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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Leuchtturm

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Leuchtturm (Spiegel- und Linsensystem).

als Wegweiser dient. Die Leuchttürme der Küste unterscheiden sich in ihrer Konstruktion zuweilen stark von den gewöhnlichen Gebäuden. Die auf einzelnen Klippen errichteten Leuchttürme bedürfen, um dem Wellenschlag zu widerstehen, einer besondern Konstruktion aus Stein oder Eisen.

Anfangs benutzte man zur Beleuchtung Holz, später Kohlen, dann Talg- und Wachskerzen, jetzt in den meisten Fällen fettes Öl oder Mineralöl, während auf einigen Leuchttürmen das Drummondsche Kalklicht, auf andern elektrisches Licht und Magnesium angewandt werden. Die Lampen der Leuchttürme haben Argand-Brenner und 1-6 konzentrische Dochte, von welchen der äußere bis 72, selbst 112 mm Durchmesser hat. Die Lampen sind Uhr- oder Moderateurlampen, und der Überschuß von Öl, welchen diese dem Docht zuführen, ist hier notwendig, weil sonst bei der großen Hitze sehr bald Verkohlung eintreten würde. Um das von den Lampen nach allen Seiten ausstrahlende Licht zu konzentrieren, wendet man entweder Spiegel (katoptrisches oder englisches System) oder Linsen (dioptrisches oder französisches System) an. Das Spiegel- oder katoptrische System benutzt parabolische Hohlspiegel, in deren Brennpunkt sich die Flamme befindet deren Strahlen parallel zur Spiegelachse reflektiert werden. Indem man also bei wagerechter Stellung der letztern einen horizontalen Lichtcylinder erhält, dessen Durchmesser demjenigen des Scheinwerfers gleich ist, kann man keinen vollständigen Lichtkreis für den ganzen Horizont herstellen. Ein Schiff, welches sich auf dem Meer zwischen den Achsen zweier Spiegel befindet, wird nur ein schwach schimmerndes Licht erblicken, bei geringer Ortsveränderung aber wieder in den Bereich hellerer Strahlen kommen. Dieser Wechsel dient dazu, feste Feuer mit verschiedenen Apparaten von andern zu unterscheiden. Zur Herstellung eines Drehfeuers werden mehrere dieser Apparate auf den Seiten eines dreieckigen oder viereckigen eisernen Rahmens befestigt und das Ganze durch ein Uhrwerk mit gleichmäßiger Geschwindigkeit gedreht, so daß die Spiegel auf jeder Seite des Rahmens nacheinander gegen jeden Punkt des Horizonts gerichtet sind. Die vereinte Wirkung ihrer Lichtstrahlen bildet nach Maßgabe der Umdrehungsgeschwindigkeit einen Blitz von längerer oder kürzerer Dauer. Dabei nimmt die Lichtstärke bei jedem Blitz allmählich zu und ab, und zwischen je zwei Blitzen liegt stets eine Periode vollkommener Dunkelheit. Bei den Blinkfeuern oder intermittierenden Feuern nach Stevenson wird das Licht durch einen Schirm zeitweise verdeckt, so daß es abwechselnd plötzlich verdunkelt wird und dann ebenso plötzlich in vollem Glanz wieder erscheint. In Frankreich benutzt man zu Hafenlichtern den Bondier-Marcetschen Spiegelapparat mit einfacher Lampe, welcher aus einem kreisförmigen Reflektor besteht, der durch die Umdrehung einer Parabel um ihren Brennpunkt in horizontaler Ebene gebildet wird. Im Mittelpunkt befindet sich die Lampe, welche also rund um sich herum eine spiegelnde Fläche hat, die alle ihre auf- und abwärts geworfenen Lichtstrahlen in horizontaler Richtung weiter sendet.

Beim dioptrischen oder Linsensystem wird das von der Lampe ausgehende Licht durch Linsen gebrochen. Letztere sind indes so, wie sie zu gewöhnlichen Apparaten benutzt werden, für den hier vorliegenden Zweck wenig brauchbar; denn da sie bei nur einigermaßen großer Brennweite eine bedeutende Stärke des Glases besitzen müßten, so würde sehr viel Licht absorbiert werden, während anderseits auch die Darstellung so großer Linsen viele Schwierigkeiten bereitet und die schweren Glaskörper schlecht zu behandeln sind. Die Anwendbarkeit der Linsen für Leuchttürme datiert daher erst seit der Entdeckung Brewsters und Fresnels, welche fanden, daß man von der Glasmasse der Linse unbeschadet ihrer das Licht beugenden Kraft sehr viel hinwegschneiden könne, wenn nur die Oberfläche unverletzt bleibe. Sie konstruierten daher die noch jetzt gebräuchlichen vielzonigen oder ringförmigen Linsen, welche aus einer kleinen Mittellinse bestehen, die von mehreren Ringen oder Zonen umgeben ist. Nach diesem Prinzip kann man beliebig große Linsen bauen, ohne zu einer übermäßigen Stärke im Glas gezwungen zu sein, und außerdem den Umfang der Linse viereckig machen, damit kein Licht verloren geht. Nach diesem Fresnelschen System sind die beiden schönsten Leuchttürme der Erde, nämlich der 63 m hohe von Cordouan an der Mündung der Gironde und der von New Skerryvore an der Westküste Schottlands, gebaut. Fig. 4 (s. Tafel "Leuchttürme") zeigt diesen Apparat. Acht Zonenlinsen L L bilden einen Rahmen von 2 m Durchmesser, in dessen Mittelpunkt (also im Brennpunkt aller Linsen) die Lampe F steht, so daß von derselben nach acht Seiten hin intensive Lichtstrahlen R horizontal ausgesendet werden. Durch die Maschinerien im Fuß des Apparats wird derselbe in acht Minuten einmal herumgedreht, so daß in jeder Minute ein heller Lichtstrahl, allmählich an Intensität zunehmend und dann wieder verschwindend, dem Auge sichtbar wird. Über der Lampe ist ein kleiner Linsenapparat mit acht Linsen L' L' von 19½ Zoll Brennweite angebracht. Diese neigen sich unter einem Winkel von 50° gegen die Flamme und werden von ebenen Spiegeln M M überragt, die so aufgestellt sind, daß sie die von L' L' empfangenen Lichtstrahlen in horizontaler Richtung R' R' reflektieren. Der Apparat funktioniert so, daß man in gehöriger Entfernung ein festes Licht sieht, welches von dem untern Teil herrührt, während der obere Teil des Apparats in jeder Minute einen schwachen Blitz erzeugt. Bald nach letzterm erblickt man wieder einen hellern Strahl (welcher 30 Seemeilen weit sichtbar ist), so daß in jeder Minute ein schwächerer und ein starker Blitz aufeinander folgen. Der Prismenkranz Z Z am untersten Teil des Apparats fängt die nach unten geworfenen Strahlen der Lampen auf und entsendet sie ebenfalls in horizontaler Richtung R'' R''. Ein festes Feuer von großer Vollkommenheit, welches den ganzen Horizont durchaus gleichmäßig erleuchtet, zeigt Fig. 3. T ist die Lampe, D E F ist ein linsenförmiger Gürtel nach Fresnelschem Prinzip, welcher ⅖ der von der Lampe ausgehenden Strahlen vollständig beherrscht. Die übrigen ⅗ werden von dem obern und untern Hilfsapparat aufgefangen. Der obere Apparat A B C besteht aus 13 prismatischen Zonen und ist so eingerichtet, daß die Lichtstrahlen, nachdem sie an der innern Fläche eines Ringes eingetreten und gebogen sind, von der obern runden Fläche reflektiert werden und, nachdem sie aus der äußern Fläche ausgetreten und nochmals gebogen sind, den Apparat in vollkommen horizontaler Richtung verlassen. Die untern sechs prismatischen Zonen A' B' C' sind nach demselben Prinzip eingerichtet. Der ganze Apparat hat 1,5 m im Durchmesser und ist aus acht Stücken zusammengesetzt, welche durch einen Messingrahmen miteinander verbunden sind. Die Stangen dieses Rahmens M N laufen in schräger Richtung von oben nach unten, damit sie keinem Punkte des Horizonts Licht entziehen. Bei diesem Apparat ist mithin jeder