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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Leopold

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Leopold (Österreich, Toscana).

Friedrich des Schönen bei Mühldorf 1322 den Krieg fort; von leidenschaftlichem Haß und Ehrgeiz erfüllt, verbündete er sich mit dem Papst und dem König Karl IV. von Frankreich, dem er 1324 auf einer Zusammenkunft in Bar sur Aube sogar seine Hilfe für seine Wahl zum deutschen König versprach. Sein Einspruch vereitelte 1325 den Trausnitzer Vertrag zwischen Ludwig und Friedrich, und eine Versöhnung wurde nur durch seinen frühen Tod (28. Febr. 1326) möglich.

19) L. III., Neffe des vorigen und Sohn von dessen Bruder Albrecht II., geb. 1351, folgte 1365 seinem ältern Bruder, Rudolf, in der Herrschaft über die schwäbischen Lande, nachdem er sich 1364 mit einer Tochter Bernabo Viscontis, die ihm 100,000 Goldgulden Mitgift zubrachte, vermählt hatte, schloß 1377 mit dem Schwäbischen Städtebund ein Bündnis, um seine Macht zu vergrößern, und unterwarf sich auch Freiburg i. Br. Unter ihm wurde auch 1374 das görzische Istrien (Grafschaft Mitterburg und Pisino), Triest (1382) und die Hälfte des Voralbergischen ^[richtig: Vorarlbergischen] für Habsburg erworben. Vor allem strebte er danach, sich die Schweizer wieder zu unterwerfen; und zog 1386 mit einem stattlichen Ritterheer zur Vernichtung des eidgenössischen Heers aus. Bei Sempach 9. Juli auf ungünstigem Boden zu einer Schlacht gezwungen, wurde das Heer von den Schweizern durchbrochen und vernichtet; verzweifelnd stürzte sich L. in das Getümmel und wurde unerkannt erschlagen. Vgl. O. Lorenz, L. III. und die Schweizer Bünde (Wien 1860); Egger, Geschichte Leopolds III. von Österreich (Innsbr. 1869, Schulprogramm).

20) Sohn des Erzherzogs Karl von Steiermark, geb. 5. Okt. 1586, ward 1605 Bischof erst zu Passau, seit 1607 auch zu Straßburg. 1609 ließ er sich von Kaiser Rudolf II. zum Verwalter des mit Sequester belegten jülich-klevischen Erbes ernennen, erschien verkleidet daselbst und bemächtigte sich der Stadt Jülich. Doch gelang es ihm auf die Dauer nicht, sich hier zu behaupten. Rudolf dachte eine Zeitlang daran, L. zu seinem Nachfolger zu ernennen. An der Spitze wüster Söldnerhaufen suchte er sich auch Prags zu bemächtigen und nahm die Kleinseite im Sturm. Nach dem Tod seines Vetters Maximilian (1618) erhielt er nach längern Unterhandlungen mit seinem Bruder, Kaiser Ferdinand II., und Karl, Bischof von Breslau, zufolge eines Teilungsvertrags die Grafschaft Tirol, wodurch er, seit 1626 der beiden Bistümer enthoben und mit Claudia von Medicis vermählt, Stifter der jüngern habsburg-tirolischen Linie wurde, welche mit seinen Nachkommen 1665 ausstarb. 1622 ward ihm die Grafschaft Glatz und 1627 die Markgrafschaft Burgau geschenkt. 1619 verteidigte er Wien gegen Matthias von Thurn, bekriegte 1621 die protestantisch gesinnten Graubündner und befehligte im nächsten Jahr im Elsaß gegen den Grafen von Mansfeld. Er starb 17. Sept. 1632.

21) L. Wilhelm, Sohn Kaiser Ferdinands II., geb. 6. Jan. 1614, wurde 1629 zum Bischof von Halberstadt erwählt und von seinem Vater kraft apostolischer Provision zum Erzbischof von Magdeburg ernannt, aber durch den Prager Frieden von 1635 genötigt, letztere Würde an Sachsen abzutreten; dagegen behielt er die ihm von seinem Bruder übertragenen Bistümer Straßburg und Passau, wozu 1628 noch das Bistum Olmütz kam; 1642 erhielt er auch die Würde des Hoch- und Deutschmeisters. 1639 focht er, an Gallas' Stelle tretend, in Sachsen und Thüringen gegen den schwedischen General Banér, den er 1641 von der Oberpfalz nach Sachsen zurückdrängte, und 1642 in Schlesien gegen Torstensson, erlitt aber 2. Nov. bei Breitenfeld eine bedeutende Niederlage, worauf er das Kommando niederlegte. 1645 betrat er abermals als kaiserlicher General den Kriegsschauplatz, entsetzte Brünn, vertrieb die Schweden aus Franken und befehligte 1646 als spanischer Generalgouverneur in den Niederlanden. Nachdem er in den Feldzügen von 1647 und 1650 bis 1653 mit Glück gegen die Franzosen gefochten, verlor er 1654 fast alle gewonnenen festen Plätze wieder. Er legte 1656 sein Gouvernement in den Niederlanden nieder und starb 20. Nov. 1662 in Straßburg.

22) Ältester Sohn des 1853 verstorbenen Erzherzogs Rainer, geb. 6. Juni 1823, trat in die Armee, wurde Oberst und Inhaber des 53. Infanterieregiments, später Generalmajor beim Geniehauptamt, 1850 Feldmarschallleutnant, 1855 Generalgeniedirektor und 1860 Generalgenieinspektor, befehligte 1866 im böhmischen Feldzug das 8. Armeekorps und ward 1867 zum General der Kavallerie ernannt. Auch ist er Mitglied des Herrenhauses.

[Toscana.] 23) L. II. Johann Joseph Franz Ferdinand Karl, Großherzog von Toscana, geb. 3. Okt. 1797 zu Florenz, zweiter Sohn des Großherzogs Ferdinand III. und der Marie Luise von Sizilien, begleitete seinen Vater 1799 ins Exil nach Wien, Salzburg, Würzburg und kehrte mit ihm 1814 in die Heimat zurück. Seit 1817 mit der Prinzessin Anna von Sachsen vermählt, folgte er 18. Juni 1824 seinem Vater in der Regierung und hatte des Großvaters und Vaters weise Regierungsmaximen sowie deren Liebe zu Wissenschaft und Kunst geerbt. Während er durch zahlreiche Bauten, durch Anlegung von Straßen etc. für das materielle Wohl des Landes sorgte, wurden auch die moralischen und geistigen Interessen nicht außer acht gelassen. Der Volksunterricht wurde mit Eifer gepflegt, die Universität ward regeneriert und die Justizverwaltung neu organisiert. Der erste italienische Gelehrtenkongreß wurde 1839 in Pisa vom Großherzog selbst eröffnet; seine rege Teilnahme für Wissenschaft und Litteratur bezeugt unter anderm die von ihm noch als Erzherzog vorbereitete Ausgabe der "Opere di Lorenzo de' Medici" (Flor. 1825, 4 Bde.). Gleichwohl ergriff die Bewegung von 1847 auch das Großherzogtum. Die 15. Febr. 1848 von ihm erlassene Konstitution befriedigte die Bevölkerung nicht, und nachdem L. im Februar 1849 das Land verlassen, trat eine provisorische Regierung ins Leben, die aber schon im April durch eine Konterrevolution gestürzt wurde, worauf der Großherzog zurückkehrte. Zwar erließ L. eine ziemlich umfassende Amnestie, die Konstitution ward aber 8. Mai 1852 außer Kraft gesetzt. Als im April 1859 eine Volkserhebung ihn zwingen wollte, sich dem Königreich Sardinien im Kampf gegen Österreich anzuschließen, während er sich diesem gegenüber zur Neutralität verpflichtet hatte, verließ er 27. April seine Staaten und entsagte 21. Juli zu Vöslau der Regierung zu gunsten seines Sohns Ferdinand IV. Nach dem Tod seiner ersten Gemahlin, Maria Anna von Sachsen, 24. März 1832, hatte sich der Großherzog 7. Juni 1833 mit der Prinzessin Antonie von Neapel, geb. 19. Dez. 1814, vermählt. Aus seiner ersten Ehe hatte er eine Tochter, Auguste, geb. 1. April 1825, vermählt seit 15. April 1844 mit dem Prinzen Luitpold von Bayern, gest. 26. April 1864; seine zweite Gemahlin schenkte ihm zwei Söhne, den Großherzog Ferdinand IV. und den Erzherzog Karl Salvator, und eine Tochter, Marie