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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lerche; Lerchenfeld

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Lerche - Lerchenfeld.

sind braun, der Fuß gelbbräunlich. Sie bewohnt ganz Europa und Mittelasien und ist bei uns vom Februar bis Spätherbst im allgemeinen häufiger als der Sperling. Im Winter weilt sie in Südeuropa und Nordafrika. Sie bevorzugt das bebaute Feld, ist ungemein beweglich, setzt sich gern auf Erdschollen, Steine oder Pfähle, läuft und fliegt vortrefflich, singt anhaltend und angenehm, lebt nur nach der Brutzeit gesellig und friedfertig, nistet meist auf Getreidefeldern und legt oft schon Anfang März 5-6 grüngelbliche oder rötlichweiße, grau oder graubraun gefleckte Eier (s. Tafel "Eier I"), welche von beiden Geschlechtern in 13 Tagen ausgebrütet werden. In guten Jahren nistet sie dreimal. Im Käfig hält sie sich mehrere Jahre, wird sehr zahm und lernt kleinere Lieder pfeifen. Auf ihrem Herbstzug wird sie in ungemein großer Zahl, vorzüglich bei Halle, gefangen und als Leckerbissen (Leipziger L.) auf den Markt gebracht. Trotzdem nimmt sie mit der gesteigerten Bodenwirtschaft an Menge zu. Die Heidelerche (Baum-, Holz-, Dull-, Lulllerche, Wald-, Heidenachtigall, A. [Choris] arborea L.), 15 cm lang, 29 cm breit, mit zartem Schnabel, kleinen Füßen, runden, breiten Flügeln und kurzer Holle, oberseits rostfahlbraun, schwarzbraun gefleckt, unterseits rostweißlich, mit schwarzen Schaftstrichen, an der Kehle dunkel punktiert, Zügel und Schläfenstrich rostweißlich, die Schwingen braunschwarz, die mittlern beiden Schwanzfedern braun, die übrigen schwarz; das Auge ist dunkelbraun, der Schnabel hornbraun, unterseits rot, der Fuß heller hornbraun; sie bewohnt in Mittel- und Südeuropa und in Westasien öde Heide- und Waldgegenden, wandert in kleinen Tagereisen und kehrt schon Ende Februar zurück. Sie ist höchst anmutig, rasch und gewandt, setzt sich auch auf Wipfel und Äste frei stehender Bäume, nistet zweimal unter einem Fichten- oder Wacholderbusch oder im Gras und legt 4-5 weißliche, grau und braun gefleckte Eier. Sie singt vortrefflich, hält sich aber im Käfig höchstens zwei oder drei Jahre. Die Haubenlerche (Kamm-, Kot-, Schopf-, Hauslerche, A. [Galerita] cristata L., s. Tafel "Sperlingsvögel I"), 18 cm lang, 33 cm breit, gedrungen gebaut, mit starkem Schnabel, mittelhohen Füßen, fast geraden Sporen, großen, breiten Flügeln und einer Holle auf dem Kopf, variiert sehr in der Färbung, bewohnt fast ganz Europa und einen großen Teil Afrikas, dringt von Süden her, wo sie besonders häufig ist, immer mehr in Deutschland vor, lebt wie die Feldlerche, nähert sich aber (besonders im Winter) mehr dem Menschen, singt angenehm, nistet zwei-, auch dreimal sehr versteckt auf Feldern, Wiesen, in Gärten und legt 3-6 gelbe oder rötlichweiße, grau und gelbbraun gefleckte und punktierte Eier. Die Kalanderlerche (A. [Melanocorypha] calandra Boie), 21 cm lang, 44 cm breit, mit sehr großem, dickem Schnabel, hohen, starken Füßen, großen, breiten Flügeln und kurzem, kaum ausgeschnittenem Schwanz, ist oberseits fahlbräunlich, heller gefleckt, Zügelstreif, Kehle und Brust zart rostgelblich, letztere dunkel gestrichelt, die übrigen Unterteile weiß, an den Halsseiten mit zwei großen, schwarzen Flecken, die Schwingen und Schwanzfedern braunschwarz, die beiden äußersten Schwanzfedern weiß; das Auge ist braun, der Schnabel oben braun, unten gelb, der Fuß rötlich. Sie bewohnt Südeuropa, Nordwestafrika und die Steppen Turkistans, findet sich überall auf dürren Feldern und stimmt in der Lebensweise mit der Feldlerche überein. Das Gelege besteht aus 3-5 weißen oder gelblichweißen, gelbbraun oder grau gefleckten oder punktierten Eiern. Ihr Gesang ist herrlich und die Fähigkeit, andre Stimmen und Gesänge nachzuahmen, überraschend. Für das Zimmer ist der Gesang zu laut.

Lerche, Vinzenz Stoltenberg, norweg. Maler, geb. 5. Sept. 1837 zu Tönsberg, ging 1856 nach Düsseldorf, wo er sich in der dort herrschenden Malweise ausbildete. Er malte zuerst Architekturstücke und ging deshalb nach Venedig, von da an den Rhein, wo er namentlich Kirchen malte, endlich auch nach dem heimischen Norden, wo ihm Drontheim und Roeskilde Vorwürfe boten. Daneben machte er sich einen bekannten Namen als Karikaturenzeichner und bevölkerte bald seine Klosterhöfe, Sakristeien und Kirchengänge mit heitern Szenen aus der katholischen Priester- und Mönchswelt. Neuerdings hat er auch Interieurs mit Figuren aus dem 18. Jahrh. gemalt. Seine Hauptwerke sind: das Innere der Lambertikirche zu Düsseldorf (1862), Klosterbibliothek (1872), der Zehntentag im Kloster (1873), ein Wirtshaus in Köln zur Zeit der französischen Okkupation (1880), der Kirchenplan und Seemannsgeschichten (1886). Als Schriftsteller machte er sich bekannt durch zwei Bände "Reiseskizzen" (1872 u. 1874), "Kleine Bilder für große Kinder", zwei Hefte Kinderreime und Volksweisen in Arabesken (1876 u. 1879), als Illustrator durch zahlreiche Beiträge für deutsche, schwedische und norwegische Zeitschriften.

Lerchenfeld (Neu-L.), westlicher Vorort von Wien, mit den Vororten Hernals, Ottakring und Neu-Fünfhaus zusammenhängend, hat (1880) 25,657 Einw., Fabriken für Stock- und Pfeifenbeschläge, Tischlerarbeiten, Rosoglio etc., eine Dampfmühle, eine Filiale des Militärinvalidenhauses und ein Spital. Die ehemalige Gemeinde Alt-L. bildet gegenwärtig einen Bestandteil von Wien. Die Sprechweise von L. gilt als der Urtypus des Wiener Dialekts.

Lerchenfeld, 1) Maximilian Emanuel Franz, Freiherr von, bayr. Staatsmann, geb. 16. Nov. 1778 zu Ingolstadt, studierte daselbst, ward 1803 Rat in der Landesdirektion zu Ulm, ging 1807 als bayrischer Gesandter an den württembergischen Hof, wurde 1808 zum Generalkommissar des Rezatkreises zu Ansbach ernannt und in gleicher Eigenschaft 1809 nach Nürnberg, 1810 nach Innsbruck und 1814 nach Würzburg versetzt. Von 1817 bis 1825 und wieder 1833 bis 1835 war er Finanzminister, von 1825 bis 1833 Gesandter am Bundestag und seit 1835 zu Wien. Er starb 17. Okt. 1843 in Heinersreuth bei Bamberg. An der Begründung der bayrischen Verfassung 1815 bis 1818 hatte sich L. in liberalem Sinn beteiligt. Vgl. M. v. Lerchenfeld, Die bayrische Verfassung und die Karlsbader Beschlüsse (Nördling. 1883).

2) Gustav Anton, Freiherr von, bayr. Staatsmann, Sohn des vorigen, geb. 30. Mai 1806 zu Ulm, studierte die Rechte und fungierte mehrere Jahre als Bezirksrichter in der Pfalz und als Appellationsgerichtsrat in Bamberg, bis er mit dem Tod seines Vaters 1843 den Staatsdienst verließ, um das Rittergut Heinersreuth zu übernehmen. Seit 1845 gehörte er der bayrischen Abgeordnetenkammer an, in welcher er das Ministerium Abel entschieden bekämpfte. Im März 1848 wurde er an die Spitze der Finanzverwaltung berufen, welches Amt er 15. Nov. mit dem Portefeuille des Innern vertauschte. Doch schon 20. Dez. d. J. gab er dasselbe wieder ab und beteiligte sich seitdem nur noch als Mitglied der bayrischen Abgeordnetenkammer am öffentlichen Leben. Infolge einer Äußerung gegen den Fürsten Wrede von diesem gefordert, ward er in dem dadurch veranlaßten Duell verwundet. Mit dem Grafen Heg-^[folgende Seite]