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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Leithagebirge; Leithakalk; Leithener Blau; Leithund; Leitmeritz; Leitmotiv; Leitmuscheln; Leitner

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Leithagebirge - Leitner.

nach N. und vereinigt sich bei Erlach mit der Schwarzau. Der Fluß, nun L. genannt, wendet sich bei Götzendorf mit trägem Lauf nach O., durchbricht das schön bewaldete Leithagebirge, das sich östlich vom Fluß an der Grenze Ungarns bis gen Hainburg hinzieht und im Sonnberg zu 481 m erhebt, biegt südlich von Hainburg nach SO. um, so daß er den Neusiedler See umfließt, und mündet zwischen Ungarisch-Altenburg und Wieselburg an der Westseite der Kleinen Schütt in 120 m Höhe in die Kleine Donau. Da die L. auf eine Strecke die Grenze gegen Ungarn bildet, bezeichnet man häufig die beiden Reichshälften der österreichisch-ungarischen Monarchie als Cisleithanien und Transleithanien, von denen ersteres die im Reichsrat zu Wien vertretenen Länder, letzteres die Länder der ungarischen Krone begreift.

Leithagebirge, s. Leitha.

Leithakalk, s. Tertiärformation.

Leithener Blau, s. v. w. Kobaltblau.

Leithund, der Hund, mit Hilfe dessen ein Hirsch bestätigt, d. h. dessen Aufenthaltsort ermittelt wurde. In früherer Zeit, als die alte Jägerei noch in besonderer Blüte stand und die Schießgewehre mangelhafter waren, wurde dieser Hund zur Herrichtung der bestätigten Jagen verwendet; er war der am meisten geschätzte, und nur der Jäger konnte Anspruch auf das Prädikat hirschgerecht machen, welcher ihn zu erziehen und zu führen verstand. Jetzt ist er wohl ganz außer Gebrauch gekommen. Der L. war von starkem Bau; größer als der Schweißhund, hatte er gegen 65-70 cm Schulterhöhe, großen Kopf, lange Behänge, faltige Stirn und außerordentlich feine Geruchsorgane. Die Farbe war meist rotbraun und gelblich, das Haar glatt.

Leitmeritz, Stadt im nördlichen Böhmen, rechts an der Elbe (die von hier mit Dampfschiffen befahren wird, und über die eine neue, 550 m lange eiserne Gitterbrücke führt) und an der Elbethalbahn gelegen, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Kreisgerichts, einer Finanzbezirksdirektion, eines Bischofs, hat ein Domstift, bischöfliches Konsistorium und Seminar, Obergymnasium, eine Oberrealschule, Lehrerbildungsanstalt, ein Taubstummeninstitut, Dominikaner- und Kapuzinerkloster, eine Sparkasse, eine Gasanstalt und (1880) 10,854 Einw. Bemerkenswerte Gebäude sind: die Kathedrale (1671 erbaut) mit neuem Turm, der bischöfliche Palast, das 1535 erbaute Rathaus (jetzt Gerichtsgebäude), das neue Stadthaus mit reichem Archiv (darin ein wertvolles altes Cancionale). Die Gewerbthätigkeit erstreckt sich besonders auf Bierbrauerei (das in der vorzüglich eingerichteten großen Elbschloßbrauerei erzeugte Bier genießt guten Ruf), Malzfabrikation, Kunstmühlenbetrieb, Kalk- und Ziegelbrennerei, Eisengießerei, Bindfadenfabrikation und Buchdruckerei. Auch Handel, dann Fischerei, Feld-, Hopfen-, Obst- und Weinbau werden in L. und der Umgebung lebhaft betrieben, und ganze Schiffsladungen feinen Obstes gehen von hier nach dem Norden. Die Stadt ist alt und zum Teil noch durch eine Mauer von ihren acht Vorstädten getrennt. Nordöstlich von L. liegt der bewaldete Geltschberg (720 m) und an dessen Fuß der gleichnamige klimatische und Kaltwasser-Kurort.

Leitmotiv, in neuern Opern, Oratorien, Programmsymphonien etc. (besonders bei Wagner, welcher dem L. erst die bedeutende Rolle zuwies, die es heute spielt) ein öfters wiederkehrendes Motiv von rhythmischer und melodischer, auch wohl harmonischer Prägnanz, welches durch die Situation, bei der es zuerst auftrat, oder durch die Worte, zu denen es zuerst gebracht wurde, eine eigenartige Bedeutung erhält und überall, wo es wieder auftritt, die Erinnerung an jene Situation wachruft. Ganz fremd war die Idee des Leitmotivs auch unsern Klassikern nicht, doch erscheint es bei ihnen zumeist nur in der Gestalt einer ungefähren Charakteristik der verschiedenen Personen (vgl. die Leporello-Terzen im "Don Juan", die Kaspar-Baßfiguren im "Freischütz" etc.); mit voller Bedeutsamkeit tritt es zuerst im "Fliegenden Holländer" und "Lohengrin" auf. In seinen spätern Opern hat Wagner den Gebrauch der Leitmotive außerordentlich gesteigert und eine faktische thematische Einheit der ganzen Oper durchgeführt; doch ist es nicht ganz leicht, denselben überall zu folgen, weil sie in zu großer Zahl auftreten, so daß die von Wolzogen, Heintz u. a. besonders bearbeiteten "Führer" durch die Wagnerschen Tondramen in der That für minder vorbereitete oder minder begabte Hörer nicht ganz unnötige Hilfsmittel sind.

Leitmuscheln, s. v. w. Leitfossilien.

Leitner, 1) Karl Gottfried, Ritter von, Dichter, geb. 10. Nov. 1800 zu Graz aus einer alten Adelsfamilie Steiermarks, studierte daselbst die Rechte, wurde 1836 von den Landständen Steiermarks, denen er durch seine Geburt angehörte, zum ersten Sekretär gewählt und bekleidete diese Stelle bis zur Aufhebung der ständischen Verfassung. Seitdem lebt er pensioniert zu Graz. Außer einigen novellistischen, dramatischen und historischen Arbeiten hat L. "Gedichte" (Graz 1825, 2. vermehrte Aufl. 1857), in neuerer Zeit "Herbstblumen. Neue Gedichte" (Stuttg. 1870) und "Novellen und Gedichte" (Wien 1880) veröffentlicht, die seinen Namen auch in weitern Kreisen bekannt gemacht haben. Vgl. Goldscheider, Karl Gottfried, Ritter v. L. (Graz 1880).

2) Gottlieb William, Orientalist und Reisender, geb. 14. Okt. 1840 zu Pest, erhielt seine Ausbildung in Konstantinopel, Brussa, Malta und am King's College zu London, ward an demselben 1859 Lehrer des Arabischen und Türkischen und begab sich einige Jahre später nach Lahor in Ostindien, wo er sich durch Gründung zahlreicher Lehranstalten (darunter des Punjab University College), litterarischer Gesellschaften und öffentlicher Bibliotheken verdient machte und noch jetzt verweilt. Von großer Bedeutung wurden seine 1866-70 im Auftrag der Regierung des Pandschab unternommenen Forschungsreisen in Kaschmir, Kleintibet, Ladak, Dardistan etc. besonders durch die Entdeckung der mit dem Sanskrit verwandten Dardusprachen, die er unter großen Schwierigkeiten erlernte und in dem Werk "The races and languages of Dardistan" (Lahor 1867-71, 2 Bde.; 2. Aufl. 1877) wissenschaftlich behandelte, und durch Auffindung der Überreste eines Volksstammes, in welchem L. auf Grund vorgefundener griechisch-buddhistischer Skulpturen Nachkommen einer makedonischen Niederlassung aus der Zeit Alexanders d. Gr. vermutet. Seine in Ostindien zusammengebrachte reichhaltige Sammlung altindischer und zentralasiatischer Altertümer, Münzen, Skulpturen und Manuskripte erregte auf der Wiener Weltausstellung 1873 das größte Aufsehen. Von seinen Schriften erwähnen wir noch: "Theory and practice of education"; "Philosophical grammar of Arabic"; "The Sinîn-i-Islam", Geschichte und Litteratur des Mohammedanismus in ihren Beziehungen zur allgemeinen Geschichte; "The races of Turkey"; "History of Dardistan, songs, legends etc."; "Graeco-buddhistic discoveries"; "History of indigenous education in the Panjab since annexation" (1883) etc.