Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Leipzig

664

Leipzig (hervorragende Gebäude).

aus dem Jahr 1525 (s. Auerbach 1). Das stattliche Fürstenhaus in derselben Straße bewohnte 1712 Peter d. Gr. auf seiner Reise nach Karlsbad; im Erdgeschoß desselben befindet sich die Niederlage der Meißener Porzellanfabrik. Das angrenzende Mauricianum erbaute die Universität 1845 auf der Stelle der Begräbnisgrüfte des eingegangenen Pauliner-Gottesackers. In der benachbarten Nikolaistraße ist das Gasthaus zum Rosenkranz, die frühere Wittenberger Herberge, in welcher Luther bei seiner Durchreise nach Worms Quartier nahm und auch später oft herbergte. Nahe dabei ist Quandts Hof, wo in einem noch vorhandenen Seitengebäude die Neuberin mit ihrer berühmten Truppe spielte. In dem altertümlichen Roten Kolleg in der Ritterstraße wurde Leibniz geboren, und daneben, im Hof der 1834 erbauten bisherigen Buchhändlerbörse, wohnte und starb der Dichter Gellert. An der Nordseite des Nikolaikirchhofs, neben der alten, schon 1512 vorhandenen Nikolaischule, erhebt sich der 1887 vollendete überaus stattliche Neubau des Predigerhauses zu St. Nikolai. Die Ecke der Grimmaischen Straße und des Augustusplatzes bildet das elegante Café français, 1834 auf dem Grund eines alten Thorturms errichtet. Auf der Stelle des daran stoßenden Paulinums stand ehedem eine Zwingburg, die 1224 zerstört und durch ein Dominikanerkloster ersetzt wurde, dessen Gebäude nach seiner 1545 erfolgten Säkularisation der Universität zufielen. Im Paulinum befinden sich die Münzsammlung und die Universitätsbibliothek (vgl. unten), für welch letztere aber im ehemaligen botanischen Garten ein Neubau nach Roßbachs preisgekröntem Entwurf errichtet wird. Der nach der Universitätsstraße gelegene Hof enthält das Konviktsgebäude und das nach dem verdienstvollen Rektor Kaspar Börner (gestorben 1547) genannte, neuerbaute Bornerianum. Von dem Mittelgebäude nur durch einen Hof getrennt ist das 1834-36 nach Schinkels Entwürfen erbaute Universitätsgebäude (Augusteum) mit den symbolisierten Fakultäten von Rietschel im Giebelfeld. Die Aula enthält Statuen sächsischer Fürsten, die Büsten Goethes und Leibniz' von Knaur, Gottfr. Hermanns und Börners von Rietschel, von letzterm auch prächtige Basreliefs, die Entwickelung der Kultur darstellend, ferner ein Denkmal, welches die Universität den im Krieg von 1870/71 gegen Frankreich gefallenen Studenten setzen ließ. Im Augusteum befindet sich auch die archäologische Sammlung. Am benachbarten Augustusplatz erhebt sich das 1864-67 erbaute Neue Theater, zu dem Oberbaurat Langhans in Berlin die Entwürfe lieferte (Grundrisse und Durchschnitt des Gebäudes s. Tafel "Theaterbau"). Die allegorischen Gruppen in den Giebelfeldern sind von Hagen, Lürssen, Wittich und Schiele. Bemerkenswerte Gebäude in der Nähe sind das Postgebäude am Augustusplatz, das königliche Palais und die Georgenhalle, in der zur Zeit das Reichsgericht untergebracht ist, für welches jetzt ein großartiger monumentaler Bau auf dem Areal des ehemaligen botanischen Gartens, gegenüber dem Landgerichtsgebäude, errichtet wird. Dem Theater gegenüber steht das 1837 gegründete, 1858 eingeweihte und 1883-86 nach den Plänen von Licht sehr erweiterte städtische Museum, durch Schenkungen des Kunstfreundes Heinrich Schletter wesentlich gehoben, mit Skulpturen von Thorwaldsen, Schilling, Hähnel, Rietschel u. a., Gipsabgüssen, Kartons und hervorragenden modernen Gemälden, namentlich von Calame, Delaroche, A. und O. Achenbach, Bellangé, Biard, Verboeckhoven, Lessing, Defregger, Preller, Knaus, Vautier, Sohn, Lindenschmit, einigen Bildern der ältern deutschen und niederländischen Schule sowie einer großen Kupferstichsammlung. Das nahegelegene Fridericianum verwahrt das pharmakologische Museum und die akademische Lesehalle. Der Goldene Bär in der Universitätsstraße ist das Gründungshaus der berühmten, seit 160 Jahren bestehenden Buchdruckerei von B. Chr. Breitkopf, welche jetzt (Breitkopf u. Härtel) ihr Geschäftshaus in der Nürnberger Straße hat. In dem 1740 erbauten Gewandhaus befindet sich die Stadtbibliothek mit über 100,000 Bänden und einer reichhaltigen Manuskriptensammlung. In dem Saal des Gewandhauses fanden 1781-1884 die weltberühmten Gewandhauskonzerte statt, für welche in den Jahren 1882-1884 nach den Plänen von Gropius und Schmieden im ehemaligen botanischen Garten ein prachtvolles neues Konzerthaus erbaut worden ist, in dessen Nähe das 1843 von Mendelssohn-Bartholdy und kunstbegeisterten Leipziger Bürgern begründete Konservatorium für Musik ebenfalls einen Neubau erhalten hat. Im Hof der dem alten Gewandhaus nahegelegenen Großen Feuerkugel wohnte Goethe als Student und vor ihm Lessing. An der Ecke der Schillerstraße und der Petersstraße, an der Stelle, wo bis 1885 die alte Peterskirche stand, erhebt sich jetzt das prächtige Reichsbankgebäude. Gegenüber liegt die vormalige Citadelle Pleißenburg, 1213 als Zwingburg angelegt, 1547 zusammengeschossen und 1549-51 wieder aufgebaut. Hier fand 1519 die berühmte Disputation zwischen Eck und Luther statt, und 6. Nov. 1632 starb daselbst der in der Schlacht bei Lützen tödlich verwundete Pappenheim. Im Dreißigjährigen Krieg wiederholt belagert und eingenommen, wurde sie seit 1770 nicht mehr als Festung betrachtet und dient jetzt als Kaserne und zu andern militärischen Zwecken. Der Turm diente bis 1861 als Sternwarte. Am nahen Thomaskirchhof stand ein 1213 gestiftetes Augustinerkloster, mit welchem eine gelehrte Schule, die Thomasschule, verbunden war, die sich zugleich unter der Leitung ausgezeichneter Kantoren (wie Joh. Seb. Bach, Hiller, Schicht, Weinlig, Hauptmann u. a.) durch die Pflege des Kirchengesangs einen glänzenden Namen in der Geschichte der Musik erworben hat. Seit 1877 hat die Schule ein neues stattliches Gebäude in der Westvorstadt erhalten. Der alten Thomasschule schrägüber steht die Zentralhalle, 1850 als Vergnügungslokal errichtet; der große Saal ist geschmückt mit schönen Fresken (nach Preller). In dem Haus "zum Kaffeebaum" wurde 1694 die erste Kaffeewirtschaft in L. errichtet. Das Alte Theater, unfern vom Eingang zum Rosenthal, wurde 1766 vom Kaufmann Zehmisch gegründet und 1817 vom badischen Oberbaudirektor Weinbrenner umgebaut. An der Nordseite der Promenade stehen der Thüringer, Magdeburger und Dresdener Bahnhof. Die übrigen Bahnhöfe liegen vereinzelt und zwar der Bayrische auf der Grenze zwischen der Süd- und Ostvorstadt, der Eilenburger im O. und der Berliner im äußersten Nordosten der Stadt. Letzterer ist neuerdings durch einen über die Geleise der Thüringer und Magdeburger Bahn führenden Viadukt zugänglicher gemacht worden. Der Zentralgüterbahnhof befindet sich bei Schönefeld. Nahe dem Dresdener Bahnhof steht das große Gebäude der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt. Am Ende der Wintergartenstraße sieht man den Kristallpalast, das frühere Alte Schützenhaus, Leipzigs umfangreichstes Ver-^[folgende Seite]