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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lenzburg; Lenzen; Lenzer Heide; Lenzīn; Lenzkirch; Lenzmonat; Leo

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Lenzburg - Leo.

6) Oskar, Afrikareisender, geb. 13. April 1848 zu Leipzig, wurde nach Beendigung seiner naturwissenschaftlichen Studien an der geologischen Reichsanstalt in Wien angestellt und ging 1874 im Auftrag der Deutschen Afrikanischen Gesellschaft nach der Westküste Afrikas, wo er den Ogowe drei Jahre lang erforschte und als äußersten Punkt 1876 die Mündung des Schebe erreichte. Nach Deutschland zurückgekehrt, schrieb er: "Skizzen aus Westafrika" (Berl. 1878). Darauf unternahm er, gleichfalls im Dienste der Deutschen Afrikanischen Gesellschaft, eine Reise nach Marokko und über Tarudant nach Timbuktu, von wo er St.-Louis am Senegal erreichte und Anfang 1881 nach Deutschland zurückkehrte. Als Ergebnis dieser Reise veröffentlichte er: "Timbuktu. Reise durch Marokko, die Sahara und den Sudân" (Leipz. 1884, 2 Bde.). Von der Geographischen Gesellschaft zu Wien zu ihrem Generalsekretär ernannt, übernahm er zugleich die Redaktion der Zeitschrift "Aus allen Weltteilen", erhielt 1885 einen Ruf als Professor der Geographie an die Universität zu Czernowitz, folgte aber noch vor Antritt derselben einer Aufforderung der genannten Geographischen Gesellschaft, die Leitung einer Expedition zu übernehmen, welche von der Mündung des Congo aus an diesem Fluß aufwärts vordringen sollte, um die durch den Aufstand des Mahdi gefährdeten Reisenden Junker, Casati und Lupton aus ihrer bedenklichen Lage zu befreien und zugleich durch Untersuchung der Wasserscheide zwischen Congo und Nil die Uëllefrage endgültig zu lösen. Er verließ Hamburg 30. Juni 1885 und marschierte von der Congomündung aufwärts bis Léopoldville, von wo er in einem Dampfer des Congostaats dessen Station Stanley Falls 14. Febr. 1886 erreichte. Von dort ging L. nach Kasonge, der Residenz des Händlers Tippo Tip, welcher ihm seine Hilfe versprochen hatte; doch fand L., als er 15. Aug. über Kavala am Tanganjika in Udschidschi anlangte, daß man ihn getäuscht hatte. Da die geplante Reise nun unmöglich geworden war, beschloß L., zum Sambesi zu gehen; er erreichte in einem Segelboot das Südufer des Tanganjika, ging von da nach Karonga am Nyassa, fuhr dann zum Südende des Sees, verfolgte den Schirefluß und gelangte bei Quillimane an der Mündung des Sambesi an die Ostküste. Von dort kehrte er über Sansibar, Kairo, Triest nach Wien zurück, wo er Anfang 1887 eintraf. Bald darauf wurde L. zum Professor der Geographie an der (deutschen) Universität Prag ernannt.

Lenzburg, gewerbsames Landstädtchen im schweizer. Kanton Aargau, Knotenpunkt der Aargauischen Südbahn, der Schweizer Nordostbahn und der Seethalbahn, mit (1880) 2731 Einw. und dem Schloß L., ehemals Wohnort der Grafen von L., dann Sitz der bernischen Landvögte. An dem Schloßberg und dem nahen Staufberg wächst ein vortrefflicher Wein. Vgl. J. ^[Johannes] Müller, Die Stadt L. (Lenzb. 1869).

Lenzen (lenssen), vor schwerem Sturme mit dicht gerefften Segeln laufen; ganz ohne alle Segel vor den bloßen Masten läuft das Schiff "vor Topp und Takel"; lenzpumpen heißt das Wasser aus dem Schiffsraum (mit der Lenzpumpe) auswerfen.

Lenzen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Westpriegnitz, in der fruchtbaren Marschgegend der Lenzener Wische, unweit der Elbe und an der Linie Berlin-Buchholz der Preußischen Staatsbahn, hat eine schöne Kirche aus dem 15. und 16. Jahrh., Überreste der 1412 zerstörten Burg, ein Amtsgericht, ein Deichamt und (1885) 2830 evang. Einwohner. In der Nähe sind Hünengräber und viele vorhistorische Altertümer gefunden. - Hier 4. Sept. 929 Niederlage der Redarier durch die Deutschen unter König Heinrich I. 1066 wurde in der Kirche der christliche Obotritenfürst Gottschalk von den Wenden erschlagen. In dem nahen Dorf Lanz wurde 1778 der Turnvater Jahn geboren.

Lenzen, Marie, Schriftstellerin, geb. 18. Dez. 1814 zu Dorsten in Westfalen als Tochter des Arztes Rüdiger di Sebregondi, wurde im 18. Jahr die Gattin des Advokatanwalts L. in Elberfeld, den sie jedoch schon im folgenden Jahr durch den Tod verlor, verheiratete sich 1846 zum zweitenmal mit dem fürstlich Salm-Salmschen Geheimrat ten Brink zu Anholt in Westfalen und starb 11. Febr. 1882 daselbst. Unter den neuern Erzählerinnen des katholischen Deutschland gehört Marie L. zu den bekanntesten; in besonderm Ansehen stehen ihre neuern Novellen, die (Köln 1871-81) in 5 Sammlungen unter verschiedenen Titeln erschienen sind. Ihnen waren in den 40er Jahren mehrere größere historische Romane ("Die Zerstörung Jerusalems", "Die Bettler in Köln", "Magnus Krafft" u. a.) und die Erzählung "Meleta oder der Sieg des Glaubens" (Regensb. 1840, 3. Aufl. 1867) vorausgegangen. Nach ihrem Tod erschienen noch die Romane: "Trüber Morgen, goldener Tag" (Köln 1884) und "Rau von Nettelhorst" (das. 1886).

Lenzer Heide, fahrbar gemachter Paß der Graubündner Alpen (1551 m), verbindet, den weiten Thalbogen über Reichenau-Tusis-Tiefenkastels abschneidend, das Churer Rheinthal mit dem Thal der Albula und bildet somit die direkte Pforte zum Julier. Von Chur an steigt die Straße über Malix, Churwalden und Parpan hinauf und bewegt sich über ein einförmiges Plateau, die "Heide", hin, um über Lenz (1320 m) und Vazerol hinab in starken Windungen das Thal von Tiefenkastels zu erreichen. Über Lenz erhebt sich das Lenzer Horn (s. Plessuralpen).

Lenzīn, feiner, weißer, gut geschlämmter Thon, der in der Papierfabrikation, betrügerischerweise auch zur Mehlverfälschung benutzt wird.

Lenzkirch (Oberlenzkirch), Flecken im bad. Kreis Freiburg, im Schwarzwald, 810 m ü. M., hat bedeutende Uhren-, Orchestrion- und Spieluhrenfabrikation, Strohhutflechterei und (1885) 1349 kath. Einwohner. Dicht dabei liegt der Ort Unterlenzkirch mit Sandstein- und Porphyrbrüchen und 636 Einw.

Lenzmonat, deutscher Name für den März.

Leo (lat.), Löwe; auch alchimistischer Name des Goldes.

Leo, Name von 13 Päpsten: 1) L. I., der Große, einer der berühmtesten Kirchenlehrer und Kirchenfürsten, Sohn des Quintian von Tuscien, ging 418 als päpstlicher Legat zur Bekämpfung der Pelagianer nach Afrika, ward sodann Diakon in Rom, wurde 440 nach Sixtus' III. Tod auf den römischen Bischofstuhl erhoben und brachte denselben durch Charakterfestigkeit, Klugheit und wissenschaftliche Tüchtigkeit unter den schwierigsten Verhältnissen zu hohem Ansehen. Er war es, welcher zuerst die Idee des Primats des römischen Stuhls über die gesamte Kirche aussprach und durch das Verhältnis desselben zu Petrus dogmatisch begründete. So nahm er auch die Appellation des Bischofs von Besançon, Calidonius, welcher 444 auf einer vom Bischof Hilarius von Arles gehaltenen Synode seines Amtes entsetzt worden war, nicht nur an, sondern erklärte auch letztern seiner Würde für verlustig. Bald darauf unterwarf er auch Ostillyrien dem römischen Stuhl. In seinem Eifer für die Rechtgläubigkeit scheute sich L. nicht, gegen die Manichäer mit blutigen Strafen einzu-^[folgende Seite]