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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Lerchenfink - Lerius.

nenberg war er in der Reaktionszeit der 50er Jahre Führer der liberalen Opposition in der Kammer. Als 1859 in Bayern der innere Friede hergestellt war, beteiligte L. sich mit großem Eifer an der deutschen Frage und war als ein Hauptführer der großdeutschen Partei einer der Gründer und Präsident des 1862 gestifteten großdeutschen Reformvereins. Er starb 10. Okt. 1866 in Berchtesgaden infolge eines Sturzes, den er 29. Sept. auf dem Untersberg erlitt. Er schrieb: "Die altbayrischen landständischen Freibriefe und Landesfreiheitserklärungen" (Münch. 1851); "Geschichte Bayerns unter König Maximilian Joseph I." (Berl. 1854) und "Das Verfahren der deutschen Großmächte gegen Schleswig-Holstein und den Bund" (Jena 1866).

Lerchenfink, s. Ammer.

Lerchenkauz, s. Eulen, S. 906.

Lerchensporn, s. Corydalis.

Lerchenstößer, s. Falken, S. 10.

Lerdo de Tejāda, Sebastian, Präsident der Republik Mexiko, geb. 25. April 1827 zu Jalapa, Staat Veracruz, studierte in Puebla und trat 1855 als Mitglied des obersten Gerichtshofs in das öffentliche Leben. 1857 war er unter dem Präsidenten Comonfort drei Monate Ministerpräsident und Minister des Äußern. 1858 ward er in den Kongreß und zum Präsidenten desselben gewählt, lehnte den ihm von Juarez angebotenen Ministerposten ab, flüchtete nach dem Sieg der Franzosen bei Puebla 1863 mit der Regierung nach dem Norden, nahm dann in San Luis Potosi das Ministerium des Äußern an und führte als treuer Anhänger Juarez' ein unstetes Leben, bis dieser siegte. Auf Lerdos Rat ward Kaiser Maximilian 1867 erschossen. Er war dann unter Juarez' Präsidentschaft Präsident des obersten Gerichtshofs, trat bei der Präsidentenwahl im Sommer 1871 als Kandidat gegen Juarez auf, unterlag zwar, übernahm aber nach dessen Tod (18. Juli 1872) provisorisch und nach seiner fast einstimmigen Wahl (18. Aug.) definitiv die Präsidentschaft. Im Juli 1876 wurde er von neuem zum Präsidenten gewählt, aber schon im November von Porfirio Diaz gestürzt und zur Flucht nach den Vereinigten Staaten gezwungen.

Lerici (spr. lēritschi), Stadt in der ital. Provinz Genua, Kreis Spezia, malerisch an der Ostküste des Golfs von Spezia gelegen, mit altem Kastell, einem Hafen und (1881) 2811 Einw., welche Olivenkultur, Schiffbau, Fischerei und Schiffahrt betreiben und tüchtige Seeleute stellen. In dem Hafen sind 1884: 388 Schiffe mit 13,008 Ton. größtenteils auf der Küstenfahrt eingelaufen. Auch das zur Gemeinde L. gehörige Pertusola (mit Hüttenwerk für silberhaltige Bleierze) besitzt einen Hafen.

Lerĭda, span. Provinz in der Landschaft Katalonien, grenzt im N. an Frankreich und die Republik Andorra, im NO. an die Provinz Gerona, im O. an Barcelona, im S. an Tarragona, im W. an Saragossa und Huesca, hat einen Flächenraum von 12,336 qkm (224,6 QM.), ist größtenteils ein wildes, romantisches Hochgebirgsland und wird im N. vom Hauptzug der Zentralpyrenäen, von der Maladettagruppe bis zum Einschnitt des Cerdañathals, dann von der zu den Ostpyrenäen gehörigen Sierra del Cadi (2535 m) sowie von den terrassenförmigen Vorlagen der Pyrenäen, darunter Sierra de Boumort, El Monsech, erfüllt. Im S., an der Grenze der Provinz Tarragona, erhebt sich die Sierra de la Llena, welche zur Gruppe des Montsant gehört. Die Provinz umfaßt auch ebene Gebiete und zwar einerseits die Thäler im Gebirge, insbesondere das Thal La Cerdaña, dann die Ebenen um die Hauptstadt herum, La Noguera westlich und die wohlbewässerten, üppigen Llanos del Urgel östlich vom Segre. Der eben genannte Nebenfluß des Ebro gehört beinahe in seiner ganzen Ausdehnung der Provinz an. Er nimmt hier die Noguera Pallaresa und die Noguera Ribagorzana auf. In der Provinz entspringt auch die Garonne, welche hier das schöne Pyrenäenthal Val de Aran durchfließt. Die Bevölkerung belief sich 1878 auf 285,297 Seelen (1884 auf 291,600 geschätzt), d. h. 23 auf das QKilometer. 1860 betrug sie 314,530, hat sich demnach seither sehr vermindert. Der Boden ist steinig und, abgesehen von den Ebenen, wenig fruchtbar. In den Gebirgen gibt es viel Wald. Hauptprodukte sind: Getreide, Obst, Öl, Wein, Flachs, Hanf, Anis, Gartenfrüchte und Gemüse, dann Pferde, Esel, Maultiere, Rinder und Schweine sowie Schafwolle, Käse und Seide. Die Provinz hat Reichtum an Erzen, insbesondere an silberhaltigem Bleierz, dann an Braunkohlen und andern Mineralien und besitzt auch Salinen und Mineralquellen. Die Industrie ist nicht bedeutend. Als Verkehrsweg dient insbesondere die Eisenbahnlinie Saragossa-Barcelona, von welcher sich die Linie nach Tarragona abzweigt. Die Kommunikation mit Frankreich wird hauptsächlich durch das Cerdañathal vermittelt, von welchem auf französischem Boden drei Straßen über die Pyrenäen, darunter die Straße über den Col de la Perche, ausgehen. Ins Val de Aran und nach Andorra führen Saumwege. Die Provinz umfaßt acht Gerichtsbezirke (darunter Balaguer, Cervera, Seo de Urgel, Solsona). - Die gleichnamige befestigte Hauptstadt, am Segre und der von Saragossa kommenden Eisenbahn, welche sich hier nach Barcelona und Tarragona abzweigt, hat eine Römerbrücke über den Segre, einen alten Palast der Könige von Aragonien, eine Citadelle, eine alte ehemalige Kathedrale in byzantinisch-gotischer Architektur, jetzt Kaserne, und eine neue Kathedrale, ein theologisches Seminar, ein Lyceum und andre Unterrichtsanstalten (früher auch eine Universität) und (1884) 17,672 Einw. Die Industrie der Stadt besteht in Fabrikation von Glas, Leder, Papier, Woll- und Baumwollwaren; der Handel hat hauptsächlich Getreide und Holz zum Gegenstand. L. ist Sitz des Gouverneurs und eines Bischofs. L. ist das alte Ilerda (s. d.), die Hauptstadt der Ilergeten. In der Ebene von L. zwang Cäsar 49 v. Chr. die Pompejanischen Legaten Afranius und Petrejus zur Kapitulation. Am 23. April 1810 hier Sieg der Franzosen unter Hébert über die Spanier unter O'Donnell, worauf sich die Stadt 12. Mai den Franzosen ergab. Vgl. Pleyan de Porta, Historia de L. (Madr. 1874).

Lerinīsche Inseln (franz. Lérins), Inselgruppe im Mittelmeer, zum franz. Departement Seealpen, Arrondissement Grasse, gehörig, 4 km südöstlich von Cannes gelegen, trennt den Golf von Napoule (westlich) von jenem von Jouan (östlich). Die bedeutendsten Inseln sind: Ste.-Marguerite (im Altertum Lerona), 7 km im Umfang, mit einem Fort, welches als Staatsgefängnis des Mannes mit der eisernen Maske, neuestens des Marschalls Bazaine bekannt ist, und südlich davon St.-Honorat (im Altertum Lerina), 3 km im Umfang, mit Resten eines früher als Theologenschule berühmten Klosters.

Lerius, 1) Theodor van, belg. Kunstschriftsteller, geb. 31. März 1819 zu Antwerpen, wurde 1845 Advokat daselbst und starb 21. April 1880. Er beschäftigte sich eingehend mit dem Studium der niederländischen Kunstgeschichte und hat durch seine archi-^[folgende Seite]