfolgtem Abbruch, als Perle der Spätgotik, wieder auf der Hofseite des Neubaues angefügt. An der Ecke der Katharinenstraße steht die 1555 erbaute alte Ratswage. Dem Rathaus gegenüber, in der Grimmaischen Straße, befindet sich das länger als drei Jahrhunderte berühmteste Bürgerhaus der Stadt, Auerbachs Hof, welches, 1530-38 erbaut, durch die an ihm haftende Faustsage und durch Goethes Faustdichtung weltbekannt geworden ist, ehedem ein Bazar der reichsstädtischen Handelsherren und als solcher der wichtigste Meßhandelsplatz mit 100 Gewölben und vielen offenen Buden. Die in dem Weinkeller befindlichen Faustbilder stammen