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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Leopold

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Leopold (Anhalt, Baden, Bayern, Belgien).

durch den am 5. Febr. 1745 erfolgten Tod seiner Gemahlin Anna Luise Föse (die Anneliese), einer Apothekerstochter aus Dessau, die er trotz des Widerstandes seiner Mutter 1698 geheiratet, und die 1701 in den Reichsfürstenstand erhoben und für ihre Kinder mit Successionsrechten beliehen war, zog er sich in sein Land zurück und starb daselbst 9. April 1747. Vgl. Varnhagen von Ense, Biographische Denkmale, Bd. 2 (3. Aufl., Leipz. 1872); Hosäus, Zur Biographie des Fürsten L. von Anhalt-Dessau (Dess. 1876); "Selbstbiographie des Fürsten L." (1676-1703), herausgegeben von Siebigk (das. 1876).

4) L. II. Maximilian, Fürst von Anhalt-Dessau, Sohn des vorigen, geb. 25. Dez. 1700, begleitete, noch nicht 9 Jahre alt, seinen Vater in das Feld, ward 1715 Oberstleutnant, führte die Exekutionstruppen 1733 gegen Mühlhausen in Thüringen, nahm im Feldzug am Rhein den Parteigänger Lacroix gefangen, eroberte im ersten Schlesischen Krieg in preußischen Diensten Glogau durch Überrumpelung, Breslau durch List und hatte bei Chotusitz das nächste Kommando nach dem König. Auf dem Schlachtfeld zum Feldmarschall ernannt, trat er nach seines Vaters Tode die Regierung an, starb aber schon 16. Dez. 1751. Er war seit 1737 mit Agnes von Anhalt Köthen vermählt.

5) L. III., Friedrich Franz, Fürst von Anhalt-Dessau, Sohn des vorigen, geb. 10. Aug. 1740, diente in den ersten Jahren des Siebenjährigen Kriegs in der preußischen Armee und trat nach der vormundschaftlichen Regierung seines Oheims, des Fürsten Dietrich, 20. Okt. 1758 die Regierung an. Nach hergestelltem Frieden that er viel zur Hebung und Verschönerung seines Landes. Unter ihm wurden das Philanthropin zu Dessau (1774), ein Schullehrerseminar und die Buchhandlung der Gelehrten (1781-87) gestiftet. Er beförderte Künste und Wissenschaften, brach unter anderm durch die Anlage des Parks zu Wörlitz einem bessern Geschmack in der Bau- und Gartenkunst Bahn, errichtete ein Theater, ließ Kunststraßen und Brücken bauen und suchte Verbesserungen des Landbaues Eingang zu verschaffen. Eine gleiche Sorgfalt widmete er dem ihm 1798 zugefallenen dritten Teil des Fürstentums Anhalt-Zerbst. Durch sein festes Benehmen gewann L. die besondere Achtung Napoleons I., was seinem Land viele Erpressungen ersparte. 1807 trat er dem Rheinbund bei und nahm den herzoglichen Titel an. Er starb 9. Aug. 1817. Vermählt war er seit 1767 mit Luise Henriette Wilhelmine von Brandenburg-Schwedt. In der Regierung folgte ihm, da der Erbprinz Friedrich 27. Mai 1814 verstorben war, sein Enkel Leopold Friedrich. Vgl. Reil, L. Friedrich Franz, Herzog und Fürst von Anhalt-Dessau (Dess. 1845).

6) L. IV. Friedrich, Herzog von Anhalt-Dessau, geb. 1. Okt. 1794 zu Dessau, Enkel des vorigen, folgte nach der Schlacht bei Leipzig den Verbündeten nach Paris und übernahm 9. Aug. 1817 nach dem Tod seines Großvaters die Regierung. Durch die Stürme von 1848 sah er sich genötigt, dem Land 29. Okt. 1848 eine konstitutionelle Verfassung zu verleihen, welche jedoch schon 4. Nov. 1849 wieder aufgehoben und erst im Oktober 1859 durch eine neue Landschaftsordnung ersetzt ward. Nach dem Aussterben der Linie Anhalt-Köthen (1847) übernahm L. als Senior des Hauses Anhalt die Regierung von Köthen, 1. Mai 1853 wurden die Herzogtümer Dessau und Köthen vereinigt, und mit dem Tode des Herzogs Alexander von Bernburg (gest. 19. Aug. 1863) fiel ihm auch Bernburg zu, so daß er nun ganz Anhalt beherrschte. Vermählt war L. seit 1818 mit der Prinzessin Friederike, Tochter des Prinzen Ludwig von Preußen (gest. 1. Jan. 1849). Er starb 22. Mai 1871. Ihm folgte sein Sohn, Herzog Friedrich (s. Friedrich 5).

[Baden.] 7) Karl L. Friedrich, Großherzog von Baden, geb. 29. Aug. 1790 zu Karlsruhe, der älteste Sohn des Großherzogs Karl Friedrich aus dessen zweiter Ehe mit der Freiin Luise Geyer v. Geyersberg, welche später zur Reichsgräfin von Hochberg erhoben wurde, widmete sich seit 1809 unter dem Namen eines Grafen von Hochberg zu Heidelberg mit besonderer Liebe historischen Studien, machte 1814 den Krieg in Frankreich mit und erhielt durch das vom Großherzog Karl Ludwig Friedrich erlassene Hausgesetz vom 4. Okt. 1817 das Successionsrecht in den badischen Landen, den Titel eines großherzoglichen Prinzen und Markgrafen von Baden und das Prädikat "Hoheit". Er vermählte sich 25. Juli 1819 mit der Prinzessin Sophie Wilhelmine von Schweden und lebte, von seinem Halbbruder, dem Großherzog Ludwig, von aller Teilnahme an den Regierungsgeschäften fern gehalten, zurückgezogen in dem Kreise seiner Familie und den Studien obliegend, zu deren Früchten eine durch ihn veranstaltete sehr reiche Münzsammlung gehört. Der Tod des Großherzogs Ludwig, 30. März 1830, rief ihn auf den Thron. L. war der erste deutsche Fürst, der bereits vor den Ereignissen von 1848 die Bahn der liberalen Reformen betrat. Auch in den Märztagen von 1848 ging er mit Konzessionen voran. Gleichwohl nahm gerade in Baden die Bewegung einen so ernsten Charakter an, daß sich L. 13. Mai 1849 genötigt sah, das Land zu verlassen. Nach wiederhergestellter Ruhe im August zurückgekehrt, verfuhr er mit Milde, führte auch die alte Verfassung wieder ein, starb aber schon 24. April 1852. Da sein ältester Sohn, Ludwig (gest. 1858), durch Krankheit an der Übernahme der Regierung verhindert war, folgte ihm sein zweiter Sohn, Friedrich (s. Friedrich 8), den er, an der Gicht leidend, bereits 21. Febr. 1852 zum Regenten ernannt hatte. Vgl. Schöchlin, Geschichte von Baden unter der Regierung des Großherzogs L. (Karlsr. 1855).

[Bayern.] 8) Prinz von Bayern, geb. 9. Febr. 1846 als zweiter Sohn des Prinzen Luitpold, des jetzigen Regenten von Bayern, trat 1861 in das 6. Jägerbataillon, ward 1864 zum Oberleutnant befördert und in die Artillerie versetzt, machte den Krieg von 1866 mit, befehligte 1870/71 als Hauptmann eine reitende Batterie im 1. bayrischen Armeekorps und zeichnete sich namentlich bei Villepion aus. 1875 wurde er Generalmajor und 1881 Generalleutnant und Kommandeur der 1. Division. Seit 1873 ist L. mit der Prinzessin Gisela, der Tochter des Kaisers von Österreich, vermählt.

[Belgien.] 9) L. I. Georg Christian Friedrich, König der Belgier, Sohn des Herzogs Franz von Sachsen-Koburg, geb. 16. Dez. 1790 zu Koburg, widmete sich dem Studium der Kriegswissenschaften und des Staatsrechts und wurde früh General in der russischen Armee. Während einer Reise seines Bruders Ernst 1808 nach Rußland führte L. die Verwaltung des Herzogtums und nahm im Gefolge des Kaisers Alexander I. an dem Kongreß zu Erfurt teil. 1810 legte er aus Rücksicht auf Napoleon seine Stelle im russischen Heer nieder. Hierauf widmete er sich den Angelegenheiten seines Hauses, den Künsten und Wissenschaften, unternahm eine diplomatische Reise nach Paris und unterhandelte 1811 zu München einen