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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Leopold

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Leopold (deutsche Kaiser).

denkmal des Dogen Vendramin (Venedig, San Giovanni e Paolo) zugeschrieben. Der Schwerpunkt seines Talents lag in der Anmut und Feinheit der Dekoration. Er hatte sich vornehmlich nach Denkmälern griechischer Plastik gebildet.

Leopold (Leupold, Liutpold, "kühn, tapfer für das Volk"), deutscher Mannesname, unter dessen Trägern hervorzuheben sind:

[Deutsche Kaiser.] 1) L. I. Ignaz Joseph Balthasar Felician, zweiter Sohn Kaiser Ferdinands III. und der Maria Anna von Spanien, geb. 9. Juni 1640, wurde 1655 zum König von Ungarn, 1658 zum König von Böhmen und 18. Juli d. J. nach dem Tod seiner ältern Brüder, als Erbe seines Vaters, auch zum deutschen Kaiser gewählt. Ursprünglich für den Dienst der Kirche erzogen, hatte er sich als Knabe mit Vorliebe geistlichen Übungen, später der Beschäftigung mit Sprachen und Wissenschaften gewidmet; doch sollte seine Regierung eine ununterbrochene Kette von Unruhen, Kämpfen und Kriegen sein, die L. freilich teilweise selbst verschuldete; denn sein ganzes Streben ging darauf aus, den Protestantismus auch in Ungarn auszurotten, wodurch er die verfolgten Ungarn zu Aufständen und Verschwörungen reizte, und das Erbe der spanischen Linie der Habsburger ganz oder teilweise für sich zu erwerben. Ersteres verwickelte ihn in fortwährende Kämpfe mit der Türkei, letzteres mit Frankreich. Gleich anfangs hatte sich das kaiserliche Kabinett durch Einmischung in die siebenbürgischen Wirren in einen Krieg mit der Pforte verwickelt. Die Türken brachen 1662 in Ungarn ein und streiften bis Mähren und Schlesien. Nach langen vergeblichen Unterhandlungen durch seine Gesandten erlangte L. endlich auf dem Reichstag zu Regensburg 1663, wo er persönlich erschien, von den deutschen Fürsten Hilfe; selbst Schweden und Frankreich sandten Truppen sowie die italienischen Staaten und der Papst Geldbeiträge, und so gelang es dem kaiserlichen Feldherrn Montecuccoli, die Türken 1. Aug. 1664 bei St. Gotthardt an der Raab aufs Haupt zu schlagen. Doch nutzte L. diesen Sieg nicht aus. 1671 mußte er eine Verschwörung einiger ungarischer Magnaten zu gunsten der Türken blutig unterdrücken, und 1682 brach unter dem Grafen Tököly ein neuer Aufstand in Ungarn aus. Von den Insurgenten zu Hilfe gerufen, rückte 1683 ein türkisches Heer von 208,000 Mann unter dem Großwesir Kara Mustafa durch Ungarn bis vor Wien, von wo L. nach Linz, dann nach Passau flüchtete, und begann 14. Juli die Belagerung der Stadt. Dieselbe ward jedoch vom Grafen Starhemberg tapfer verteidigt und durch den Sieg Sobieskis am Kahlenberg 12. Sept. entsetzt. Auch in den nachfolgenden Kämpfen war der Kaiser meist glücklich, und die Siege Karls von Lothringen sowie Eugens führten endlich 29. Jan. 1699 den Frieden von Karlowitz herbei, durch welchen Slawonien, Siebenbürgen und ganz Ungarn in die Hände des Kaisers kamen. Inzwischen hatten sich auch die Ungarn auf dem Reichstag zu Preßburg 31. Okt. 1687 der erblichen Herrschaft des Kaisers unterworfen. Nicht so glücklich bestand L. die mehrfachen Kriege mit Ludwig XIV. Geldmangel und die Schwerfälligkeit der kaiserlichen Kriegsleitung sowie Eifersucht auf die Verbündeten traten stets in den entscheidenden Augenblicken störend ein. Der erste Krieg, 1672 von L. und dem Deutschen Reich in Verbindung mit Spanien und Brandenburg unternommen, um den von Frankreich und England angegriffenen Holländern Beistand zu leisten, wurde anfangs von Lobkowitz sehr lau, glücklicher sodann von Montecuccoli geführt; doch brachte der Friede von Nimwegen 5. Febr. 1679 dem Reich nur Länderverlust. Als 1688 die Franzosen unter dem Vorwand von Erbansprüchen auf die pfalz-simmernsche Hinterlassenschaft den Krieg aufs neue begannen, vereinigten sich der Kaiser, das Reich, England, Holland, später auch Spanien und Savoyen zu dem sogen. Koalitionskrieg, der am Rhein, in den Niederlanden, in Italien, am Fuß der Pyrenäen und auf dem Meer nicht unglücklich geführt wurde und mit dem Frieden zu Ryswyk 30. Okt. 1697 wenigstens ohne Verluste endigte. Den dritten Krieg, den Spanischen Erbfolgekrieg (s. d.), unternahm L. 1701, um seinem zweiten Sohn, Karl, die Thronfolge von Spanien zu sichern, die ihm Ludwig XIV. zu gunsten seines Enkels, Philipps von Anjou, streitig machte. In Verbindung mit England, Holland, Preußen und dem Deutschen Reich siegte zwar L. anfangs durch Eugen bei Carpi und Chiari; bald aber wurde der römische König Joseph am Rhein zurückgedrängt, der Markgraf von Baden in mehreren Gefechten geschlagen, Tirol erobert und die Schlacht bei Höchstädt gegen Villars verloren. Zu gleicher Zeit hatten sich die Ungarn unter den Grafen Rákóczi und Károlyi, durch Ludwigs XIV. Gesandte aufgereizt, aufs neue erhoben und bedrohten die österreichischen Lande. Bereits fing jedoch Leopolds Kriegsglück durch Marlboroughs und Eugens Siege bei Donauwörth und Höchstädt 1704 aufs neue an zu steigen, als er 5. Mai 1705 in Wien an der Brustwassersucht starb. L. war von Wuchs unansehnlich, der Blick düster, das Gesicht durch die herabhängende Unterlippe entstellt. Mit natürlicher Gutherzigkeit vereinigte er eine bigotte Frömmigkeit. Seine geistigen Anlagen waren nicht unbedeutend, und in Wissenschaften und Sprachen war er gründlich unterrichtet; die Musik betrieb er mit Vorliebe. Den Jesuiten war er als ihr Zögling sehr ergeben und gestattete ihnen einen übermäßigen Einfluß auf Staats- und Kriegsangelegenheiten. Überhaupt fehlten ihm Energie und Entschlossenheit, daher war er von seiner Umgebung sehr abhängig. Zu durchgreifenden Reformen im Innern mangelte es ihm an Kraft und Einsicht. Die Verwaltung, namentlich der Finanzen, war in größter Zerrüttung; für Handel und Industrie geschah nichts. Daß das Heerwesen gebessert und glänzende Siege erfochten wurden, war nicht Leopolds, sondern seiner großen Feldherren Verdienst. Ihn zierten nur die Tugenden eines Privatmanns. Seine Lebensweise war einfach und verlief in Beobachtung einer unwandelbaren Tagesordnung nach den Gesetzen der spanischen Hofetikette. L. war dreimal vermählt, zuerst mit der spanischen Prinzessin Margarete, die ihm eine Tochter, Marie Antoinette, die spätere Kurfürstin von Bayern, gebar, dann mit Claudia Felicitas, Erbtochter von Tirol, welche ihm dieses Fürstentum zubrachte, endlich mit Eleonore Magdalene von Pfalz-Neuburg, welche ihm Joseph. I., seinen Nachfolger, und Karl VI., der 1711 Kaiser wurde, sowie drei Töchter, darunter Maria Elisabeth, Statthalterin der Niederlande, gebar. Vgl. Wagner, Historia Leopoldi Magni (Wien 1719-31, 2 Bde.); Baumstark, Kaiser L. I. (Freiburg 1873).

2) L. II. Peter Joseph Johann Anton Joachim Pius Gotthard, geb. 5. Mai 1747 zu Wien, dritter Sohn des Kaisers Franz I. und der Maria Theresia, folgte seinem Vater 1765 als Großherzog von Toscana, um welches er sich durch Beförderung der Landwirtschaft, Hebung und Förderung der Manufakturen und des Handels, Verbesserung