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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lesghier

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Lesen - Lesghier.

Zeichen der Sprachlaute (Buchstaben) diese selbst und dadurch die von andern in Schrift oder Druck niedergelegten Gedanken zu erkennen. Dem entsprechend ist das L. einer der ersten und wichtigsten Gegenstände des Unterrichts der Kinder. Die beste Art, dasselbe dem Schüler beizubringen, ist im Lauf des letzten Jahrhunderts ein Lieblingskapitel der Pädagogik gewesen. In der ältern Zeit herrschte allgemein die jetzt verworfene Buchstabiermethode. Man prägte zuerst die Buchstaben des Alphabets mit ihren Namen ein und lehrte dann die Zusammensetzung und die Aussprache derselben in den Silben und Wörtern. Erst nachdem darin eine gewisse Sicherheit erzielt war, begann der Unterricht im Schreiben. Diese rein mechanische Weise des ersten Leseunterrichts enthält den doppelten Fehler, das L. aus seiner natürlichen engen Verbindung mit dem Schreiben zu reißen und von den ziemlich willkürlich gegriffenen Zeichen und Namen (den Buchstaben), statt von der Sache selbst (den Lauten), auszugehen. Die Schwierigkeiten, welche daraus hervorgehen, empfand man von jeher, ohne jedoch die Ursache zu erkennen. Schon die alten Römer gaben, um den Unterricht zu erleichtern, nach dem Zeugnis des Quintilian den Kindern elfenbeinerne Buchstaben zum Spielen. Ähnliches empfahl Locke; Basedow ließ die Buchstaben backen und von den Kindern essen. Pestalozzi, der die Buchstabiermethode zur Syllabiermethode zu erheben suchte, wandte Papptäfelchen mit groß gedruckten Buchstaben an, die man trennen und verbinden konnte. Seit dem 16. Jahrh. erfuhr die herkömmliche Methode viel Widerspruch. So von Valentin Ickelsamer (1534), Zeidler (1700), Vensky (1721), dem pseudonymen Nachsinner (1735), Hecker, Trapp (1780) und namentlich von Samuel Heinicke, dem Begründer des Taubstummenunterrichts in Deutschland. Im Kreis der Philanthropen beschäftigte man sich viel mit der Verbesserung des ersten Leseunterrichts. Schon war man ziemlich allgemein zu dem Ergebnis gekommen, daß vom Lautwert des Buchstabenzeichens auszugehen sei, als dies zuerst klar und folgerichtig von dem bayrischen Schulrat Stephani (1804, "Kurzer Unterricht in der gründlichsten und leichtesten Methode, Kindern das L. zu lehren"), dem eigentlichen Schöpfer der Lautiermethode, durchgeführt ward. Seine Methode strebten Krug, Pöhlmann u. a. zu vervollkommnen; da indes ihre Verbesserungen dieselbe nur künstlicher machten, brach sich die Lautiermethode fast überall in der ihr von Stephani gegebenen Form Bahn. Eine wirkliche Verbesserung erfuhr dieselbe durch Joh. Bapt. Graser (s. d.), der ebenfalls bayrischer Schulrat war, etwa ein Jahrzehnt nach ihrem Hervortreten, indem dieser darauf drang, daß von vornherein das Schreiben mit dem L. in engster Verbindung gelehrt werden müsse. Er wurde dadurch der Urheber der Schreib-Lesemethode, für welche sich allerdings schon Ansätze bei Ratichius (s. d.) und bei einigen französischen Pädagogen (de Launey u. a.) seit der Mitte des 18. Jahrh. nachweisen lassen. Graser ging bei seiner ersten Anweisung von der irrigen Annahme aus, daß die Form der (lateinischen) Buchstaben auf einer Nachahmung der zu ihrer Aussprache erforderlichen Mundstellung beruhe; allein dieselbe barg einen Kern von entschiedenem Werte, der bald Gemeingut aller nachdenkenden Pädagogen wurde. Während Stephani und Graser von den einzelnen Lauten ausgehen und diese zusammensetzen lassen zu Silben und Wörtern (synthetische Methode), verlangte der Franzose Jacotot (s. d.), daß man beim ersten Leseunterricht von dem Ganzen ausgehen müsse, welches uns im Leben als solches entgegentritt, vom Satz. Nach ihm muß das Kind angeleitet werden, einen sinnvollen Satz in seine Wörter, diese in Silben, diese in Laute zu zerlegen. Erst wenn auf diesem Weg die einzelnen Laute gewonnen sind, kann wieder an ihre Zusammensetzung gegangen werden (analytische oder auch analytisch-synthetische Methode). Diese Methode wurde in Deutschland durch den Lehrer Seltzsam zu Breslau (seit 1841) und den Schulrat Graffunder zu Erfurt eingeführt. Direktor Vogel in Leipzig (seit 1843) veränderte sie insoweit, als er nicht von ganzen Sätzen, sondern von sogen. Normalwörtern (Wortmethode) auszugehen empfahl. In dieser Gestalt ist die Jacototsche Methode in Deutschland sehr weit verbreitet und mit der Zeit fast herrschend geworden, dies besonders durch die Bemühungen der sächsischen Schulmänner Berthelt, Jäkel, Petermann u. a., des Lehrers Böhme zu Berlin, der preußischen Seminardirektoren Kehr und Jütting (Vogel-Böhmesche und Kehr-Schlimbachsche Methode). Übrigens gehen im einzelnen die Methoden sehr weit auseinander. Auf dem ganzen Gebiet herrscht ein reges Streben, das noch fortwährend auf Vereinfachung und Verbesserung des ersten Leseunterrichts hindrängt. So gewinnt z. B. immer mehr Gebiet die reine Schreib-Lesemethode, bei der die Kinder im Anfang nur eine Schrift, die deutsche Schreibschrift, erlernen, mit der übrigens große Verschiedenheit des Verfahrens vereinbar ist. Im weitern Verlauf des Leseunterrichts kommt es besonders auf ein dreifaches Ziel an: die Lautrichtigkeit, die Sinngemäßheit (logische Richtigkeit) und die Schönheit des Lesens. Danach hat man auch wohl die Stufen des Leseunterrichts (das mechanische, das logische, das ästhetische L.) unterschieden. Dieselben lassen sich jedoch nicht streng auseinander halten; auch gehört das ästhetische L., welches eine Kunst ist, nur in seinen ersten Anfängen zum Bereich der Schule. Vgl. Kehr, Geschichte des Leseunterrichts (in der "Geschichte der Methodik des deutschen Volksschulunterrichts", Bd. 2); Fechner, Die Methoden des ersten Leseunterrichts (2. Aufl., Berl. 1882); Derselbe, Grundriß der Geschichte der wichtigsten Leselehrarten (das. 1884); Palleske, Kunst des Vortrags (2. Aufl., Stuttg. 1884). - Unerwartete und erst noch näherer Prüfung bedürftige Angriffe hat der moderne Leseunterricht, namentlich die Schreiblesemethode, neuerdings von ärztlicher Seite erfahren.

Lesghier, die Bewohner des östlichen Kaukasus, die Hauptbevölkerung Daghestans, in geringer Zahl in den Gouvernements Baku und Jelissawetpol wohnhaft, ein türkisch-tatarisches Volk mohammedanischen Glaubens. Sie werden schon in den ältesten auf uns gekommenen geographischen Nachrichten als Bewohner des Kaukasus erwähnt und bewiesen sich im Kriege gegen die Russen als die tapfersten, aber auch grausamsten unter den Bergvölkern. Sie sind, ähnlich den Tscherkessen, von schlanker, hoher Gestalt, haben gestreckte Nasen und schmale Lippen, dunkle, wild und feurig blitzende Augen, eine hohe Stirn, dunkle Haare und einen ebensolchen Bart, der meist bis auf den Schnurrbart rasiert ist. Die Kleider sind eng anliegend, die Kopfbedeckung ist eine Pelzmütze, die Füße stecken in Sandalen. Unentbehrlich ist den Lesghiern der Filzmantel (Burka). Ihre Wohnsitze sind tief im Gebirge im Innern der Thäler, die Ansiedelungen liegen meist versteckt; die Häuser sind einstöckig und ärmlich, Fensterglas ist unbekannt. Unzucht straft das in Geltung gebliebene Volksgewohnheitsrecht streng, ebenso gemeine Verbrechen. Die