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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Leo Africānus; Leo Diakŏnus; Leo Grammatĭcus; Leoben

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Leo Africanus - Leoben.

Sommer 1817 seine Studien in Jena und beteiligte sich hier eifrig an allen Angelegenheiten der Burschenschaft, deren schwärmerischen republikanischen Ideen er mit Eifer anhing. Bei dem Wartburgfest trug er barhäuptig die deutsche Fahne von Jena bis Eisenach. Nach Sands unglücklicher That ging er nach Göttingen und begann hier das Studium des Mittelalters. Mit einer Abhandlung: "Über die Verfassung der lombardischen Städte" (Rudolst. 1820), habilitierte er sich in Erlangen. Hier brach er nicht nur seine Beziehungen zu der Burschenschaft plötzlich ab, sondern begann auch als Gegner der sogen. demagogischen Partei aufzutreten. 1822 nach Berlin übergesiedelt, ward er hier durch tieferes Studium der Hegelschen Philosophie zu metaphysischen Betrachtungen über die Geschichte veranlaßt; doch trat er später zu Hegels System in dasselbe polemische Verhältnis wie zu den Liberalen. Um für die Geschichte der italienischen Munizipien im Mittelalter an Ort und Stelle Studien machen zu können, verweilte er, von der Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt unterstützt, von 1823 bis 1824 in Italien. Nach seiner Rückkehr habilitierte er sich in Berlin als Lehrer der Geschichte und gab seine "Entwickelung der Verfassung der lombardischen Städte" (Hamb. 1824) heraus. Ein Ruf nach Dorpat, den er ablehnte, bewirkte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor. 1827 gab er plötzlich seine Stellung zu Berlin auf und begab sich nach seiner Heimat, nahm aber 1828 wieder eine außerordentliche Professur der Geschichte in Halle an und wurde 1830 zum ordentlichen Professor ernannt. Wie in seinen politischen Ansichten, so vollzog sich auch in seinen religiösen ein völliger Umschwung. Während die "Vorlesungen über die Geschichte des jüdischen Staats" (Berl. 1828) rationalistisch gefärbt waren, trat in seinem "Handbuch der Geschichte des Mittelalters" (Halle 1830) der ihn mehr und mehr beherrschende Geist des religiösen Obskurantismus und der politischen Reaktion bereits deutlich hervor. Weniger sind seine beiden Hauptwerke von Parteileidenschaft entstellt: "Zwölf Bücher niederländischer Geschichten" (Halle 1832-35, 2 Bde.) und "Geschichte der italienischen Staaten" (Hamb. 1829-30, 5 Bde.), worin er von den dargestellten Zuständen ebenso getreue wie lebendige Schilderungen gibt. Seine Polemik gegen die neue Zeit eröffnete er (abgesehen von zahlreichen Aufsätzen für das "Berliner politische Wochenblatt", die "Evangelische Kirchenzeitung" und das "Hallesche Wochenblatt", das er durch seine drastischen, derb-witzigen Ausfälle gegen den herrschenden Zeitgeist berühmt gemacht hat) mit seinen "Studien und Skizzen zu einer Naturgeschichte des Staats" (Halle 1833) und den Streitschriften: "Herr Dr. Diesterweg und die deutschen Universitäten" (Leipz. 1836), "Die Hegelingen" (Halle 1838, 2. Aufl. 1839, gegen A. Ruge und dessen "Jahrbücher" gerichtet), "Sendschreiben an J. ^[Joseph] Görres" (das. 1838) und "Signatura temporis" (das. 1849). In seinen Werken: "Lehrbuch der Universalgeschichte" (Halle 1835-44, 6 Bde.; 3. Aufl. 1849-56), "Leitfaden für den Unterricht in der Universalgeschichte" (das. 1838-40, 4 Bde.) und "Vorlesungen über die Geschichte des deutschen Volks und Reichs" (Bd. 1-5, das. 1854-67) zog er die letzten Konsequenzen seiner reaktionären politischen und kirchlichen Anschauungen. Er warf sich dem Zeitstrom grimmig entgegen und befehdete eine ganze Generation, deren völlige Vernichtung er in vollem Ernst als eine Notwendigkeit aussprach. In der Zeit der Reaktion in Preußen nach 1850 übte er als Mitarbeiter der "Kreuzzeitung" nicht unbedeutenden Einfluß aus. Er scheute vor keiner Konsequenz seiner Ansichten zurück; bekämpfte alle deutschen Einheitsbestrebungen und beteiligte sich auch an Verhandlungen der strengen Lutheraner über eine Vereinigung mit der katholischen Kirche. Am 20. Nov. 1863 wurde er zum lebenslänglichen Mitglied des Herrenhauses ernannt, trat aber nur selten in demselben als Redner auf und zog sich schließlich vor der siegreichen Gewalt der Ereignisse resigniert von der politischen Bühne zurück. Leos Leistungen im Gebiet der altgermanischen Sprache: "Altsächsische u. angelsächsische Sprachproben" (Halle 1838), "Beowulf" (das. 1839), die "Rectitudines singularum personarum" (das. 1842), die "Malbergische Glosse" (Berl. 1842-45, 2 Hefte) und die "Ferienschriften" (Halle 1847-52, 5 Hefte), die Frucht seiner Studien über keltische Sprache und keltisches Altertum, werden als schätzenswerte Beiträge zur Litteraturgeschichte anerkannt. Zuletzt veröffentlichte er ein "Angelsächsisches Glossar" (Halle 1872-77, 2 Bde.). Er starb, seit längerer Zeit gehirnleidend, 24. April 1878. Nach seinem Tod erschien: "Aus meiner Jugendzeit" (Gotha 1880), eine durch ihre anschauliche Schilderung des damaligen Universitätslebens und ihre rücksichtslose Wahrheitsliebe ausgezeichnete Selbstbiographie, die bis 1822 reicht.

3) André, Pseudonym, s. Champseix.

Leo Africānus, eigentlich Alhassan ibn Mohammed Alwazzan, maur. Schriftsteller aus Cordova, bereiste seit 1492 Nordafrika und Westasien, bis er Seeräubern in die Hände fiel, die ihn dem Papst Leo X. schenkten. In Rom trat L. zum Christentum über, später aber zum Islam zurück; er starb nach 1526. Seine in diesem Jahr in italienischer Sprache verfaßte Beschreibung Afrikas (zuerst veröffentlicht im Sammelwerk des Ramusio; deutsch von Lorsbach, Herborn 1805) war lange Zeit die Hauptquelle für die Kenntnis des Sudân.

Leo Diakŏnus, byzantin. Schriftsteller, geboren um 930 zu Kaloë in Ionien, kam früh nach Konstantinopel, wo er in das Kollegium der Hofpriester aufgenommen wurde, und begleitete den Kaiser Basilius II. als Diakon auf seinen Feldzügen gegen die Bulgaren (981). Er schrieb die Reichsgeschichte von 959 bis 975 (hrsg. von Hase, Par. 1819; wieder abgedruckt Bonn 1828).

Leo Grammatĭcus (Leo Kar), byzantin. Geschichtschreiber des 11. Jahrh. Seine "Chronographia" (813-949) wurde herausgegeben von Bekker (Bonn 1842) und vollständiger nach dem Münchener Kodex von Tafel in "Monumenta saecularia" (Münch. 1859).

Leoben, Stadt in Steiermark, an der Mur und an der Südbahnlinie Bruck-L., an die sich hier die Staatsbahnlinie nach St. Michael und die L.-Vordernberger Bahn anschließen, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Kreisgerichts, eines Revierbergamts und einer Handels- und Gewerbekammer. L. ist die schönste Stadt Obersteiermarks, hat breite Straßen, einen großen Platz mit einer 13 m hohen Pestsäule und 2 Wasserbassins, einen Stadtpark, 3 Kirchen, ein Redemptoristenkloster mit Kirche im gotischen Stil, ein altes Rathaus, ein Theater, eine Bergakademie und landschaftliche Berg- und Hüttenschule, ein Obergymnasium, ein Krankenhaus, eine Sparkasse, eine Gasanstalt und (1880) 5491 Einw. Ein Marmordenkmal erinnert an den hier 18. April 1797 zwischen Österreich und der französischen Republik abgeschlossenen Präliminarfrieden, welchem der Friede zu Campo Formio (s. d.) folgte. Doch fanden die Verhandlungen nicht in der Stadt selbst, sondern in dem nahen, westlich gelegenen Schloß Goß (ehemaligem.