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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lerma; Lermolĭeff; Lérmontow

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Lerma - Lermontow.

valischen Studien dieselbe wesentlich aufklären helfen. Außer zahlreichen Aufsätzen in Zeitschriften etc. gab er heraus: "Notre Dame d'Anvers avant la seconde invasion française en 1794" (Antwerp. 1841); "Notice des œuvres d'art qui ornent l'église de St.-Jacques à Anvers" (Borgerhout 1855, Nachtrag 1871); "Études sur les tendances de l'art chrétien exclusif" (1860). Er war der Hauptmitarbeiter an der epochemachenden 2. Auflage des "Catalogue du Musée d'Anvers" (Antwerp. 1857, Supplement 1863) und veröffentlichte mit Ph. Rombouts das großartige Werk "De liggeren en andere historische archieven der Antwerpsche St. Lucasgilde" (Antw. 1864-76), welches über die Lebensumstände einer großen Anzahl von Künstlern zum erstenmal ein klares Licht verbreitete. Aus seinem Nachlaß erschien: "Biographies d'artistes anversois" (Gent 1883).

2) Joseph Hendrik Frans van, belg. Maler, Vetter des vorigen, geb. 23. Nov. 1823 zu Boom bei Antwerpen, studierte an der Brüsseler, dann seit 1838 an der Antwerpener Akademie und speziell von 1841 bis 1844 als Schüler von G. Wappers. Damals malte er besonders weibliche Bildnisse, die ihm wie die Kinderporträte vortrefflich gelangen. Später bereiste er Deutschland und Italien. 1854 ward er Professor an der Antwerpener Akademie und starb 29. Febr. 1876. Unter seinen Bildern, die sich durch tiefes, kräftiges Kolorit und eine sorgfältige Modellierung auszeichnen, sind hervorzuheben: Esmeralda (1848), Paul und Virginie (1851), die vier Lebensalter (1851), der Erstgeborne (1852), Lust und Leid (1857), Aschenbrödel (1858), Johanna von Orléans vor Paris (1860), goldenes Zeitalter (1861), Triumph der Tugend (1863), Lady Godiva (1870).

Lerma, 1) Bezirksstadt in der span. Provinz Burgos, am Arlanza, mit Schloßruinen und (1878) 2406 Einw. - 2) Stadt im mexikan. Staat Mexiko, nordöstlich von Toluca, zwischen den beiden Quellseen des Rio de L., der, nachdem er noch den Chapalasee durchflossen hat, als Rio Grande de Santiago (s. d.) in den Stillen Ozean mündet, hat Pulquebrennereien, Fabrikation von Gebissen und Sporen und (1880) 10,692 Einw. (im Munizipium).

Lerma, Francisco Gomez de Sandoval y Rojas, Herzog von, Günstling König Philipps III. von Spanien, geboren um 1550, wurde demselben schon als Thronerben von Philipp II. als Hofmarschall beigegeben und wußte sich bei dem Prinzen, dessen tägliche Andachtsübungen er mitmachte, und den er mit Geld unterstützte, so in Gunst zu setzen, daß ihn Philipp wieder vom Hof entfernte und ihn zum Vizekönig von Valencia ernannte. Philipp III. rief ihn sogleich nach seiner Thronbesteigung 1598 zurück und ernannte ihn zum ersten Minister. L. führte fortan eine unbeschränkte Alleinherrschaft, besetzte alle Ämter mit seinen Günstlingen und hatte eine solche Gewalt über den König, daß er diesem verbot, mit seiner Gemahlin Margarete von Staatsangelegenheiten zu reden, und daß man L. der Anwendung von Zaubermitteln auf Philipp beschuldigte. L. war ein vollendeter Hofmann, der durch sein feines Benehmen viele gewann, aber ohne staatsmännische Begabung. Während er am Hof ein glänzendes, aber steifes Zeremoniell einführte, nahm infolge der Vernachlässigung der Verwaltung, der schamlosen Bereicherung der Beamten (L. selbst sammelte ein Vermögen von 40 Mill. Dukaten) und der Ausbreitung des geistlichen Grundbesitzes die Armut des Landes zu; der Ackerbau verfiel, Industrie und Handel stockten, die Flotte geriet in Verfall, das Heer verwilderte. Das Elend wurde noch unheilbar vergrößert durch die Austreibung von 800,000 Morisken (1609-11). Nach außen befolgte L. eine friedliche Politik: er schloß Frieden mit England (1604), Waffenstillstand mit den Vereinigten Niederlanden (1609) und mit Frankreich ein Bündnis, in welchem eine Wechselheirat zwischen beiden Häusern verabredet wurde (1612). Aber gerade diese Hinneigung zu Ketzern und lauen Papisten brachte 1618 zu Fall, nachdem er 20 Jahre geherrscht und nach dem Tod seiner Frau sogar Kardinal geworden war. Der neue Beichtvater Alliaga machte ihm den König abwendig, und L. zog sich auf seine Güter zurück. Sein eigner Sohn, der Herzog von Uzeda, wurde sein Nachfolger. Nach Philipps III. Tod (1621) wurde L. sogar von dem neuen Machthaber Olivarez angeklagt, verlor seinen Jahrgehalt und wurde zur Rückzahlung einer hohen Geldsumme verurteilt. Er starb 1625.

Lermolĭeff, Iwan, Pseudonym, s. Morelli.

Lérmontow, Michail Jurjewitsch, einer der größten russ. Dichter, geb. 3. Okt. (a. St.) 1814, erhielt nach dem Tod seiner 21jährigen Mutter, einer Deutschen, im Hause seiner Großmutter eine sorgfältige Erziehung und gründlichen Unterricht in den modernen Sprachen, machte im 10. Lebensjahr mit seiner Großmutter eine Reise nach einem Badeort am Kaukasus, absolvierte 1830 das akademische Gymnasium zu Moskau und bezog die dortige Universität. Wegen eines Jugendstreichs relegiert, ging er nach Petersburg und kam 1832 ins Pagenkorps, von wo aus er als Offizier in die Garde trat, ward aber infolge eines racheheischenden Gedichts auf den Tod Puschkins, eines seiner berühmtesten Gedichte, betitelt: "Na smért poeta" ("Auf den Tod des Dichters"), 1837 von der Garde entfernt und nach dem Kaukasus geschickt. Zwar wurde er nach ein paar Monaten begnadigt und in die Garde zurückversetzt, doch mußte er infolge eines Duells mit dem Sohn des französischen Botschafters Barante 1840 zum zweitenmal in den Kaukasus wandern, wo ihm bald darauf ein zweites Duell 15. Juli 1841 den Tod brachte; die Kugel seines Gegners Martynow, eines Kollegen und Freundes, traf ihn mitten ins Herz. Sein Leichnam wurde im März 1842 auf das Gut seiner Großmutter, Frau Arssenjew, im Kreis Tschembary (Gouvernement Pensa) gebracht und dort bestattet. L. war ein begeisterter und äußerst talentvoller Anhänger und Mitstrebender Puschkins und gehörte zu den rein subjektiven Dichtern. Frühzeitig abgestumpft für jeden Lebensgenuß, ward er einer der bedeutendsten Vertreter Byronscher "Zerrissenheitspoesie", die in seinen Dichtungen das rastlose Ringen eines einsamen, freien und vornehmen Geistes gegen den Druck einer unerbittlichen Autokratie offenbarte. L. ist bedeutend in der Lyrik und groß in der poetischen Erzählung; namentlich war es die großartige Gebirgswelt des Kaukasus, die ihn zu den schönsten und bedeutsamsten seiner Poesien begeisterte. Die vorzüglichsten seiner byronisch gefärbten, durch Kühnheit und Genialität der Behandlung hervorragenden epischen Gedichte, wie: "Mzyry" ("Der Novize"), "Ismail Bey", "Walérik", "Hadshi-Abrek", "Kasnatscheíscha" ("Die Rentmeisterin"), "Der Dämon" etc., spielen fast alle im Kaukasus. Am originellsten aber erweist er sich in dem echt nationalen kleinrussischen "Lied vom Zaren Iwan Wasiljewitsch", das Geist und Form altslawischer Volkspoesie mit naiver Treue wiedergibt. Sein vortrefflicher Roman "Geroí náschego wrémeni" ("Der Held unsrer Zeit", mehrfach ins Deutsche übersetzt) ward Anlaß zu dem Zweikampf, der ihm